Sechs Regalkilometer mit Dokumenten gibt es im Stadtarchiv. Auch fast alle Ausgaben des General-Anzeigers sind dort zu finden.

Stadtarchiv
Thorsten Dette mit einem der ältesten Stücke aus dem Stadtarchiv: 1577 wurde damit ein Güterverkauf an Peter Teschemacher beurkundet.

Thorsten Dette mit einem der ältesten Stücke aus dem Stadtarchiv: 1577 wurde damit ein Güterverkauf an Peter Teschemacher beurkundet.

Das Team des Archivs: Thorsten Dette, Markus Teubert, Michaela Herrfurth, Georg Braun, Klaus-Jürgen Herbst und Kornelia Grams.

Fries, Stefan (fr), Bild 1 von 2

Thorsten Dette mit einem der ältesten Stücke aus dem Stadtarchiv: 1577 wurde damit ein Güterverkauf an Peter Teschemacher beurkundet.

Wuppertal. Nebeneinander aufgereiht würden die Regale im Stadtarchiv auf eine Länge von gut sechs Kilometern kommen. Also so ziemlich genau die Strecke, die man mit dem Auto von den Haspelhäusern, wo das Archiv seit einigen Jahren untergebracht ist, zum Pressehaus am Otto-Hausmann-Ring in der Varresbeck unterwegs ist. Der Zusammenhang passt, denn auch der General-Anzeiger, wie viele Wuppertaler die Westdeutsche Zeitung noch kennen, liegt fast komplett im Stadtarchiv vor. „Die Ausgaben vor 1950 gibt es aber nur noch auf Microfiche zum Einsehen“, erklärt Thorsten Dette, Leiter der Einrichtung. Zu anfällig sind die alten Seiten. „Das Problem ist das säurehaltige Papier“, so der 56-Jährige, der seit 2010 in Wuppertal beschäftigt ist. Wobei: die ganz alten Ausgaben vom Ende des 19. Jahrhunderts seien teilweise besser in Schuss als die neueren.

Wer aber noch mal nachlesen möchte, was zum Ersten Weltkrieg, Tuffis Sprung in die Wupper oder zur Gründung der Bergischen Universität geschrieben wurde, wird am Haspel auf jeden Fall fündig.

Sechs Regalkilometer mit Dokumenten gibt es im Stadtarchiv. Auch fast alle Ausgaben des General-Anzeigers sind dort zu finden.
Thorsten Dette mit einem der ältesten Stücke aus dem Stadtarchiv: 1577 wurde damit ein Güterverkauf an Peter Teschemacher beurkundet.

Thorsten Dette mit einem der ältesten Stücke aus dem Stadtarchiv: 1577 wurde damit ein Güterverkauf an Peter Teschemacher beurkundet.

Das Team des Archivs: Thorsten Dette, Markus Teubert, Michaela Herrfurth, Georg Braun, Klaus-Jürgen Herbst und Kornelia Grams.

Stefan Fries, Bild 1 von 2

Das Team des Archivs: Thorsten Dette, Markus Teubert, Michaela Herrfurth, Georg Braun, Klaus-Jürgen Herbst und Kornelia Grams.

Doch Zeitungen, betont Dette, seien natürlich nur ein kleiner Teil von dem, was im Archiv aufbewahrt werde. Stadtratsprotokolle sind dort untergebracht, Bauunterlagen, Bücher mit Wuppertalbezug und vieles mehr. Sogar Flugblätter. Auch die aktuellen der Initiative gegen die Forensik, auf denen sie kürzlich zur Menschenkette aufrief, könnten, so Dette, ihren Weg ins Archiv finden. Denn Aufgabe eines Archivs sei es, „die Geschichte der Stadt abzubilden“. Wie viele Urkunden, Fotos und sonstige Dokumente es insgesamt seien, könne man gar nicht sagen. „Archivare rechnen eher in Regalmetern.“

Und es werden immer mehr. Die Stadtverwaltung hat zum Beispiel die Pflicht, alle Unterlagen nach einer gewissen Aufbewahrungspflicht dem Archiv anzubieten. So lässt sich jetzt noch leicht verfolgen, wie Ende der 1950er Jahren die heißen Diskussionen um das „Aus“ der Barmer Bergbahn in den städtischen Gremien geführt wurden.

Alles aus den städtischen Ämtern schafft es aber nicht ins Archiv. „Wir nehmen nur einen Bruchteil“, sagt Dette. Bußgeldunterlagen, um nur ein Beispiel zu nennen, seien eher uninteressant für ein Archiv. Denn ein großes Problem sei natürlich der Platzbedarf (siehe unten).

Die Temperatur für die optimale Aufbewahrung der Dokumente darf maximal 20 Grad betragen, die Luftfeuchtigkeit muss zwischen 40 und 60 Prozent liegen.

Besucher des Stadtarchivs müssen ein Nutzungsentgelt zahlen, welches am 1. Januar von drei auf vier Euro erhöht worden ist. Das gilt allerdings nicht für Schüler und Studenten. Für sie ist die Nutzung kostenlos, wie es auf der Homepage des Stadtarchivs heißt. Alle weiteren Kosten, etwa für Kopien usw. sind ebenfalls dort aufgeführt. Die Entgelte werden allerdings in Archiven unterschiedlich gehandhabt. In Solingen etwa wird kein grundsätzliches Nutzungsentgelt erhoben.

Der Einsturz des Kölner Stadtarchivs hatte Folgen für sämtliche Archiveinrichtungen: Auch Wuppertal hat mittlerweile sogenannte Notfallboxen, mit Materialien wie Gummistiefeln, Schutzanzügen, Atemschutzmasken, Taschenlampen und Verpackungsfolie. So sollen im Notfall wertvolle Dokumente schnell gesichert werden.

„Diebstahl lohnt sich nicht“, sagt Thorsten Dette. Der Großteil der Dokumente habe zwar enormen, aber nur ideellen Wert.

Einige kuriose Dinge gibt es aber schon, erklärt Dette und zeigt eine alte Akte der Städtischen Armenverwaltung. „Selbstmorde, Unglücksfälle und aufgefundene Leichen“ ist der betitelt, und fein säuberlich sind in alter Handschrift die Fälle zwischen 1864 und 1916 aufgeführt. Ein großer Teil des Altaktenbestandes habe, so Dette, allerdings den Zweiten Weltkrieg nicht überlebt. „Da ist vieles zerstört worden.“

Doch nicht nur Verwaltungsangelegenheiten landen im Archiv. Auch viele Nachlässe liegen dort. „Teilweise von bekannten Namen wie den Familien Wülfing oder Engels, aber auch normalen Leuten“, weiß Dette.

Die Besucher im Archiv seien bunt gemischt. Und egal, wie kurios ein Dokument oder Fundstück auch sein mag: „Es gibt immer jemanden, der sich dafür interessiert“, erklärt Dette. Der gebürtige Detmolder ist durch seine Arbeit natürlich gut im Bilde, was die Wuppertaler Stadtgeschichte angeht. „Aber längst kein wandelndes Lexikon, wie viele denken“, sagt er und lacht. „Bei E-Mail-Anfragen wie ,Haben Sie etwas über meinen Opa’ – ohne einen Namen zu bekommen, kann ich auch nicht viel weiterhelfen“, erklärt Dette. Aber: „Ein guter Archivar muss ja auch gar nicht alles wissen, sondern, nur wissen, wo es steht.“

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