Stefan Biedermann muss bei den Weltmeisterschaften in Kanada durch Pfützen robben.

Stefan Biedermann muss bei den Weltmeisterschaften in Kanada durch Pfützen robben.
Beim Hindernislauf sind die Athleten gefordert, ganz unterschiedliche Hürden zu nehmen. Das Rennen ist immer eine Schlammschlacht.

Beim Hindernislauf sind die Athleten gefordert, ganz unterschiedliche Hürden zu nehmen. Das Rennen ist immer eine Schlammschlacht.

Beim Hindernislauf sind die Athleten gefordert, ganz unterschiedliche Hürden zu nehmen. Das Rennen ist immer eine Schlammschlacht.

Stefanie Pflitsch, Bild 1 von 2

Beim Hindernislauf sind die Athleten gefordert, ganz unterschiedliche Hürden zu nehmen. Das Rennen ist immer eine Schlammschlacht.

Wuppertal. Schlammtriefend steigt Stefan Biedermann aus einem Matschloch, schultert einen Sandsack und macht sich mitsamt seiner Last auf den Weg zur nächsten Schikane. An einem Seil muss er sich vorwärts hangeln, und kaum hat er wieder Boden unter den Füßen, läuft er strammen Schrittes geradewegs zum nächsten Schlammloch.

„Wir weichen Hindernissen nicht aus, wir suchen sie“, sagt der Wuppertaler mit leuchtenden Augen. Der 36-Jährige bereitet sich derzeit auf seinen Start bei den Weltmeisterschaften in der noch jungen Sportart OCR (Obstacle Course Race) vor. „Hindernislauf ist die vereinfachte Bezeichnung“, sagt Stefan Biedermann. Zwischen 50 und 150 natürliche und künstliche Barrieren muss er auf rund 20 Kilometern möglichst schnell hinter sich bringen – Schlamm robben und Wasserschlacht inklusive. Nur die Harten kommen ins Ziel und sind dabei auch noch schnell.

Sprung ins eiskalte Wasser

„Reizvoll ist immer die nächste Herausforderung. Es geht darum, die eigenen Grenzen zu überwinden“, sagt Stefan Biedermann. Im Training lässt er keine Pfütze und keine Schlammkuhle aus und springt selbst im Winter ins eiskalte Wasser. „Bei Hochwasser bin ich an der Beyenburger Straße durch die Wupper gewatet, im Gelpetal laufe ich nicht über die Brücke, sondern unten drunter durch. Anfangs ist es total hart, doch wer sich einmal überwunden hat, für den ist Joggen nur noch langweilig.“ Erkältungen lassen den Bereitschaftspolizisten kalt. Er ist abgehärtet.

Systematisch arbeitet er derzeit seinen Trainingsplan ab, um seinen Körper noch weiter zu stählen und im kanadischen Blue Mountain nicht auf der Strecke zu bleiben. „Meine Stärke sind die Hindernisse, da ich immer viel geklettert bin. Doch beim Laufen könnte und müsste ich schneller sein.“ Dreimal in der Woche macht er sich selbst Beine, 165 Kilometer läuft er im Monat zusammen. Dazu kommen Kraft- und Hinderniseinheiten. Nach dem Training erwartet ihn der Wasserschlauch und anschließend die Waschmaschine. „Die läuft bei uns dauernd.“

Stefan Biedermann ist kein Einzelkämpfer, seine Freundin Stefanie Pflitsch teilt seine Leidenschaft. Gemeinsam haben sie im vergangenen Jahr ihren ersten Wettkampf bestritten. „Wir wollten einfach mal etwas Außergewöhnliches machen.“ Zuvor hatten beide lange Volleyball gespielt. „Marathon bin ich auch gelaufen und einige Zeit Rennrad gefahren, doch es war immer im Hinterkopf, mal auszubrechen.“

Nach dem ersten 16-Kilometer-Härtetest war Stefan Biedermann so begeistert, dass er sich sofort für die nächsten fünf Wettkämpfe angemeldet hat. Im Dezember war er beim Getting Tough, dem härtesten Rennen in Europa, am Start und erreichte nach 24 Kilometern, 1000 Höhenmetern und 150 Hindernissen auch das Ziel. Im März qualifizierte er sich in den Niederlanden für die Europameisterschaft und belegte dort Rang fünf in seiner Altersklasse. „Dieses Ergebnis möchte ich bei den Weltmeisterschaften möglichst noch verbessern“, betont der ehrgeizige Sportler.

Welche Hindernisse ihm in Kanada im Weg stehen, darüber kann er nur spekulieren, doch eines ist sicher: Er will sie alle hinter sich lassen. „Denn sonst bin ich raus.“ Unabhängig vom Ergebnis möchte Stefan Biedermann den Wettkampf auch genießen. „Das ist das größte Sportereignis, an dem ich je teilgenommen habe.“

Eine Schlammschlacht ist das Rennen in jedem Fall. Doch das schreckt den Wuppertaler nicht. „Es kann gar nicht schmutzig genug sein“, sagt er mit einem breiten Grinsen. Wenn er triefend sein Ziel erreicht hat, freut er sich dennoch auf eine warme Dusche.

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