Quasi als Abschiedsgeschenk hat Friedhelm Runge dem WSV millionenschwere Schulden erlassen. Ein neuer Vorstand könnte ohne finanzielle Altlasten beginnen. Dennoch gibt es bisher keine Zusagen.

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Noch-WSV-Präsident Friedhelm Runge zeigte sich am Mittwoch enttäuscht darüber, dass bisher noch niemand seine Zusage für eine künftige Vorstandstätigkeit gegeben hat. Neben Runge begleiteten WSV-Sprecher Thorsten Hesse, Geschäftsführer Achim Weber und Verwaltungsrat Michael Busch (v.r.) die gestrige Pressekonferenz.

Noch-WSV-Präsident Friedhelm Runge zeigte sich am Mittwoch enttäuscht darüber, dass bisher noch niemand seine Zusage für eine künftige Vorstandstätigkeit gegeben hat. Neben Runge begleiteten WSV-Sprecher Thorsten Hesse, Geschäftsführer Achim Weber und Verwaltungsrat Michael Busch (v.r.) die gestrige Pressekonferenz.

Andreas Fischer

Noch-WSV-Präsident Friedhelm Runge zeigte sich am Mittwoch enttäuscht darüber, dass bisher noch niemand seine Zusage für eine künftige Vorstandstätigkeit gegeben hat. Neben Runge begleiteten WSV-Sprecher Thorsten Hesse, Geschäftsführer Achim Weber und Verwaltungsrat Michael Busch (v.r.) die gestrige Pressekonferenz.

Wuppertal. Friedhelm Runge, der langjährige Präsident des Wuppertaler SV, wird den Verein zum 1. Juli 2011 schuldenfrei an seinen potenziellen Nachfolger übergeben und auf die Rückzahlung von Darlehen schätzungsweise in Millionenhöhe verzichten. Das ist die positive Nachricht, die der Klub am Mittwoch zu seinen Perspektiven nach der Ära Runge verkündete. Die schlechte Nachricht für die WSV-Fans folgte auf dem Fuß: Ein potenzieller Nachfolger für den langjährigen Mäzen und Hauptsponsor ist auch sechs Wochen nach dessen Rücktrittsankündigung nicht in Sicht. Dem WSV läuft jedoch die Zeit davon.

Geschäftsführer Achim Weber verwies auf die geplante Jahreshauptversammlung, in der die Mitglieder über neue Vereinsstrukturen (der Wirtschaftsrat soll als eine Art Aufsichtsrat in die Vereinsstruktur eingebunden werden) abstimmen sollen. Zudem müssen zusätzliche Sponsoren gefunden werden. Friedhelm Runge stellte zwar in Aussicht, dass er den WSV auch in der kommenden Saison als Sponsor unterstützen wird, aber nach dem aktuellen Stand fehlt mindestens eine Million Euro, um das Abenteuer Regionalliga auch in der Saison 2011/12 überhaupt in Angriff nehmen zu können.

Runge bekräftigt seinen Ausstieg zum Ende der Saison

„Dass wir zu diesem frühen Zeitpunkt den Etat noch nicht komplett stehen haben, ist nachzuvollziehen, aber bis Ende Februar muss sowohl der personelle als auch der wirtschaftliche Rahmen abgesteckt sein. Und das zeichnet sich zumindest personell noch nicht ab“, bedauert Achim Weber. Friedhelm Runge bekräftigte, dass er über das Saisonende hinaus weder für den Vorstand noch den Verwaltungsrat oder den Wirtschaftsrat zur Verfügung steht. Enttäuscht zeigte sich Runge über das seiner Ansicht nach mangelnde Engagement des aktuellen Wirtschaftsrates, dem bekannte Wuppertaler Persönlichkeiten mit Kontakten zur bergischen Wirtschaft angehören. „Ich habe noch von keinem Unternehmer in der Region gehört, dass er von einem Mitglied aus dem Wirtschaftsrat angesprochen worden ist“. Runge ist überzeugt, dass es in Wuppertal genügend mittelständische Unternehmen gibt, die dem WSV helfen würden. „Man muss sie nur richtig ansprechen und motivieren“, behauptet Runge. Das Märchen, er selbst stehe einer positiven Entwicklung des WSV im Weg, sei nun widerlegt.

Persönliche Haftung im Vorstand bleibt eine Hürde

Arnd Krüger, Mitglied des Wirtschaftsrates, weist die Vorwürfe zurück. „Im Rahmen unserer Möglichkeiten haben wir viele Menschen angesprochen. Dazu, dass der Verein in der Regionalliga mehr Sponsoren hat als in der 3. Liga, hat der Wirtschaftsrat sicher beigetragen“, verteidigt sich Krüger. Was fehle, seien einige „big player“, aber da solle man die Gespräche abwarten, die Achim Weber noch führen will. Auch da habe der Wirtschaftsrat Kontakte mit geknüpft. Achim Weber, der laut Krüger das volle Vertrauen des Wirtschaftsrates besitze, will sich auch mit Oberbürgermeister Peter Jung zusammensetzen. Dass sich bisher niemand bereit erklärt habe, im neu zu bildenden Vorstand Verantwortung zu übernehmen, erklärt Krüger mit der persönlichen Haftung von Vorstandsmitgliedern. Für mögliche neue Schulden ab dem 1. Juli steht Runge nicht mehr ein.

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