Im Prozess um die Springmann-Morde schildern Polizisten, wie sie das Haus betraten. Ein Häftling berichtet von Gesprächen mit dem Enkel im Gefängnis.

Springmann Mord, Auftakt der Gerichtsverhandlung, Indizienprozess
Vor Gericht soll der Mord am Ehepaar Springmann aufgeklärt werden.

Vor Gericht soll der Mord am Ehepaar Springmann aufgeklärt werden.

Fischer, Andreas (f22)

Vor Gericht soll der Mord am Ehepaar Springmann aufgeklärt werden.

Wuppertal. Am zwölften Tag des Springmann-Prozesses ging es am Montag zunächst um die Situation im und am Haus des Unternehmerpaars, als die Polizei eintraf. Ein wichtiges Thema war dabei die Unordnung im Haus und wie gut diese von außen sichtbar war – was also der Enkel darüber wissen konnte. Der 26-Jährige ist angeklagt, seine Großeltern gemeinsam mit seinem Geschäftspartner (45) getötet zu haben.

Kurz nach 10 Uhr am 20. März 2017 waren die ersten Polizisten zu dem Anwesen in Ronsdorf gerufen worden. Die Haustür stehe offen, das Ehepaar müsse zu Hause sein, reagiere aber nicht auf Klingeln und Rufen, drinnen sei alles durcheinander – das war die erste Information der Angehörigen an die Polizei.

Im Prozess um die Springmann-Morde schildern Polizisten, wie sie das Haus betraten. Ein Häftling berichtet von Gesprächen mit dem Enkel im Gefängnis.
Foto: Stefan Fries

Das Anwesen der Springmanns ist von außen nur schwer einsehbar.

Ein Beamter schilderte, dass drei Personen aufgeregt vor dem Haus warteten: die Ex-Schwiegertochter der Springmanns, die als erste dort war, der Enkel und ein weiterer Sohn der Ex-Schwiegertochter. Der Zeuge ging mit dem Enkel um das Gebäude herum. Von außen habe er aber nichts Verdächtiges sehen können, außer einer halb geöffneten Terrassentür.

Ein Handy-Video zeigt das Haus nach der Tat

Zwei weitere Polizisten durchsuchten dann das Haus. Der beteiligte Beamte schilderte, dass seine Kollegin zunächst Enno Springmann fand, tot, er selbst dann wenig später Christa Springmann, ebenfalls tot. Sie forderten Verstärkung an.

Einen ähnlichen Gang durchs Haus konnten die Prozessbeteiligten auf einem Handy-Video verfolgen, das auf Bildschirmen gezeigt wurde. Den Film hatte ein Mitarbeiter der Spurensicherung aufgenommen, als seine Kollegen in weißen Schutzanzügen durchs Haus gingen. Zu sehen waren viele moderne Kunstwerke in dem weitläufigen Haus. Auch die Toten waren kurz im Bild: Enno Springmann liegend neben dem Bett in seinem kleinen Schlafzimmer, Christa Springmann halb sitzend, halb liegend im Stuhl an ihrem Sekretär.

Aufgenommen hat der Polizist auch einige Stellen, an denen Schrankinhalte herausgerissen wurden, Geschirr aus einer Vitrine zerbrochen ist. Ein Beamter sagte dazu, er habe schon wesentlich zerwühltere Einbruchs-Tatorte gesehen.

Viele Nachfragen gab es zu der Frage, ob die Angehörigen diese Unordnung von außen sehen konnten, ohne das Haus betreten zu haben. Der Polizist betonte, er habe von außen nichts wahrgenommen. Auf Nachfrage der Verteidiger des Enkels sagte er, dass er aber nicht direkt an die Fensterscheiben herangetreten sei, sondern mindestens einen Meter bis zu mehrere Meter entfernt war.

Warum die Angehörigen das Haus nicht betreten haben, war ebenfalls eine Frage. Die Verteidiger des Enkels ließen daraufhin das Protokoll des Notrufs verlesen, den der Enkel aus dem Auto heraus gemacht hatte. Er berichtete da, was seine Mutter ihm vom Haus per Telefon gesagt habe. Der Polizist hatte dann gemahnt, sie dürften das Haus auf keinen Fall betreten.

Als weiterer Zeuge (28) sagte ein ehemaliger Mithäftling des Enkels aus, der wegen Drogendelikten mit ihm in Untersuchungshaft saß. Nach seinen Angaben hat der Enkel ihm gesagt, sein „Mitarbeiter“ habe seine Großeltern getötet. Der Angeklagte habe gesagt, „sein einziger Fehler war, dass er versucht hat, den Mitarbeiter anzurufen“. So sei herausgekommen, „dass er mit dem Mord zu tun hat“.

Der Enkel sei sehr ruhig gewesen: „Er war sich so sicher: Der wird niemals reden.“ Weil sich der Mitarbeiter dann selbst belasten würde und Geld fürs Schweigen bekomme. Der Enkel habe angekündigt, dass der Mitarbeiter alle Schuld auf sich nehmen, die Tat als Raubüberfall darstellen werde. In Gesprächen mit anderen Häftlingen habe er als Motiv genannt, dass er mehr Geld brauchte.

Dabei war der Zeuge oft ungenau, berief sich auf seine Vergesslichkeit seit einer Kopfverletzung vor einigen Jahren. Ob der Enkel bei der Tat dabei war, beantwortet er nicht. Der Enkel habe immer nur stückweise Informationen gegeben. Auf Nachfrage betonte er, er erhalte keine Vergünstigungen für seine Aussage. Ihn beeindruckte auch nicht, als der Vorsitzende Richter darauf hinwies, Mitgefangene hätten seiner Darstellung widersprochen. Diese Zeugen sollen am Mittwoch gehört werden.

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