Die geplante Reform im Leistungssport dürfte ab 2018 zum Verlust des Status als Bundesstützpunkt führen. Die SG Bayer sieht aber keine negativen Auswirkungen.

Wuppertals Status als Schwimm-Hochburg – hier als Gastgeber der NRW-Meisterschaft – hängt aus Sicht der Experten nicht am Status als Bundesnachwuchsstützpunkt. Archiv
Wuppertals Status als Schwimm-Hochburg – hier als Gastgeber der NRW-Meisterschaft – hängt aus Sicht der Experten nicht am Status als Bundesnachwuchsstützpunkt. Archiv

Wuppertals Status als Schwimm-Hochburg – hier als Gastgeber der NRW-Meisterschaft – hängt aus Sicht der Experten nicht am Status als Bundesnachwuchsstützpunkt. Archiv

Gerhard Bartsch

Wuppertals Status als Schwimm-Hochburg – hier als Gastgeber der NRW-Meisterschaft – hängt aus Sicht der Experten nicht am Status als Bundesnachwuchsstützpunkt. Archiv

Wuppertal. Nach Olympia 2016 wird in Deutschland über eine Reform der Leistungssportförderung diskutiert, um in vier Jahren wieder besser abschneiden zu können. Weil für die Beckenschwimmer, die in Rio ohne Medaille geblieben waren, geringere Bundesmittel in Aussicht stehen, hat Bundestrainer Henning Lambertz unter anderem eine stärkere Zentralisierung der Schwimmer und eine Reduzierung der Bundesstützpunkte von derzeit neun auf nur noch fünf angeregt. Unter anderem soll der Stützpunkt Wuppertal/Dortmund, bisher als Nachwuchsstützpunkt deklariert, wegfallen.

Finanzierung hängt nicht am Bundesstützpunkt

In der Schwimmabteilung des SV Bayer Wuppertal sieht man ein derartiges Ansinnen gelassen. „Die Überlegungen gibt es ja schon länger, aber etwas Schriftliches haben wir noch nicht. Gerade ist der Status noch für 2017 verlängert worden“, sagt Geschäftsführerin Simone Osygus. Doch auch danach erwartet sie keine negativen Auswirkungen auf die tägliche Arbeit. „Wir haben ein erfolgreiches Jahr für unseren Nachwuchs hinter uns, und mit Christian vom Lehn ist ein Top-Schwimmer zurück, daran ändert sich ja nichts.“ Zumal es keine finanziellen Verluste gebe. „Die größten Zuschüsse erhalten wir über die Sportstiftung NRW, und die sind nicht betroffen“, so Osygus.

„Wir haben unser eigenes Budget, zu dem noch Zuschüsse der Stadt und unseres Hauptsponsors Bayer kommen“, ergänzt Abteilungsleiter Mike Matthäus und sieht die SG Bayer gut aufgestellt. Gerade erst habe es die Zusage von Bayer gegeben, den Leistungssport weiter zu unterstützen. Gemeinsam mit den Standorten Dormagen und Uerdingen solle das SG-Team sogar wieder gestärkt werden. Zudem sei zugesagt, dass das Schwimmleistungszentrum künftig paralympischer Stützpunkt wird. Die Schwimmer der Behinderten-Sparte von Bayer Leverkusen nutzen mit Trainerin Marion Haas-Faller bereits die gute Infrastruktur in Wuppertal. Auch über das Bayer-Top-Team profitiere man von Förderungen.

Wuppertals Sportamtsleiter Norbert Knutzen sieht die städtische Förderung nicht an den Status als Bundesstützpunkt geknüpft. „Das ist eine Wuppertaler Sache. Wir haben uns ja auch klar zum Schwimmleistungszentrum bekannt und bleiben Mitglied des Olympiastützpunkts Rhein/Ruhr.“

Wenn der Status als NachwuchsleistungsstützpunktSchwimmen verloren gehe, sei der Verein sogar noch unabhängiger, sagt Mike Matthäus. „Welcher Oberbürgermeister gibt schon gerne Zuschüsse dafür, dass seine jungen Schwimmer für einen anderen Klub entwickelt werden.“ Bundesnachwuchsstützpunkte sollen eigentlich ihren Top-Nachwuchs dem nächsten Bundesstützpunkt – in diesem Fall Essen – zuführen.

Bundesstützpunkt Wuppertal ist bis heute der Schwimmstandort mit der längsten Stützpunktzugehörigkeit. Mit Einführung der Bundesstützpunkte 1974 war er dabei. Seit 2008 ist er nur noch Bundesnachwuchsstützpunkt. Damals wechselte Henning Lambertz, der DSV-Stützpunkttrainer war und dessen Stelle zum Teil über den DSV aus Mitteln des Bundesinnenministeriums zur Spitzensportförderung bezuschusst worden war, zur SG Essen.

Landesstützpunkt Wuppertal gehört auch weiter zu den zwölf Landesstützpunkten, nimmt mit Essen und Dortmund darunter eine herausragende Stellung im Schwimmverband NRW ein.

„In der Praxis hat das aber ohnehin kaum funktioniert“, sagt Bayer-Cheftrainer Michael Bryja. „Da hätte man andere Mechanismen fahren müssen. Wir als Trainer sind hier ja beim Verein angestellt“, sagt er. Bei den über den DSV mitbezahlten Stützpunkttrainern herrscht derzeit dagegen eine gewisse Unsicherheit, weil alle zum 31. Dezember auslaufenden Verträge im Vorgriff auf die Reform nicht gleich verlängert worden waren. Die Zusammenarbeit mit Bundestrainer Henning Lambertz, der in Wuppertal wohnt, sieht Bryja trotz dessen Forderung nach einer Zentralisierung der Top-Schwimmer, nicht gefährdet. „Er hat ja Christian vom Lehn bei seinem Wechsel zurück nach Wuppertal noch beraten. Wir werden uns demnächst zusammensetzen, um Christians Trainingspläne abzustimmen.“

„Es ist allein Christians Sache, ob er eine Zentralisierung an einem Bundesstützpunkt mitmachen würde“, sagt Ex-DSV- und Wasserfreunde-Trainer Ralf Beckmann, lange Jahre Schwimmkoordinator in Wuppertal. Er sähe in einer Zentralisierung an noch wenigeren Bundesstützpunkten ohnehin den falschen Weg, weil die Motivation bei den Vereinen sinke und sich der Kreis der Schwimmer, die das mitmachen würden, automatisch verkleinere. So oder so gebe es keinen Anlass für Wuppertal, sich Sorgen zu machen: „Der Titel Bundesstützpunkt ist zwar schön, aber neben Essen und Dortmund bleibt Wuppertal auch ohne der herausragende Schwimmstandort in NRW.“

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