Quellwasser half beim Kühlen des Weines. Aus der Wupperlese wurde aber nichts.

Mühsam wurde gesprengt und planiert, um den Wunderbau in den Hügel zu bauen.
Mühsam wurde gesprengt und planiert, um den Wunderbau in den Hügel zu bauen.

Mühsam wurde gesprengt und planiert, um den Wunderbau in den Hügel zu bauen.

Archiv

Mühsam wurde gesprengt und planiert, um den Wunderbau in den Hügel zu bauen.

Elberfeld. Ohne Wupper kein Tal, ohne Hügel auch nicht. Es sind wenige Stellen in der Stadt, an denen das Wupperwasser fast gegen die Hänge klatscht. Ein solcher Engpass befindet sich unterhalb der Hardt beim Landgericht. Ausgerechnet auf diesem schmalen Handtuch wollte Kirchmeister und Weinhändler Peter vom Heydt ein Wohn- und Geschäftshaus mit Kellereien errichten.

1752 stellte er seinen Bauantrag. Über Monate hinweg musste hernach gesprengt und planiert werden, was stets Schaulustige zur Baustelle an der Vikariestraße (heute Hofkamp) lockte. Da standen sie und wunderten sich über den tolldreisten Peter - womit dessen Haus seinen Spitznamen weg hatte: der Wunderbau.

Vom Heydt indessen hatte nach drei Jahren Bauzeit allen Anlass, den Spöttern eine Nase zu drehen. Nachdem das Fachwerk der früheren Jahre beim Stadtbrand 1687 wie Zunder verraucht war, setzte er auf Naturstein. Die erforderliche Grauwacke lag zum Greifen nah, was enorme Transportkosten sparte. Im Übrigen hatte das Material den unschätzbaren Vorteil, Peters Sortiment an Weinen mit idealer Temperatur und Luftfeuchtigkeit zu versorgen. Der Fels lieferte ihm frisches Quellwasser, während sich seine Zeitgenossen mit minderwertiger Qualität plagen mussten.

Freilich hatte sich Peter vom Werth einen Floh ins Ohr gesetzt, der die Elberfelder doch noch berechtigt schmunzeln ließ. Denn der Wunderbaumeister wollte in seinen Terrassengärten, die nach Süden wiesen, Rebstöcke pflanzen. Bevor jedoch die erste Wupperlese ins Haus stand, ging Peters Weinhandel in Konkurs. Sein Wunderbau im feinsten Rokokostil kam unter den Hammer, er selbst starb 1767.

Die Pracht und Herrlichkeit des Hauses, schon im 19. Jahrhundert durch Umbauten stark verändert, fiel großenteils dem Bombenhagel von 1943 zum Opfer. Wegen Einsturzgefahr mussten Mauern und Terrassen des Gartens 1949 abgetragen werden. Immer wieder diskutierte man, den beschädigten Wunderbau ganz zu beseitigen, bis ihm ein neuer Besitzer das heutige, nicht unbedingt ansprechende Dachgeschoss aufsetzte. 1968 nahm die Pfingstgemeinde im Haus Quartier. Als Betsaal dient ihr der alte Weinkeller.

Da der Wunderbau wegen Überschwemmungsgefahr nie ein prachtvolles Mittelportal besaß, fällt es heute schwer, seine architektonische Bedeutung zu erkennen. Nur die schmiedeeisernen Gitter verraten, was sich der Geist des Rokoko leistete.

Alle Folgen der Serie lesen Sie hier im WZ-Special "Wuppertaler Spitznamen".

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer