Der Träger sah sich in der Kritik. Nach zehn Jahren gehört Wuppertal nicht mehr zu den Städten, in denen es das sozialpädagogische Projekt für Fußballfans gibt.

Wuppertal. Das Ausleben von Fan- und Jugendkultur auf der Basis von Gewaltprävention und Antidiskriminierung ist das Ziel, dem sich die vom Deutschen Fußballbund koordinierten Fanprojekte verschrieben haben. Rund 60 davon gibt es in Deutschland, vorwiegend in den Städten mit einem großen Fußballverein. Ab Mittwoch ist Wuppertal nicht mehr auf dieser Landkarte vertreten. Das 2006 in Wuppertal gegründete Fanprojekt gibt es vorerst nicht mehr. Die Qualifizierungs- und Beschäftigungsgesellschaft Gesa, die im Auftrag der Stadt Wuppertal seit 2008 Träger des Fanprojekts war, hat den Vertrag zum 1. Dezember gekündigt.

Das Fanhaus – nach dem Gründungsjahr des WSV „1954“ genannt – und normal mittwochs- und freitags als Treffpunkt geöffnet – bleibt am Mittwoch bereits geschlossen. Grund für die Kündigung des Vertrages waren verschiedene Auffassung über die Ausgestaltung der Sozialarbeit zwischen Gesa und Stadt auf der einen Seite sowie der Fanszene auf der anderen.

Stadt und Gesa hatten einen Schwerpunkt der Arbeit darin gesetzt, den jungen Fans auch bei der Qualifizierung für Ausbildung oder Job zu helfen. „Das ist für mich moderne Fanarbeit und war der Ansatz dafür, dass die Stadt überhaupt Geld zur Verfügung stellen konnte“, sagte Thomas Lenz, Chef des Jobcenters Wuppertals, das von Anfang an mit im Boot war.

Eine Teilfinanzierung der Kommune ist die Voraussetzung für Fanprojekte. Ein weiterer Teil kommt dann vom Land, die restlichen 50 Prozent steuert der DFB bei, für den die Koordinationsstelle (KOS) die Beratung, aber auch eine Bewertung der Fanprojekte übernimmt. „Der Strang Beschäftigungsförderung setzt einen bestimmten Ablauf voraus. Es ist wichtig, den Jugendlichen entsprechende Beratung und Fallmanagement anzubieten, das passt den Herren bei der KOS aber nicht“, stellt Lenz die eine Seite der Medaille dar.

Michael Gabriel von der KOS wollte dazu am Dienstag keinen Kommentar abgeben, um nicht weiteres Porzellan im Hinblick auf eine wünschenswerte Neubelebung des Fanprojekts zu zerschlagen. Klar ist, dass sich die Fanszene eine größere Autonomie wünschte. Bemängelt wurde zudem, dass die Mitarbeiter, die die Gesa für das Fanprojekt einsetzte, zuletzt immer häufiger wechselten. „Da ist es natürlich schwer, ein Vertrauensverhältnis aufzubauen, und das ist in der Fanarbeit das A und O“, sagt Christian Weiss, Fanbeauftrager des Wuppertaler SV, für den das Fanprojekt früher eine hervorragende Unterstützung gewesen sei.

Die Ultras waren schon länger demonstrativ ferngeblieben

Die Koordinationsstelle Fanprojekte (KOS) wurde 1993 in Frankfurt eingerichtet, um die sozialpädagogisch arbeitenden Fanprojekte inhaltlich zu begleiten und zu koordinieren. Deutschlandweit gibt es 58 Fanprojekte.

Die KOS, die in Frankfurt bei der deutschen Sportjugend angesiedelt ist, wird jeweils zur Hälfte vom Bundesfamilienministerium und vom DFB finanziert.

Die Ultras, in anderen Städten meist eine wesentliche Klientel in den Fanprojekten, waren seit Februar demonstrativ ferngeblieben. „Die Probleme haben sich schon einige Zeit angedeutet. Wir haben immer den Auftrag gehabt, dass wir jugendliche Fans mit dem Auftrag betreuen, sie wieder in Arbeit zu bringen. Das verträgt sich aber nicht so gut mit einer engen Verzahnung mit der Fanszene“, begründete Gesa-Geschäftsführer Ulrich Gensch den Ausstieg seiner Gesellschaft.

Das Misstrauen hätten seine Mitarbeiter zu spüren bekommen. Die gelte es zu schützen. „Insgesamt betreuen wir 40 Projekte, da ist es normal, dass es zu Personalwechseln kommt“, wehrte er sich gegen den Vorwurf, das Projekt vernachlässigt zu haben. Erschwerend sei, dass die Gelder für das Fanprojekt jährlich beantragt würden, da sei es verständlich, dass sich der ein oder andere Sozialarbeiter nach einem sichereren Job umsehe, den es etwa verstärkt in der Flüchtlingsbetreuung gebe.

Wuppertals Sozialdezernent Stefan Kühn bedauert die Kündigung der Fanprojekt-Trägerschaft durch die Gesa und bedankte sich bei der Gesellschaft gleichzeitig, dass sie über viele Jahre ganz viel Zeit, Kraft und Mühe in das Projekt gesteckt habe. „Den Ansatz Beschäftigungsförderung halte ich weiter für eine pfiffige Lösung. Ich habe nicht die Fantasie, wer ohne Geld die Arbeit machen könnte“, so Kühn. Die Mittel, die die Stadt auch aus der Jugendhilfe für das Projekt bereitgestellt habe, reichten nicht aus.

Ob es eine Zukunft für das Fanprojekt geben kann, steht in den Sternen. Ein Dienstag eigentlich vereinbartes Gespräch zwischen Stadt, Land, DFB und KOS zu dem Thema war nach der Kündigung der Gesa abgesagt worden.

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