Der zweite Teil der Woga führte in den Wuppertaler Westen – zum Beispiel auf den Laurentiusplatz.

Der zweite Teil der Woga führte in den Wuppertaler Westen – zum Beispiel auf den Laurentiusplatz.
Fridhelm Bücheles sprechende Köpfe auf dem Laurentiusplatz.

Fridhelm Bücheles sprechende Köpfe auf dem Laurentiusplatz.

Gerhard Bartsch

Fridhelm Bücheles sprechende Köpfe auf dem Laurentiusplatz.

Eines der weithin sichtbarsten Beiträge zum zweiten Teil der Woga im Westen der Stadt waren die sprechenden Köpfe Fridhelm Bücheles auf dem Laurentiusplatz. In seiner Installation „Das Ende der Insel“ in Zusammenarbeit mit der alten Feuerwache ließ er Flüchtlinge zu Wort kommen, die ihre Geschichte erzählen. „Irgendwie wiederholen sich solche Prozesse“, erklärt Büchele den Hintergrund zu seinem Projekt, dessen Kern er bereits vor Jahren thematisiert hatte. „Und diese Wiederholung sollte man sich bewusst machen. Das war jetzt der Anlass: Wir bringen die 44/45 Geflohenen vom Osten, mit der Flucht in Verbindung, die jetzt auch aus Süd-Ost kommt. Die Geschichten waren interessanterweise sehr ähnlich.“ Tagsüber waren die Projektionen Bücheles auf den „Nachbarköpfen IV“, noch nicht sichtbar, umso neugieriger machten die erzählenden großen weißen Ballons.

Auf dem Ölberg präsentierten sich 14 Kunstorte, unter ihnen auch die Backstubengalerie. Hier erwartete unter anderem Guido Scholz den Besucher. Seine Werke: kleinformatige Collagen und Acrylkompositionen, die wie kosmische Fotografien anmuten.

Neben anderen der Malerei zugetanen Kreativen aus dem Repertoire der Galerie - unter ihnen die gegenstandslosen Arbeiten Jose Ocons - waren vor allem die Werke Sabine Kremers zu sehen.

Mit der Kamera eine Performance eingefangen

Die Woga entdeckt man auch unverhofft, beim Schlendern von einer Location zur anderen. So beeindruckten die Aktgemälde von Doris Faassen auf Anhieb. Gerne schaute man spontan hinein und ließ sich die Ideen erläutern.

Im Hinterhaus der Hochstraße 67 wurde es philosophisch mit einer Installation Käte Henins und den Werken von Isabelle Wenzel. Im Gespräch erklärte die Künstlerin - die neben Bielefeld an der Gerrit Rietveld Akademie in Amsterdam studierte - ihre Arbeiten. Ihr Schwerpunkt sind Performative Fotografien. Das heißt, sie fängt durch Selbstauslöser Augenblicke ihrer eigens für die Kamera inszenierten Performances ein. Dabei wirkt sie auf sonderbare Weise entmenschlicht. Fast wie eine Puppe, oder eine Skulptur in unwirklich anmutender Umgebung: Sand, Geröll, oder auf einem Sockel. „Es geht mir nicht um direkte Personenbeschreibung. Man sieht so gut wie nie Gesichter auf meinen Bildern. Mein Prozess ist sehr dynamisch“, erklärte sie. „Ich spiele viel mit dem Zufallsmoment - dem einen speziellen Moment, den wir auch so mit dem Auge nie sehen können. Wir können die Zeit nicht einfrieren.“ Ihr Atelier bevölkerten auch Gegenstände, die sich zu einer tiefgründigen Installation zusammenfügten. „Ich habe mich mit dem Existenzialismus auseinandergesetzt. Von Maurice Merleau-Ponty gibt es ein schönes Zitat: ‚Wenn wir etwas anfassen dann fasst uns das auch an.“

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