Die Fans sahen zuletzt sieben Niederlagen des Wuppertaler SV in Folge. Die Gründe sind vielschichtig.

Am vergangenen Wochenende spielte der WSV gegen die TSG Sprockhövel – und verlor 0:1. Eine Niederlage, die weh tat.
Am vergangenen Wochenende spielte der WSV gegen die TSG Sprockhövel – und verlor 0:1. Eine Niederlage, die weh tat.

Am vergangenen Wochenende spielte der WSV gegen die TSG Sprockhövel – und verlor 0:1. Eine Niederlage, die weh tat.

Andreas Fischer

Am vergangenen Wochenende spielte der WSV gegen die TSG Sprockhövel – und verlor 0:1. Eine Niederlage, die weh tat.

Wuppertal. Der Wuppertaler SV gibt seinen Fans in dieser Saison Rätsel auf. Bis zur Niederlage im Halbfinale des Niederrhein-Pokals gegen Rot-Weiss Essen lief es beim Fußball-Regionalligisten nach Maß. Doch dann wurden sieben Spiele in Folge verloren. Ist das möglich? Es ist möglich. Genauso wie es im Profifußball möglich ist, dass mit Bayer Leverkusen und dem VfL Wolfsburg zwei auf Rosen gebettete Vereine gegen den Abstieg kämpfen, weil sie darauf nicht vorbereitet sind.

Spieler, Trainer und sportliche Leitung des WSV werden seit Wochen mit der Frage konfrontiert, warum es plötzlich nicht mehr rund läuft. Viele Faktoren spielen eine Rolle. Hier ein Erklärungsversuch.

Das Alles-oder-Nichts-Spiel gegen RW Essen

Die sportlichen Erfolge des WSV bis Mitte März übertünchen, dass der Verein gerade erst wieder damit begonnen hatte, sportliche und wirtschaftliche Substanz aufzubauen. Gerade weil das Eis noch so dünn war, kam dem Pokalspiel gegen RWE diese ungeheure Bedeutung zu. In dieser Partie hatte der WSV viel zu gewinnen, aber er hatte noch weit mehr zu verlieren. Bei einem Sieg hätte die Mannschaft gleich zweimal die große Fußball-Bühne erobert, das Finale um den Niederrhein-Pokal und mit großer Wahrscheinlichkeit damit auch die erste Runde im DFB-Pokal erreicht. Die Einnahmen aus beiden Spielen hätten dazu beitragen können, bei der Verpflichtung von neuen Spielern für die kommende Saison in die Offensive zu gehen, eventuell Leihspieler zu halten. Beide Spiele wären gute Argumente bei der Suche nach Sponsoren gewesen. Das Problem ist daher nicht die Niederlage gegen RWE – es war eine Partie auf Augenhöhe. Das wahre Problem ist, dass einem einzigen Spiel aufgrund der fehlenden Substanz des Vereins eine solch enorme Bedeutung zugekommen ist. Diese negative Kraft entwickeln ansonsten nur Relegationsspiele: siehe Karlsruher SC, der die 1. Liga vor Augen hatte und jetzt nur noch drittklassig ist.

Der Frust, die Enttäuschung und der Fußball-Alltag

Dem 1:0-Sieg gegen die U 23 von Borussia Dortmund im März hat der WSV zu verdanken, dass er frühzeitig mit den Planungen für die kommende Regionalliga-Saison beginnen konnte. Die Abstiegssorgen sind theoretischer Natur. Das Erreichen der 40-Punkte-Marke und das Pokal-Aus waren in der Kombination aber eine gefährliche Mischung. Dem WSV fehlte nach dem Aus im Pokal das nächste große Ziel. Motivator Stefan Vollmerhausen gingen die Argumente aus, die Mannschaft über ihre eigentlichen Leistungsgrenzen hinaus zu pushen. Die Folge war ein Spannungsabfall, der vor allem beim 0:1 gegen Absteiger Sportfreunde Siegen erkennbar wurde. Die Abwärtsspirale begann sich zu drehen.

Schon zur Winterpause war der Klassenerhalt kein Thema mehr. Zwischenzeitlich rangierte der Aufsteiger Wuppertaler SV auf dem vierten Tabellenplatz. Mit dem Tabellenstand wuchs das Selbstvertrauen – in der Mannschaft und innerhalb der sportlichen Leitung. Sportvorstand Manuel Bölstler und Trainer Stefan Vollmerhausen warnten zwar immer wieder vor überzogenen Erwartungen, schwammen aber selbst bis zum Pokalspiel gegen RWE ganz oben auf der Erfolgswelle mit. Das bekamen zuweilen die zu spüren, die nicht bedingungslos alles in rot-blauen Vereinsfarben sehen wollten. Überrascht wurden sie dann, dass die Mannschaft nicht in der Lage war, den Hebel nach den ersten Niederlagen wieder umzulegen. Die vergangenen Wochen machen deutlich, dass der aktuelle Kader seit der Winterpause einige Schwachstellen aufweist. Und es steht die Frage im Raum, ob die Mannschaft – falls es denn erforderlich gewesen wäre – in einem Abstiegskampf noch einmal hätte umschalten können.

Die Entwicklung ist ein Warnschuss für die kommende Saison

Als der WSV nach dem Regionalliga-Aufstieg vor einem Jahr das Niederrheinpokalfinale gegen RWE deutlich verlor, zogen Bölstler und Vollmerhausen daraus die richtigen Konsequenzen. Innerhalb weniger Wochen bauten sie ein Team zusammen, das über klare Hierarchien und Strukturen verfügte. Davon ist einiges im Verlauf der Saison auf der Strecke geblieben. Schwer wiegt der Verlust von Kai Schwertfeger, den der KFC Uerdingen in der Winterpause abgeworben hatte. Leihspieler Jan Holldack ließ Schwertfeger vergessen, so lange es beim WSV optimal lief. Doch der Stabilisator fehlte, als es in schwierigen Phasen um die Ordnung und Struktur im Spiel ging. Mit Ercan Aydogmus fehlte über weite Strecken der Saison ein weiterer Akteur, der als Konterspieler das Erfolgsrezept des WSV mit Geradlinigkeit und Einsatzwillen verkörperte.

Es könnten trotz aller Enttäuschungen lehrreiche Wochen für den WSV gewesen sein. Sie lehren Demut. Vor nicht allzu langer Zeit spielte der Verein in der fünften Liga, jetzt traut man sich mit Shun und Ryo Terada zwei Kicker aus der Landesliga zu holen. Ein gutes Zeichen. Vor der kommenden Saison muss sich der WSV wieder einmal neu erfinden, denn der eine Sieg gegen RWE, der alles ins Positive gedreht hätte, der hat zum Leidwesen aller WSV-Fans nun einmal gefehlt.

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