Was eckig ist, ist für die meisten Wuppertaler nach wie vor rund: Warum der Kasinokreisel auch im Jahr 2010 unsterblich ist.

wza_333x450_641747.jpg
Diesen Ausblick hatte man in den 50er Jahren aus dem Finanzamt am Kasinokreisel.

Diesen Ausblick hatte man in den 50er Jahren aus dem Finanzamt am Kasinokreisel.

Finanzamt Elberfeld - für weitere Bilder aufs Foto klicken und es öffnet sich eine Mini-Galerie

Diesen Ausblick hatte man in den 50er Jahren aus dem Finanzamt am Kasinokreisel.

Wuppertal. Könnte man mit erhitzten Gemütern heizen, wären die Anlieger der Neumarkt-, Kasino-, Herzog- und Friedrich-Ebert-Straße ein für alle Mal ihre Heizkosten los - sorgte die Schnittstelle besagter Verkehrsadern doch jahrelang für erbitterte Diskussionen.

"Die einen wollen den Kreisel, die anderen die Ampel", berichtete die WZ noch im Mai 2005, als die Kontroverse um die Zukunft der Kreuzung nach Abschluss der Erd- und Straßenarbeiten für den Wuppersammler dort in vollem Gange war. Bei dieser Gelegenheit wieder einen Kreisverkehr einzurichten, wie er sich dort über Jahrzehnte bewährt hatte und heute überall schwer in Mode ist, scheiterte nicht zuletzt an dieser Zahl: 350.000. In etwa so viele Euro sollte ein neuer Kasinokreisel kosten - eine Summe, die sich selbst am Roulette-Tisch nicht mal eben verdienen lässt.

So kam es, wie es kommen musste: Installiert wurde die bekannte Kreuzung - effizient und nüchtern, aber nach wie vor für Überraschungen gut: Blieben viele Elberfelder - mal aus Trotz, mal aus Nostalgie - beim Spitznamen "Kasinokreisel", watschelte 2006 ein neuer Akteur auf die pechschwarze Asphaltfläche an der Kasino-Kreuzung. Das geschah in Form eines dezent platzierten Pinguinale-Pinguins, der fortan über das Verkehrsaufkommen am Kreisel, der ja längst kein Kreisel mehr war, zu wachen hatte.

"Wer rettet den einsamen Pinguin?", wollte die WZ postwendend wissen - zumal sich für die Tristesse am neu geschaffenen Stadtplatz neben der Kasinokreisel-Kreuzung allmählich auch noch die Bezeichnung "Schwarzer Fleck" einbürgerte.

Bevor sich allerdings auch diese Diskussion im Kreis drehte, eilte im August 2008 der Krawatten-Mann des belgischen Künstlers Guillaume Bijl Elberfeld zu Hilfe, als zeitlos schöne Skulptur finanziert von der Kunst-Stiftung der Sparda-Bank. Viel Zeit blieb besagter Krawatte am Mann jedoch nicht. Es dauerte nicht lange, bis das gute Stück zum ersten Mal abgebrochen wurde. So schließt sich auch hier wieder ein Kreis, denn auch um ihren Kasinokreisel fühlen sich viele Elberfelder bis heute beraubt. Krawattenmoden ändern sich. Spitznamen nie.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer