WSV-Sportvorstand Achim Weber, Rechtsberaterin Sarah Wolf, Vorstand Alexander Eichner und der Verwaltungsratsvorsitzende Stefan Kirschsieper (v. links) verkündeten den Insolvenzantrag.
WSV-Sportvorstand Achim Weber, Rechtsberaterin Sarah Wolf, Vorstand Alexander Eichner und der Verwaltungsratsvorsitzende Stefan Kirschsieper (v. links) verkündeten den Insolvenzantrag.

WSV-Sportvorstand Achim Weber, Rechtsberaterin Sarah Wolf, Vorstand Alexander Eichner und der Verwaltungsratsvorsitzende Stefan Kirschsieper (v. links) verkündeten den Insolvenzantrag.

Alexander Eichner, Sprecher des WSV-Vorstandes, gab am Dienstag die Insolvenz des Vereins bekannt. (Archivbild)

Andreas Fischer, Bild 1 von 2

WSV-Sportvorstand Achim Weber, Rechtsberaterin Sarah Wolf, Vorstand Alexander Eichner und der Verwaltungsratsvorsitzende Stefan Kirschsieper (v. links) verkündeten den Insolvenzantrag.

Wuppertal. Der Wuppertaler Sportverein hat am heutigen Dienstag Insolvenz wegen Zahlungsunfähigkeit angemeldet. Das teilte der Vorstandsvorsitzende Alexander Eichner um 14 Uhr in einer Pressekonferenz mit. „Das ist ein bitterer Moment. Allerdings: Nach dem Spiel ist vor dem Spiel. Was jetzt beginnt, ist eine neues Kapitel in der Geschichte des WSV.“ Betroffen sind von dem Schritt 67 Mitarbeiter - viele davon in Teilzeit beschäftigt. Ihre Gehälter sind über die Arbeitsagentur noch für drei Monate gesichert. 

Die erste Mannschaft des WSV soll in der nächsten Saison in der Oberliga starten. Mehr als Oberliga wäre angesichts der Zahlen auch nicht realistisch gewesen, erkärte Sportvorstand Achim Weber. Die zweite Mannschaft wird in die Landesliga abgestuft. Die Jugendmannschaften bleiben sportlich von der Insolvenz unberührt.

Wie hoch die Verbindlichkeiten des Vereins aktuell sind, wurde allerdings nicht bekannt. Die Entscheidung zur Insolvenz sei aber sehr eindeutig ausgefallen, sagte Alexander Eichner. Die Gespräche mit Jochen Leonhardt, dem Vertrauten und Vertreter des Ex-Präsidenten und Hauptgläubigers Friedhelm Runge beschrieb Eichner dagegen als schwierig. Leonhardt habe am vergangenen Donnerstag eine rasche, verbindliche Erklärung von Runge versprochen, diese habe dann aber auf sich warten lassen. Und zwar bis zum heutigen Dienstag, kurz nach dem Amtsgerichtstermin (siehe Infokasten unten). Da die Inhalte von Runges Erklärung aber schon vorab bekannt waren, habe das keinen Einfluss mehr auf die Insolvenz gehabt. Diese sei nicht mehr abwendbar gewesen.

Runge, der gerade im Urlaub auf den Kapverden ist, sagte der WZ am Telefon: „Für das Geld, das ich in zwei Jahren in den WSV stecke, kann ich hier eine Insel kaufen. Und das überlege ich mir gerade auch.“

Als Insolvenzverwalter hat das Gericht Jörg Bornheimer von der Kanzlei Görg bestellt, der 2002 bereits mit der Insolvenz der LTV-Betriebs GmbH in der zweiten Handball-Liga befasst gewesen war und damals zusammen mit Stefan Adam einen Neuanfang in der Regionalliga ermöglichte. „Dass ich das Ding auch jetzt retten möchte, ist klar, ich kenne aber noch keine Zahlen und bin erst um 13.30 Uhr von Amtsgericht informiert worden“, sagte Bornheimer der WZ. Bis nächste Woche wolle er nun zunächst ausloten, welche Möglichkeiten es zur Rettung gibt.

