Das Schülerportal spickmich.de hat sich vor Gericht durchgesetzt – die Aufregung über das Urteil unter den Lehrern hält sich in Grenzen.

Auf spickmich.de können Schüler ihren Lehrern Noten geben.
Auf spickmich.de können Schüler ihren Lehrern Noten geben.

Auf spickmich.de können Schüler ihren Lehrern Noten geben.

dpa

Auf spickmich.de können Schüler ihren Lehrern Noten geben.

Wuppertal. Auf dem Portal spickmich.de dürfen auch weiterhin Schüler ihren Lehrer Noten geben. Ein entsprechendes Urteil des Bundesgerichtshofes wird in den Wuppertaler Lehrerzimmer allerdings mit vergleichsweise wenig Aufregung diskutiert. "Das ist bei uns kein Thema. Weder ich, noch die meisten meiner Kollegen gucken da überhaupt rein", merkte Dirk Rasel, Leiter der Hauptschule am Katernberg, an.

Ähnlich das Bild am Gymnasium St. Anna "Je mehr man darüber redet, desto mehr Beachtung findet Spickmich. Bisher gab es bei uns keine nennenswerten Diskussionen", so Schulleiter Rudolf Hösen.

"Es gibt eine Fraktion, die in der Lehrer-Benotung eine Verletzung der Persönlichkeitsrechte sehen. Die meisten Kollegen nehmen es aber locker."

Beate Schulze (Realschule Neue Friedrichstraße)

In anderen Schulen ist das Kollegium in der Spickmich-Frage gespalten. Beate Schulze (Realschule Neue Friedrichstraße) kann zwar eine Aufregung über das Thema nicht erkennen, weiß aber auch, dass es zu Spickmich durchaus unterschiedliche Meinungen unter den Kollegen gibt. "Es gibt eine Fraktion, die in der Lehrer-Benotung eine Verletzung der Persönlichkeitsrechte sehen. Die meisten Kollegen nehmen es aber locker." Über Lehrer sei schließlich schon immer hergezogen worden - nun sei allenfalls die Plattform eine andere.

Beate Schulze selbst verfährt pragmatisch mit dem Thema. "Wenn ein Schüler etwas an mir auszusetzen hat, dann kann er mir das persönlich sagen. Wer das nicht macht, ist an einer direkten Auseinandersetzung nicht interessiert. Und dann interessiert mich das auch nicht mehr."

Verantwortungsvoller Umgang mit den neuen Medien

Wolfgang Kaiser (Gesamtschule Vohwinkel) sieht ebenso wie Volker Reinhoff von der Stadtschulpflegschaft in dem Urteil einen Erziehungsauftrag. "Es ist unsere Aufgabe als Lehrer, dafür zu sorgen, dass unsere Kinder zum verantwortungsvollen Umgang mit den neuen Medien erzogen werden", erklärte Kaiser auf WZ-Nachfrage. Reinhoff ergänzte: "Das Urteil müssen wir respektieren und als Erziehungsauftrag an uns werten."

Der Bundesgerichtshof (BGH) hatte am Dienstag die Revision einer Lehrerin aus Moers zurückgewiesen, die durch die auf spickmich.de mögliche Notenverteilung ihr Persönlichkeitsrecht verletzt sah.
Die Pädagogin war im Internet von Schülern unter anderem mit der Note 4,3 bewertet worden. Darauf hatte sie die Löschung des Eintrags mit vollem Namen verlangt.
Die Richter urteilten, die Bewertungen seien Meinungsäußerungen, die die berufliche Tätigkeit beträfen. Die Äußerungen seien weder schmähend noch beleidigend.

Und die Schüler? "Bei uns ist spickmich.de gar kein Thema. Aber ich glaube, als Lehrer fände ich es nicht so toll, wenn ich eine Fünf bekomme und das alle sehen können", sagt Cyril Colin hahn (11), Schüler am Wilhelm-Dörpfeld-Gymnasium. Die meisten seiner Klassenkameraden haben noch nicht einmal von dem Internetportal gehört. Mark Rhene (15) findet, dass die Lehrer teilweise selbst schuld sind, wenn sie sich unbeliebt machen und dann schlechte Noten kassieren.

"Wir kriegen ja auch Kopfnoten, die unser Sozialverhalten bewerten." Burcu Temel (15/beide Dörpfeld-Gymnasium) ist davon überzeugt, "dass die Noten in den Augen der Schüler schon fair sind. Nur die Lehrer finden sie halt nicht fair. Ist ja klar: Jeder will am Ende gut dastehen."

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