WZ-Sportredakteur Andreas Boller berichtet aus dem türkischen Trainingslager. Dort wollte man eigentlich dem Wuppertaler Winter entfliehen... und landet stattdessen im türkischen Dauerregen.

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Im Jahr 2008 gab es auch viel Wasser - allerdings nicht von oben. Damals ging es zum Training nach Mallorca.

Im Jahr 2008 gab es auch viel Wasser - allerdings nicht von oben. Damals ging es zum Training nach Mallorca.

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Im Jahr 2008 gab es auch viel Wasser - allerdings nicht von oben. Damals ging es zum Training nach Mallorca.

Belek. Weine nicht, wenn der Regen fällt - "damm, damm, damm, damm. Wenn Tobias Damm im Stadion am Zoo ein Tor für den Wuppertaler SV schießt, dann erklingt zur Freude der Fans die Draffi-Deutscher-Schlagerhymne aus den Lautsprechern. In Belek in der Türkei macht es zurzeit damm, damm, weil der Regen fällt. Doch leider ist das der Grund, warum Tobi eben keine Tore schießen darf. Alle Trainingsplätze auf dem Hotelgelände sind gesperrt. Pech für den WSV, der dem Winter entfliehen wollte und mit der Reise in die Türkei vom Schnee in den Regen geraten ist.

Hier in Belek muss zwar keiner der mitgereisten Wuppertaler frösteln, doch wärmende Sonnenstrahlen, die Herz und Gemüt erfreuen, gibt es zurzeit leider auch nicht. Stattdessen ziehen dunkle Wolken am Himmel dahin, die nicht unbedingt eine Besserung für die kommenden Tage versprechen, auch wenn das Taurus-Gebirge inzwischen wieder hinter dem Dunst hervorschaut. Das Wetter ist launisch in diesen Tagen, und so sollte sich der WSV-Kader gemeinsam im positiven Denken üben und hoffnungsfroh in die Zukunft schauen, was angesichts des Tabellenplatzes sicherlich kein Fehler ist.

Hoffnungsvoll war zumindest Trainer Uwe Fuchs noch am Morgen, als er davon ausgehen durfte, dass zumindest das geplante Testspiel am Nachmittag stattfinden könne. Doch dann gab es während des Mittagsessens einen Platzregen, der fast so ergiebig war wie der in der vorigen Nacht. Und da war auch dieses Thema gegessen. 

Zumindest einige Spieler, die nach den ersten beiden intensiven Trainingstagen schwere Beine hatten oder leicht angeschlagen sind, dürften aufgeatmet haben, als der Regen fiel. Ärgerlich war der fast verlorene Tag dagegen sicherlich für Uwe Fuchs und Co-Trainer Thomas Stickroth, die wichtige Trainingsinhalte erneut auf die lange Bank schieben mussten. Wie schon wegen der Eiseskälte in Wuppertal.

WSV-Manager Markus Bayertz hatte kurzfristig ein Spiel gegen die russischen Drittliga-Kicker aus Podolsk vereinbart, das ebenfalls ins Wasser fiel. Zum besonderen Ärger der "Podolskis", die gerne das Übungsfeld des WSV im Nachbarhotel ein wenig umgepflügt hätten. Doch das ließ die Leitung des Hotel Kaya Belek nicht zu, weil die gepflegten Rasenplätze nun einmal das wichtigste Kapital der türkischen Riviera im Winter sind. Zurzeit sind gut zwei Drittel der Gäste im Hotel Fußballer, Betreuer oder mitgereiste Fans. Und die kommen nun einmal nur wegen der guten Trainingsbedingungen. Wobei Ausnahmen die Regel bestätigen. Offenbar alle fünf Jahre, denn exakt vor fünf Jahren erlebte der WSV beim Amtsantritt von Uwe Fuchs schon einmal eine ausgiebige Regenzeit in einem türkischen Hotel. Und das hieß vor fünf Jahren wie auch heute wieder Kaya Belek.

Da die 1. und 2. Bundesliga in Deutschland wegen der WM in Südafrika schon am kommenden Wochenende wieder mit den Punktspielen beginnt, bilden die deutschen Drittligisten in diesem Jahr die Nachhut in der Türkei. Während sich zum Beispiel der Wuppertaler SV und der SV Sandhausen ein Hotel teilen, sind die Mannschaften von Bayern München II und der Spielvereinigung Unterhaching in einer anderen Hotelanlage ebenfalls unter einem Dach untergebracht. Pikanterweise treffen diese beiden Teams ausgerechnet im Nachholspiel nach der Winterpause am 24. Januar aufeinander. Die bayerischen Nachbarn kennen sich ohnehin recht gut. Doch alles, was man bisher noch nicht über den Lokalrivalen wusste, sollte man spätestens in dieser Trainingswoche in Erfahrung gebracht haben. Sonst hat die Abteilung "Guck und schau" kläglich versagt. 

Ob das Trainingslager des WSV als Erfolg oder Schlag ins Wasser gewertet wird, müssen die kommenden Tage und das Resultat des ersten Meisterschaftsspiels am 30. Januar beim VfB Stuttgart II zeigen. Das Wetter ist in einem Wintertrainingslager einer der entscheidenden Faktoren für die Stimmung im Team und Umfeld vor Ort. Mit Laufeinheiten und taktischen Besprechungen lässt sich ein Tag zwar locker überbrücken, doch mehrere dieser Regentage schlagen sich auf das Gemüt wie eine Woche Wimbledon im Dauerregen nieder.

"Wann werde ich euch denn endlich einmal arbeiten sehen", lautete die Frage von WSV-Präsident Friedhelm Runge an die Adresse von Kapitän Karsten Fischer beim Mittagsbuffet. Runge war am dritten Trainingstag angereist und hatte die besseren Tage zum Start des Trainingslagers verpasst. Die Frage war humorvoll gemeint, doch sie drückt auch aus, dass der Ball so schnell wie möglich wieder rollen sollte. Sonst wäre man schließlich ganz umsonst einmal quer durch Europa geflogen. Und außer Spesen, wäre da nicht viel gewesen....

Klappt es nicht mit einem neuen Spiel gegen die Podolskis will der WSV eventuell am Sonntag gegen ADO den Haag spielen.

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