Im Sportmedizinischen Zentrum der Uni werden im Auftrag des DOSB weiterhin Hochleistungssportler durchgecheckt.

Im Sportmedizinischen Zentrum der Uni werden im Auftrag des DOSB weiterhin Hochleistungssportler durchgecheckt.
Professor Thomas Hilberg demonstriert mit Mitarbeiter Dennis Lieverkus einen der vielen Tests, die am Haspel durchgeführt werden.

Professor Thomas Hilberg demonstriert mit Mitarbeiter Dennis Lieverkus einen der vielen Tests, die am Haspel durchgeführt werden.

Andreas Fischer

Professor Thomas Hilberg demonstriert mit Mitarbeiter Dennis Lieverkus einen der vielen Tests, die am Haspel durchgeführt werden.

Wuppertal. Dass der Wattenscheider Diskuswerfer Daniel Jasinski bei den Olympischen Spielen in Rio die Bronzemedaille gewann, kam überraschend. Dass der 2,07 Meter große Hüne aber beeindruckende Kraftwerte und körperliche Voraussetzungen mitbrachte, wusste man am Sportmedizinischen Institut der Bergischen Universität Wuppertal aus erster Hand. Jasinski gehört zu den vielen Kaderathleten, die dort regelmäßig untersucht werden, besonders natürlich im Vorfeld von Olympia.

Seit 2011 ist das Institut als Sportmedizinisches Untersuchungszentrum des Deutschen Olympischen Sportbundes anerkannt. Gerade wurde die Lizenz vom DOSB zum dritten Mal verlängert – für den nächsten Olympia-Zyklus bis 2020. „Unser Untersuchungszentrum hat sich im Bereich des absoluten Hochleistungssports etabliert“, kommentiert das Institutsleiter Professor Thomas Hilberg stolz.

Für Otto-Normalverbraucher würden pro Test 500 Euro fällig

In erster Linie dient das dem Renommee, doch auch dem Portemonnaie, denn die Untersuchungen der A- bis C-Kader-Athleten bezahlt der DOSB, die von D-Kader-Sportlern der Landessportbund. Auch Otto Normalverbraucher kann sich im Institut sportmedizinisch und leistungsspezifisch untersuchen lassen, wofür rund 500 Euro fällig werden. Die Konkurrenz ist bei bundesweit rund 30 vom DOSB anerkannten Untersuchungszentren, darunter mit Köln, Bochum und Hellersen noch drei in NRW, nicht klein. „Aber wir verfügen inzwischen über gute Kontakte“, sagt Hilberg.

So kommen etwa viele Judoka oder die Spielerinnen der Badminton-Nationalmannschaft regelmäßig nach Wuppertal. Sie werden auch aktuell wieder durchgecheckt. „Das dauert pro Sportler meist einen Tag“, sagt Holger Stephan, der Leiter des Ergometrielabors ist. Eingangs ein Gesundheitscheck, dann eine genaue Körpervermessung, ein Lungenfunktionstest und anschließend eine vor allem sportartspezifische Leistungsdiagnostik schließen sich an. Bei den Badmintonspielerinnen werden beispielsweise die Kraftwerte der Oberkörper- und Schultermuskulatur genau ermittelt.

Beim Laktattest bietet es sich ebenfalls an, sportartspezifisch zu arbeiten. So gehören neben dem Laufband auch Fahrrad- und Ruderergometer zur Ausstattung.

Seit 2008 gibt es den Lehrstuhl für Sportmedizin an der Bergischen Universität. Damals wurde Professor Thomas Hilberg als Leiter aus Jena nach Wuppertal berufen. Angesiedelt ist das Institut am Campus Haspel, soll 2019 auf den Grifflenberg umziehen.

Die Institutsarbeit umfasst die drei Bereiche Lehre (Ausbildung von Sportwissenschaftlern), Forschung und Ambulanz mit dem Untersuchungszentrum.

„Rund 500 Untersuchungen an 150 Sportlern wurden in den vergangenen vier Jahren vorgenommen“, schätzt Professor Hilberg. Auf der Liste standen auch einige Landeskader-Sportler aus Wuppertal, wie die Nachwuchskanuten Caspar Ehlert oder Manuel Adomeit. Auch WSV-Leichtathleten, die Rollhockeyspielerinnen des RSC oder heimische Nachwuchsschwimmer ließen sich hier schon durchchecken, wobei der DSV seine Top-Athleten normalerweise alle nach Hamburg schickt, wo es auch einen Strömungskanal gibt. „Wir sind immer an heimischen Klienten interessiert, ich könnte mir auch gut vorstellen, mal den WSV hier zu haben“, sagt Hilberg. Schließlich arbeite man eng mit den Trainern zusammen, um denen Hinweise im Hinblick auf die Trainingssteuerung zu geben. Da gibt es Konkurrenz im eigenen Haus. Das Institut für Bewegungs- und Trainingswissenschaft der Uni checkt im Sommer die Erstliga-Handballer des BHC durch. „Wir haben aber untereinander beste Kontakte“, versichert Hilberg.

Die DOSB-Lizenz umfasst auch den Bereich Anti-Doping. „Sollten wir auffällige Werte ermitteln, müssen wir das melden“, sagt Hilberg. Als ehemaliger Nationalmannschaftsarzt der Eisschnellläufer ist er jetzt Antidoping-Referent der Deutschen Eisschnelllauf Gemeinschaft und für das Thema besonders sensibel. Zum Glück seien bei den in Wuppertal untersuchten Athleten noch keine Auffälligkeiten festgestellt worden.

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