WuppertalerSV Nachdenken über die Gründung einer Kapitalgesellschaft. Zuvor Gespräche mit potenziellem Nachfolger als WSV-Präsident.

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Friedhelm Runge macht sich Gedanken über die Zukunft des WSV. Archivfoto

Friedhelm Runge macht sich Gedanken über die Zukunft des WSV. Archivfoto

Friedhelm Runge macht sich Gedanken über die Zukunft des WSV. Archivfoto

Aus sportlicher und wirtschaftlicher Sicht stehen dem Wuppertaler SV Borussia einige zukunftsweisende Tage bevor. Heute im Spiel gegen den Spitzenreiter Kickers Offenbach könnte sich der WSV mit einem Überraschungserfolg vom Tabellenende verabschieden. Und am Montag könnte eine überraschende Wende in der Vereinsführung folgen. „Seit einem halben Jahr bin ich in Gesprächen mit einem, der sich in der Lage sieht, den Verein zu übernehmen. Für Montag sind wir verabredet, dann sollen die abschließenden Gespräche geführt werden“, sagt WSV-Präsident Friedhelm Runge.

Für Runge ist noch völlig offen, wie das Gespräch mit seinem potenziellen Nachfolger ausgehen wird. „Ich habe immer gesagt, dass ich nicht an meinem Stuhl klebe und dass ich auch weiterhin als Sponsor bereitstehen würde, wenn jemand für die Nachfolge ein überzeugendes Konzept vorlegen kann. Um dieses Konzept auszuarbeiten, war ein halbes Jahr Zeit. Ich bin jetzt auf den Montag gespannt.“

Wer Friedhelm Runge kennt, der kann sich allerdings vorstellen, dass sein Gesprächspartner zu Beginn der kommenden Woche schon ein sehr schlüssiges Konzept und eine starke wirtschaftliche Basis vorweisen muss, um den seit 1992 im Amt befindlichen WSV-Präsidenten vom Wechsel zu überzeugen. Zu viel Geld und Arbeit hat Runge in den Verein gesteckt, um sich auf Experimente einzulassen, die den WSV in seiner Existenz gefährden könnten.

In der laufenden Spielzeit ist der WSV für Runge allerdings erneut ein Zuschussgeschäft. „Der Saisonetat ist aus verschiedenen Gründen wieder auf 3,4 Millionen Euro angewachsen. Ich bin fest davon überzeugt, dass wir nicht absteigen werden. Doch was kommt dann? Ich kann nicht erkennen, wie wir die kommende Saison mit einem ähnlichen Etat auf die Beine stellen sollen. Deshalb denken wir weiterhin über die Gründung einer Kapitalgesellschaft nach“, sagt Runge. Ein Schritt, den zahlreiche Proficlubs schon gegangen sind. Zuletzt war es der Ligakonkurrent Jahn Regensburg, der so die Vereinspleite abwenden konnte.

Den größten Vorteil der Ausgliederung von Profimannschaften aus dem Verein in eine Kapitalgesellschaft sieht Runge in dem Wegfall der persönlichen Haftung für die Vorstandsmitglieder. „Es ist kein Geheimnis, dass es viel leichter wäre, jemanden für die Arbeit im WSV-Vorstand zu gewinnen, wenn es wie zum Beispiel in einer GmbH nur die begrenzte Haftung gebe. Das ist schon ein großes Risiko“, sagt Runge, der über die spezielle Form der zu wählenden Kapitalgesellschaft nicht spekulieren will. „Ich habe mich bei anderen Vereinen erkundigt, die in diesem Punkt einen Schritt weiter sind. So zum Beispiel bei Wolfgang Holzhäuser von Bayer Leverkusen, den ich gut kenne. Einen Zeitrahmen habe ich nicht gesetzt, aber das könnte relativ schnell durchgezogen werden. Doch bevor ich damit Zeit und Geld verschwende, warte ich erst den kommenden Montag ab“, kündigt Runge an.

Zulassung: Der Deutsche Fußball Bund sieht für die Teilnahme an der 3. Liga Vereine und Kapitalgesellschaften vor. Es gelten besondere Zulassungsverordnungen.

Kapitalgesellschaften müssen zum Nachweis ihrer wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit darlegen, dass ihr gezeichnetes Kapital mindestens 1 Million Euro beträgt.

Verliert die Tochtergesellschaft die Zulassung oder ihr Antragsrecht, erwirbt der Mutterverein ein Antragsrecht für die Zulassung zur folgenden Spielzeit nur, wenn er sich mit einer eigenen Vereinsmannschaft für die 3. Liga oder Regionalliga qualifiziert hat.

Die Gründung einer Kapitalgesellschaft müsste von der Mitgliederversammlung abgesegnet werden. Im Vorfeld wäre zunächst einmal Überzeugungsarbeit erforderlich, da wie zuletzt in Regensburg Widerstände von den Traditionalisten zu erwarten sind, die befürchten, dass vom Verein nach Abtrennung des Profibereichs nur eine leere Hülle übrig bleibt. Auf der anderen Seite gibt es kaum noch Bundesligavereine, die wie der WSV von einem Mäzen wie Friedhelm Runge geführt und finanziert werden. Ein Wandel scheint unverzichtbar, wobei der Verein in der glücklichen Lage ist, den Zeitpunkt und Ablauf des Wandlungsprozesses selbst steuern zu können.

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