Zwischen Hammerstein und Bruch legt sich die Kaiserstraße in die „Zeisler-Kurve“. Den Namen gab ihr einst ein Autohaus.

Wo früher Sportwagen im Schaufenster blinkten, residiert heute ein Discounter in der „Zeisler-Kurve.“
Wo früher Sportwagen im Schaufenster blinkten, residiert heute ein Discounter in der „Zeisler-Kurve.“

Wo früher Sportwagen im Schaufenster blinkten, residiert heute ein Discounter in der „Zeisler-Kurve.“

Andreas Fischer

Wo früher Sportwagen im Schaufenster blinkten, residiert heute ein Discounter in der „Zeisler-Kurve.“

Vohwinkel. Vohwinkel hat keine Nordschleife. Der Nürburgring ist rein streckentechnisch gesehen auch ein kleines bisschen länger als die Straßen im Wohnquartier. Gut, wer unbedingt wollte, könnte die Geschwindigkeitsbegrenzung auf der Nathrather Straße aufheben und die Bahnstraße zur Rennstrecke aufwerten. Doch das ist alles gar nicht nötig, denn schließlich hat Vohwinkel sein ganz eigenes, geschichtsträchtiges Straßenstück der Automobilindustrie: die Zeisler-Kurve.

Die gilt zwar nicht als besondere Herausforderung an Fahrkünste und wird auch selten durchrast, aber so viele chromblitzende, sportlich-schnittige und immer neue Wagen wie in der Zeisler-Kurve sah man nie auf den Rennstrecken dieser Welt. Und schon gar nicht nebeneinander.

Wer die Älteren fragt, erfährt meist schnell, was es mit der Zeisler-Kurve auf sich hat: In Vohwinkel gab es seit Mitte der Zwanziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts ein bekanntes Autohaus. Es gehört der ortsansässigen Familie Zeisler. Weil es mit seinem großen Grundstück die langgezogene Kurve zwischen den Schwebebahnhaltestellen Bruch und Hammerstein beherrschte, wurde dieses Stück Kaiserstraße auch als Zeisler-Kurve bezeichnet. "Die hatten damals Nobelfahrzeuge im Schaufenster stehen", erinnern ältere Vohwinkeler, "richtig schicke Karossen".

Zeisler ging es damals gut - die Wirtschaft in den Fünfziger und Sechziger Jahren boomte, es waren hervorragende Zeiten für gute Geschäfte. Doch dann kamen die Siebziger Jahre, die Ölkrise war da - und Veränderungen und Zusammenschlüssse innerhalb der Branche machten auch vor Zeisler nicht halt.

In den frühen Siebziger Jahren übernahm Gottfried Schultz das traditionsreiche Autohaus. Den Namen Zeisler behielt es noch mehr als 15 Jahre. Erst im Jahr 1989 wurde das Geschäft umfirmiert. Auch Gottfried Schultz ist ein bis heute bekannter Name in Wuppertal und der Region. Als das Unternehmen am 30. Juni 2004 den Standort Vohwinkel endgültig verließ, fanden fast 80 Jahre Automobilverkauf an der Kaiserstraße ein Ende.

In der Serie "So nennt mich Wuppertal" berichten wir über Häuser und Orte, für sie sich längst Wuppertaler Spitznamen gefunden haben, die aber amtlich gar nicht so heißen. Uns haben bereits viele Zuschriften mit weiteren Ideen erreicht. Wer noch einen Spitznamen beisteuern möchte, mailt an klaus.koch@westdeutsche-zeitung.de

Das Gottfried-Schultz-Verkaufsgebäude wurde komplett abgerissen. Seit 2006/07 ist die Zeisler-Kurve vor allem ein Discounter-Standort. Doch für die älteren Vohwinkeler hat das nichts geändert. Wenn sie die genaue Lage, beispielsweise eines Geschäfts oder einer Gaststätte verdeutlichen wollen, dann heißt es auch jetzt oft noch: "Das ist doch da unten, in der Zeisler-Kurve."

Alle Folgen der Serie lesen Sie hier im WZ-Special "Wuppertaler Spitznamen".

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