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WSV-Trainer Christian Britscho und Sportvorstand Manuel Bölstler.

WSV-Trainer Christian Britscho und Sportvorstand Manuel Bölstler.

Kurt Keil

WSV-Trainer Christian Britscho und Sportvorstand Manuel Bölstler.

Mit dem starken dritten Platz in der Fußball-Regionalliga scheint der Wuppertaler SV auf seinem angepeilten Ziel Aufstieg bis 2020 trotz finanzieller Engpässe schon weit. Die WZ sprach mit Sportvorstand und Sportdirektor Manuel Bölstler, der derzeit für drei Tage auf Mallorca ausspannt („ganz ruhig und nicht mit der Mannschaft“) über die abgelaufene Saison und die Zukunft.

Herr Bölstler, welche Note würden sie dem WSV in der abgelaufenen Saison geben.
Manuel Bölstler:
Sportlich eine 1,5, für das Drumherum ein 2. Stadionprojekt, Gründung der Buhtz-Stiftung, aber auch die Herrichtung von Stadionnebenplatz und Nocken für unsere Jugend sind Projekte, die nicht alljährlich sind.

WSV
Foto: Krschak, Otto (krs)

Ex-WSV-Trainer Stefan Vollmerhausen und Sportvorstand Manuel Bölstler.

Was war für Sie sportlich der größte Fortschritt?
Bölstler:
Dass wir unser Spiel verfeinert haben. Wir haben auch schon im Wintertrainingslager, als noch Stevie (Stefan Vollmerhausen, von dem man sich anschließend trennte, d. Red.) Trainer war, versucht, mehr in das Fußballspielen reinzukommen. Christian (Nachfolger Britscho) hat dann noch einmal eine andere Philosophie an den Tag gelegt. Ich glaube, dass wir für alle Zuschauer eine sehr attraktive Rückrunde gespielt haben. Das gilt es trotzdem jetzt wieder zu verfeinern, was die Defensive angeht. Wir hatten einige Spiele, in denen wir zu viele Torchancen zugelassen haben.

Augenscheinlich ist: In der vergangenen Saison gab es zwei Punkte aus den letzten neun Spielen, jetzt 17, wo sehen Sie die Gründe?
Bölstler:
Das sind verschiedene. Wir haben im Sommer und jetzt auch im Winter eine ganz andere Mannschaft mit einer anderen Qualität auf dem Platz. Wenn man sieht, dass Christopher Kramer 20 Tore macht, ohne einen Elfmeter zu schießen, dann sagt das schon einiges. Das haben wir im Winter noch einmal verfeinert mit den fünf Zugängen, die alle zum Spielen gekommen sind. Wir haben ja gesagt, wir wollen jedes Transferfenster nutzen, um uns zu verbessern. Das ist uns sehr gut gelungen.

Auch die Spieler, die gehen werden, zerrissen sich nochmal fürs Team.

WSV-Sportvorstand Manuel Bölstler will den Teamgeist aufrecht erhalten. Dennoch: Vor dem letzten Saisonspiel wurden gleich sieben Spieler mit einem Erinnerungsbild von Vorstand Lothar Stücker (5.v.r.) verabschiedet, nachher halfen viele noch kräftig beim Sieg: (v.l.) Physio Carsten Piel, Michael Blum, André Mandt, Enzo Wirtz, Dennis Dowidat, Niklas Heidemann, Emre Bayrak und Kevin Pytlik. Es fehlt noch Yassine Khadraoui, der ebenfalls geht.

Macht der erfreuliche dritte Platz dem Sportdirektor vielleicht auch Sorge, dass man die Latte für die neue Mannschaft sehr hoch gelegt hat?
Bölstler:
Das ist mir bewusst, aber es macht auch stolz, was wir hier alle gemeinsam erreicht haben. Dazu gehören auch Geschäftsstelle, Sponsoren und Fans. Nur gemeinsam kann man dahinkommen. Wir wollen bei einem Fantalk vor der Saison gemeinsam über unser neues Saisonziel diskutieren.

Es wird dann einen sicheren Aufsteiger aus der Liga geben. Muss man da nicht alles auf eine Karte setzen und investieren?
Bölstler:
Bei unseren finanziellen Möglichkeiten ist das etwas schwierig. Aber Wunder gibt es immer wieder. Ich glaube, auch dieses Jahr hat uns keiner Platz drei zugetraut. Von der Stammmannschaft sind kaum Leute weggebrochen, es kommen mit Manno, Schmetz und Hagemann drei Langzeitverletzte zurück plus Neuzugänge mit richtig Qualität. Warum soll uns nächstes Jahr nicht auch mal ein Wunder gelingen?

