In der Uni-Halle wurde am Wochenende Judo der europäischen Spitzenklasse geboten. Eine gebürtige Wuppertalerin kämpfte mit.

Die Zuschauerränge waren spärlich gefüllt, doch ein solches Aufgebot an Technik, Sportfunktionären und Sportlern wie am Wochenende bei den European Championships im Judo hat die Uni-Halle bisher wohl selten gesehen. Bildschirme über die gesamte Hallenbreite verteilt, Kameras, eine Großbildleinwand, auf der jede wichtige Szene, die sich auf den insgesamt drei Wettkampfmatten abspielte, noch einmal in allen Details gezeigt wurde – das war schon großer Sport.

Peter Frese, Präsident des Deutschen Judo-Bunds und Wuppertaler Judo-Vorreiter, hatte nicht zu viel versprochen, als er die große Judowelt in seine Stadt und in die Uni-Halle eingeladen hatte. „Nur am Freitag bin ich ganz schön ins Schwitzen gekommen“, berichtete Frese, der sich am wohlsten fühlt, wenn er den eigentlichen Sport beobachten kann und natürlich für jeden Aktiven und Offiziellen immer ein nettes Wort hat.

Die B 7-Sperrung stellte die Organisatoren auf eine Probe

Vorher war aber viel Organisationsarbeit gefragt. Der Stau auf der B 7 nach der Wochenend-Sperrung am Döppersberg hatte nämlich auch die Judoka ausgebremst, die gerade aus ganz Europa angereist waren. „Ich habe sie dann zu Fuß vom Hotel Vienna House auf dem Johannisberg zum offiziellen Wiegen ins Intercityhotel geschickt. Das Ganze über Gleis eins am Hauptbahnhof“, sagte Frese augenzwinkernd über diese Lokation, die (noch) nicht zu den Aushängeschildern der Stadt gehört. Als die Wettkämpfe am Samstag planmäßig in der Uni-Halle begannen, war all dies vergessen.

„Die Gemeinschaft ist beim Judo sehr wichtig.“

Sheena Zander, Judo-Ass aus Wuppertal

Aus Sicht des Deutschen Judo-Bundes war zunächst besonders der dritte Platz der starken Männer des Hamburger Judo-Teams erfreulich. Die Hamburger qualifizierten sich damit für die Champions League im kommenden Jahr. Als Dimitri Peters, Vizeweltweltmeister von 2015, im wohl entscheidenden Kampf seinen deutlich schwereren Gegner vom russischen Vertreter Boets Tyumen mit einer Hebeltechnik auf die Matte legte, war die Stimmung in der Halle großartig.

Wie überhaupt Leistungen in dieser olympischen Sportart, in der Deutschland regelmäßig bei Olympia für Medaillen sorgt, von Kämpfern wie Publikum fair anerkannt werden. Kraft und Technik gleichermaßen, das ist es, was auch Sheena Zander an ihrer Sportart so fasziniert. „Es ist ein unglaubliches Gefühl, wenn man im Wettkampf seine Technik durchsetzen kann“, beschrieb die gebürtige Wuppertalerin, die seit dem achten Lebensjahr auf der Judo-Matte steht, ihre auch mit 28 Jahren noch ungebrochene Motivation. Mit ihrem JC Mönchengladbach, für den sie seit zwölf Jahren kämpft, erlebte sie am Sonntag eine solche Sternstunde.

Unglaublich spannend war das Halbfinale der Mönchengladbacherinnen gegen die starken Kroatinnen des JC Vinkovci. Und Zander steuerte in einem Kampf auf Biegen und Brechen einen Ippon-Sieg zum 3:2-Erfolg bei, mit der die Gladbacherinnen ins Finale einzogen. Gleich nach dieser Anstrengung klopfte sie schon wieder Kollegin Semira Bouizagarne auf den Rücken, um sie für deren abschließenden Kampf heiß zu machen. „Die Gemeinschaft ist beim Judo sehr wichtig“, so Zander, die für ihren Sport mindestens zehn Trainingseinheiten pro Woche im Olympiastützpunkt in Köln absolviert und dafür auch in ihrem Beruf als Zahnärztin kürzer tritt.

„Ich habe derzeit eine halbe Stelle, um Zeit für Judo und meine Doktorarbeit zu haben“, erklärt sie. Wie in so vielen Randsportarten gibt es auch im Judo selbst für Hochleistungssportler nichts zu verdienen. „Der ein oder andere Sponsor wäre da schon schön, doch in Mönchengladbach überdeckt der Fußball natürlich alles“, sagt Zander und lächelt charmant, so, als ob sie sich damit gut abfinden kann. Wer in der Uni-Halle zugeschaut hatte - natürlich gehörten dazu auch Sheenas Eltern, aber auch ein völlig begeisterter Volkmar Schwarz, Geschäftsführer des Stadtsportbunds – wusste auch warum. Der Sport auf solch einem Niveau ist allein Lohn genug.

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