Bei der Frage, ob der Verein in die Insolvenz gehen muss, kam es vor allem auf die Haltung von Ex-Präsident und Hauptgläubiger Friedhelm Runge an. Dieser hatte sich - wenn auch kurz nach dem heutigen Amtsgerichtstermin - zu den Verbindlichkeiten des Vereins bei ihm geäußert. Diese war nach Ansicht des neuen Vorstandes allerdings nicht weitreichend genug, um die Insolvenz noch abzuwenden. Die Erklärung hat Runge am Mittag auch der WZ übermittelt.

Ich, Herr Friedhelm Runge, erkläre gegenüber dem Wuppertaler Sport-Verein e.V.
1. dass ich alle bis heute an den Wuppertaler Sport-Verein e.V. gewährten Darlehen wie auch die in den letzten Monaten für den Wuppertaler SV e.V. übernommenen Zahlungen nicht vor dem 31.12.2014 zur Rückzahlung fällig stellen werde. Sollte vorher rechtsverbindlich ein steuerunschädlicher Erlass möglich sein, werden die Darlehen erlassen.
2. dass ich als Geschäftsführer der ILS alle gegenüber dem Wuppertaler Sport-Verein e.V. gewährten Darlehen nicht vor dem 31.12.2014 zur Rückzahlung fällig stellen werde. Sollte vorher rechtsverbindlich ein steuerunschädlicher Erlass möglich sein, werden die Darlehen erlassen.
3. Die Kontokorrentverbindlichkeiten bei der Credit- und Volksbank Wuppertal werden von mir übernommen.

Sportlich startet der WSV in der neuen Saison bei Null, wie Achim Weber erklärte. Sieben Spieler des aktuellen Kaders haben zwar noch einen Regionalligavertrag - doch für die Oberliga gibt es keine vertraglichen Bindungen. Sowohl der Trainerstab als auch die weiteren Positionen sind noch offen. Der Spielbetrieb soll dennoch nahtlos fortgesetzt werden. "Es ist aber kein Problem, wenn der Kader beim ersten Training noch nicht komplett steht", sagte Weber. Das erste Jahr soll deshalb auch zur Stabilisierung genutzt werden.

Zunächst soll aber der Trainerposten besetzt werden. Peter Radojewski sei einer der Kandidaten dafür. Eine Entscheidung soll möglichst noch bis zum Ende der Woche fallen. Achim Weber bestätigte am Dienstag außerdem, dass Manager Tobias Gebert derzeit freigestellt sei. Finanziell sei die Weiterbeschäftigung im neu aufgestellten Verein außerdem nicht möglich.

Im Umgang mit den Sponsoren bringe die Insolvenz nicht nur Probleme für den Verein, erklärte Alexander Eichner. Im Gegenteil: Manche Sponsoren seien bereit, angesichts der Aufbruchstimmung einen freiwilligen Mehrbeitrag zu leisten. Andere seien froh, dass es fortan keine so dominante Marke mehr wie die des bisherigen Hauptsponsors "Emka" geben wird. Achim Weber berichtete sogar von ungewohntem Zuspruch, den er derzeit erlebe. Am Rande des verlorenen Spiels in Verl sei sogar ein Unternehmer von sich aus mit Sponsoringzusagen auf ihn zugekommen.

Der Vorstand rechnet für die kommende Saison mit einem Etat von 800.000 Euro. Achim Weber erklärte, dass dieser Rahmen zugleich das Ende der Vollprofis beim WSV bedeutet.  Vollzeitfußballer seien für einen Verein wie den WSV auch nicht realistisch - für junge Talente auch nicht angemessen. "Wir bewegen uns zukünftig im Amateurbereich. Spieler, die in Zukunft beim WSV Fußball spielen, können tagsüber auch anders geistig- und körperlich beschäftigt sein." Insgesamt werde es nur noch wenige bezahlte Kräfte beim WSV geben.