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Foto: WSV-Medienteam

Angelo Langer hat bereits für die kommende Saison unterschrieben. Manuel Bölstler kündigt weitere Verpflichtungen an.

Wer war für Sie der Spieler der Saison?
Bölstler:
Da kann ich die ganze Mannschaft durchgehen. Man hat an der Rückrunde gesehen, dass jeder Spieler gebraucht wurde und jeder auch von der Leistung her immer da war. Die Mannschaft hat außerdem einen unglaublich guten Teamgeist, auf dem müssen wir aufbauen.

Neun Leute gehen, wie kann es da gelingen, den Teamgeist so hoch zu halten?
Bölstler:
Das wird uns gelingen, weil wir auch viel Wert auf den Charakter der Neuen legen. Ich glaube, da haben wir bisher zu 90 und 95 Prozent richtig gelegen und wo nicht, es schnell korrigiert. Für uns hat der Teamgeist Priorität Nummer eins. Das wird sich nicht ändern.

Wie soll die Qualität aufgefangen werden, die dennoch auch aus dem Kader abfließt?
Bölstler:
Wir haben einige Verträge abgeschlossen, die wir in den nächsten Tagen präsentieren. Da sind Topspieler für die Liga dabei, die wir nicht mit Geld überzeugt haben, sondern auch mit unserem Fußball und unserer Teamstärke. Gerade auch junge Spieler sehen, dass das hier ein Sprungbrett sein kann. Hätten einige andere Spieler keinen Vertrag gehabt, wären sie sicher auch Richtung Liga drei gegangen, wenn man etwa sieht, was für eine Quote Christopher Kramer und Gino Windmüller haben. Ich bin froh, dass es uns früh gelungen ist, sie zu binden und wir auf eine gut funktionierende Mannschaft zurückgreifen können, die wir mit einigen guten Spielern und Talenten erweitern.

Was bedeutet für Sie das Wort Kontinuität?
Bölstler:
Eine Mannschaft komplett zusammenzuhalten, wird es so gut wie nie geben. Einen Spielertausch von fünf bis acht, neun Spielern wird es immer geben, sowieso, wenn man sich weiterentwickeln möchte. Trotzdem sehe ich eine große Kontinuität, weil wir unsere Stammleute gehalten haben. Niklas Heidemann ist der einzige absolute Stammspieler, der uns verlassen hat.

Welchen Anteil hat das neue Trainerduo Christian Britscho und Pascal Bieler für Sie am Erfolg der Rückrunde?
Bölstler:
Den gleichen wie der alte Trainer in der Vorrunde. Beide haben ihre Handschrift. Britscho und Bieler haben auch auf die gute Arbeit im Trainingslager zurückgreifen können, und dann sehr schnell ihren eigenen Stil hineingebracht. Da waren auch die Jungs am Anfang skeptisch, haben es aber angenommen. Da sieht man, welche Qualität wir auch spielerisch im Kader haben.

Zum zweiten Mal hat der WSV einen Nachwuchstrainer zum Chef befördert. Wie viel ist daneben vom einstigen Jugendkonzept übrig?
Bölstler:
Wenn wir sehen, dass wir eigentlich fünf Spieler aus der A-Jugend übernommen hätten, wobei sich die beiden Guldens und Maurice Horn anders entschieden haben, zwei Spieler aber sicher noch dazukommen, dann achten wir komplett auf unsere Jugend. In der U 19 wird tolle Arbeit geleistet. Doch man muss auch ehrlich sein, ein reines Jugendkonzept zu haben, um in der Regionalliga oben anzugreifen, ist so nicht machbar. Wir können nur sagen, wir werden weiter die jungen Spieler fördern. Man hat mit Niklas Heidemann und Kevin Pytlik gesehen, wo der Weg hinführen kann.

An welchen Schrauben muss der WSV Richtung Dritte Liga noch drehen?
Bölstler:
Kontinuität beibehalten, Ruhe bewahren, wenn es mal nicht läuft und uns auf ein paar Positionen verstärken. Wir haben eigentlich keinen klaren Sechser, seit Kai Schwertfeger weg ist, wir brauchen auf jeden Fall einen zweiten Stürmer. Und – das ist immer dieselbe Leier – wir müssen uns finanziell entwickeln. Da haben wir jetzt viel Werbung für uns betrieben. Man kann nur hoffen, dass viele mit aufspringen und mit uns Spaß haben.

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