Aus der Uni-Nähe hat Fußball-Kreisligist SSV Germania Nutzen gezogen. 17 Spieler studieren.

Aus der Uni-Nähe hat Fußball-Kreisligist SSV Germania Nutzen gezogen. 17 Spieler studieren.
Die Germania-Kicker in Denkerpose. Drei Viertel der Mannschaft sind Studenten.

Die Germania-Kicker in Denkerpose. Drei Viertel der Mannschaft sind Studenten.

Stefan Fries

Die Germania-Kicker in Denkerpose. Drei Viertel der Mannschaft sind Studenten.

Wuppertal. Das „SSV“ im Namen vieler Vereine bedeutet im Allgemeinen „Sport- und Spielverein“. Bezogen auf die erste Fußballmannschaft des SSV Germania 1900 Wuppertal könnte es aber auch heißen „Studenten- und Spielverein“. Die Bergische Universität liegt kaum zehn Gehminuten vom heimischen Sportplatz am Freudenberg entfernt und die räumliche Nähe wusste Trainer Jürgen von der Horst durchaus zu nutzen. Er hat es sich schon beinahe zur Methode gemacht, Studenten von dort in sein Team zu holen. Das Ergebnis: 17 von 24 Spielern in seinem Kader sind tatsächlich Studenten. Innenverteidiger Jannick Weitzel etwa studiert genau wie der rechte Verteidiger Jonas Kühl Sport, auch Innenverteidiger Manuel Rehrmann hat über sein Sportmanagement-Studium die Anbindung von Theorie und Praxis. „Wir haben aber auch Wirtschaftsstudenten und Politik- und Sozialwissenschaftler“, berichtet von der Horst.

Doch wie läuft so ein „Transfer“ ab? Der Germanen-Trainer erläutert: „Studenten, die bereits bei uns spielen, betreiben Eigenwerbung und sprechen Interessierte an. Und dann machen wir an der Uni auch schon mal Aushänge.“

Dass das Modell erfolgreich sein kann, hat der souveräne Aufstieg in die Kreisliga A gezeigt. Dort strebt man aktuell einen gesicherten Mittelfeldplatz an, zeigt sich mit 54 Toren aus bisher 19 Spielen sehr torhungrig. Und das, obwohl von der Horst kaum ein eingespieltes Team aufbieten kann.

„Teilweise sind die Spieler nur eine halbe, vielleicht eine ganz Saison bei uns. Kontinuität ist da kaum machbar.“ Aktuell etwa fehlt Manuel Rehermann wegen eines Praktikums in Berlin für acht Wochen. Der eine oder andere Student von auswärts fährt am Wochenende auch schon mal nach Hause. „Sicherlich leben Studenten nicht nur für den Fußball“, umschreibt es Germanen-Geschäftsführer Friedhelm Bursian, sieht aber auch die Vorteile, so zu einer schlagkräftigen Mannschaft gekommen zu sein.

Trainer Jürgen von der Horst bereitet die besondere Herausforderung jedenfalls viel Freude. „Natürlich ist es schwerer zu coachen, wenn immer wieder mal Leute fehlen. Und auch die Trainingsarbeit ist teilweise komplizierter, weil die Jungs alles hinterfragen. Aber das macht für mich auch den Reiz aus.“

Auch zum Restrundenauftakt am 5. März wird seine Mannschaft ein leicht verändertes Gesicht zeigen. Wirtschaftsstudent Niklas Köhler, einer der Aufstiegshelden, ist aus Australien zurück. Studienbedingt ist Hannes Bünte, der vorher für Victoria Clarholz kickte, nach Wuppertal gezogen. Malik Alaeddin, der früher schon mal für die Germanen spielte, hat sein Studium zurück an den Freudenberg geführt.

„So konnten wir uns auf einigen Positionen sogar verstärken“, schätzt von der Horst und fügt lachend an: „Langweilig wird es hier nie“ – dafür sorgt seine Studententruppe, in der aber natürlich auch Nicht-Studenten willkommen sind.

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