Mit einem 2:1-Erfolg über Emden kehrt der WSV aus der Türkei zurück.

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Marcel Reichwein (r.) traf für den WSV zum 2:1-Sieg über seinen ehemaligen Klub Kickers Emden. (Fotos (2): Claus Büttner-Wobst)

Marcel Reichwein (r.) traf für den WSV zum 2:1-Sieg über seinen ehemaligen Klub Kickers Emden. (Fotos (2): Claus Büttner-Wobst)

Marcel Reichwein (r.) traf für den WSV zum 2:1-Sieg über seinen ehemaligen Klub Kickers Emden. (Fotos (2): Claus Büttner-Wobst)

Wuppertal. Eine Woche lang ging es für die Spieler des WSV zwei Mal pro Tag mit dem Bus vom Hotel "Titanic Beach" zum Trainingsgelände und zurück. Dass ausgerechnet die letzte Tour mit dem Shuttlebus zur stimmungsvollsten werden würde und erstmals türkischer Pop aus den Lautsprechern des Bordradios wummerte, lag an der überraschend starken Vorstellung des WSV beim 2:1-Erfolg gegen Emden.

Zum Abschluss des Wintertrainingslagers in Belek (Türkei) stellte sich der WSV dem starken Ligakonkurrenten, gegen den die Wuppertaler in dieser Saison bereits beide Punktspiele verloren hatten ohne einige seiner Stammkräfte, die entweder verletzt waren oder geschont wurden. Doch beim Wiedersehen beider Mannschaften auf dem Trainingsgelände des WSV in Belek hatten die Wuppertaler die Nase vorne.

Mike Rietpietsch fällt wohl für sechs Wochen aus

Danach hatte es beim Morgentraining noch nicht ausgesehen. Trainer Uwe Fuchs ließ das Direktspiel nach vorne ohne Gegner üben. Viele Aktionen gingen daneben. Die Luft schien raus, zumal die Mannschaft noch geschockt durch die Verletzung von Mike Rietpietsch am Vorabend wirkte. Der erfahrenste Spieler im Team zog sich ohne Fremdeinwirkung einen Muskelbündelriss eines der Adduktoren zu und wird rund sechs Wochen ausfallen.

Verkehrte Welt: Am Nachmittag bekam es der WSV zwar mit aggressiven Gegenspielern zu tun, aber das Direktspiel nach vorne klappte nun trotzdem viel besser als bei der morgendlichen Trockenübung.

Jan Hammes nahm in der zweiten Spielhälfte die Rolle von Rietpietsch hinter den Spitzen Tobias Damm und Marcel Reichwein ein und kurbelte die Angriffe an. "Ich habe diese Rolle schon früher in Mönchengladbach gespielt. Das Spiel hat mir heute viel Spaß gemacht, obwohl man nachher doch die Müdigkeit spürte", sagte Hammes.

Thomas Richter, Manager von Kickers Emden, erkannte den verdienten Sieg des WSV ohne Einschränkungen an. Auf Schützenhilfe durch seinen alten Verein gegen andere Topteams der Liga baut Richter im weiteren Saisonverlauf nicht. "Unsere Ziele müssen wir schon aus eigener Kraft erreichen. Das wird schwer genug. Wir haben einen kleinen Kader, deshalb legen wir Wert darauf, vielseitige Spieler zu verpflichten. Bei uns haben mit Rauw und Spahic aber die beiden etatmäßigen Innenverteidiger gefehlt, deshalb musste Rudi Zedi seinen Platz im Mittelfeld aufgeben."

Freundschaftlich ging es beim Treffen mit Kickers Emden zu. Viele Hände mussten die Ex-Wuppertaler Thomas Richter, Tobias Gensler und Nils Pfingsten schütteln. Auf Wuppertaler Seite wurde Marcel Reichwein besonders freundlich von der Gegenseite begrüßt. So ganz sollen die Männer von der Nordseeküste den Plan einer Rückkehr von "Marcello" Reichwein nach Emden ja nie aufgegeben haben. Einer, der immer mal wieder beim WSV vorbeischaut, ließ sich die Partie der beiden Ligakonkurrenten auch nicht entgehen: Karsten Baumann, Trainer von RW Erfurt und früherer WSV-Spieler, war Kiebitz auf der Tribüne.

Mit Interesse hatten die WSV-Spieler am Morgen über den Zaun eine Übung des Zweitligisten FSV Frankfurt verfolgt. FSV-Trainer Tomas Oral studierte mit seinen Spielern das Verhalten bei Einwürfen ein. Zur Erklärung für die Notwendigkeit des Unternehmens führte Oral eine verblüffende Statistik an, nach der in der 1. und 2. Liga mehr als 70 Prozent aller Einwürfe zu Ballverlusten führen. Das scheint auch für die 3. Liga zu gelten. Ein Einwurf für den WSV in Strafraumhöhe und ein daraus resultierender Ballverlust leitete wenig später im Spiel gegen Emden den Gegentreffer von Neitzel ein.

Im Hotel "Titanic Beach" waren eine Woche lang die Spieler des Zweitligisten FSV Frankfurt. Die hatten zwar nach dem 2:1-Sieg gegen den WSV kurz die "Lufthoheit" im großen Speisesaal, wurden aber schon bald durch eine 0:6-Schlappe gegen Bayer 04 Leverkusen geerdet. So verabschiedete man sich am Samstag freundschaftlich und ohne Häme voneinander. Beide Vereine plagen schließlich ähnlich große Sorgen - Abstiegssorgen.

Neue Bilder aus dem Trainingslager gibt es im Internet unter www.wz-wupperal.de

Fuchs freute sich vor allem über die sechs, sieben glasklaren Tormöglichkeiten, die sich der WSV mit schnellen Kombinationen herausspielte. Allein Damm tauchte drei Mal frei vor Duffner auf, scheiterte aber immer wieder an Emdens Keeper. Dank der Mithilfe von Nägelein glich der WSV durch ein Eigentor aus. Und kam schließlich durch Marcel Reichwein nach präziser Vorarbeit von Tobias Damm zum verdienten Siegtreffer. Verdient, weil das Chancenverhältnis eindeutig für den WSV sprach.

Auf der Gegenseite durfte sich allerdings auch Sascha Samulewicz einige Male mit tollen Paraden auszeichnen. Nur beim Tor von Neitzel (19.) aus kurzer Distanz war er machtlos. "Samu hat sich klar verbessert. Man sieht, dass er will", lobte Torwarttrainer Dirk Zimmermann den Vertreter von Christian Maly.

Doch nicht nur Samulewicz und Hammes konnten positiv überraschen. Auch Björn Weikl, Tobias Willers, Victor Hugo Lorenzón, Mitja Schäfer oder Benjamin Barg hätte man die Leistung im Spiel gegen Emden nach den Eindrücken der zurückliegenden Trainingseinheiten nicht unbedingt zugetraut.

Die Mannschaft setzte als geschlossene Einheit nicht nur kämpferisch, sondern auch spielerisch Akzente. Dies alles dürften Gründe sein, die Fuchs trotz der Verletzungen von Rietpietsch, Heinzmann und Celikovic optimistischer in die Zukunft schauen lassen.

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