Die Ähnlichkeit zu einer Scheuermittel-Flasche gab dem „Atadösken“ seinen Namen.

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43 Meter hoch und trotzdem eine anmutige Erscheinung: „Dat Atadösken“, 1927 erbaut als „Städtischer Wasserturm am Pfaffenhaus“.

43 Meter hoch und trotzdem eine anmutige Erscheinung: „Dat Atadösken“, 1927 erbaut als „Städtischer Wasserturm am Pfaffenhaus“.

Andreas Fischer

43 Meter hoch und trotzdem eine anmutige Erscheinung: „Dat Atadösken“, 1927 erbaut als „Städtischer Wasserturm am Pfaffenhaus“.

Katernberg. Mal kurz eine Frage in die Wuppertaler Runde: Wie nennt man eine kleine Dose? Völlig korrekt, das ist ein Dösken - mit gedehntem "ö". Freilich darf das bergische Völkchen nicht davon ausgehen, dass dieser Terminus überall im Land verstanden würde, zumindest nicht als geschriebenes Wort. Aus diesem Grund auch empfiehlt es sich, auf Wegweiser zum "Atadösken" zu verzichten. Atta Troll, Atta-Höhle, Atatürk - worauf sollte der Ortsunkundige da wohl abfahren?

Wuppertaler haben es leichter, binden sich aber selbst einen Bären auf. Denn "dat Dösken" im Stadtteil Uellendahl-Katernberg ist mit 43 Metern Höhe in Wahrheit eine ausgewachsene Dose. Offiziell hört sie auf den Namen "Städtischer Wasserturm am Pfaffenhaus". Das klingt weniger geschliffen als leicht bescheuert, woraus sich schon mal ein Argument für die Umbenennung im Volksmund ableiten ließe. Der triftigere Grund ergab sich jedoch aus der für Wassertürme ungewöhnlichen Form: quadratischer Grundriss mit einer aufs Dach gesetzten runden Laterne.

Das Runde muss ins Eckige, behauptet der Fußballfan. Designern bereitet diese Forderung Schwierigkeiten. 1924 füllte die Firma Henkel ihr Scheuermittel Ata erstmals in eine neuartige Verpackung. Statt eines kantigen Pakets gab es fortan die Flasche aus Pappmaché auf viereckiger Standfläche mit rundem Ausguss - die gelungene Quadratur des Kreises.

Drei Jahre nach dem Coup, der ein schlichtes Sand-Soda-Gemisch perfekt zu vermarkten wusste, entstand nördlich der Wupper an der Straße nach Neviges jener Turm, der ebenfalls Rundes mit Eckigem verbindet. Damit hatte das Atadösken sein Fett weg. 450 Kubikmeter Wasser fasst der Tank im Innern. Es wird - wie üblich bei Wassertürmen - aus den Talsperren auf den erhabenen Punkt gepumpt und drückt, von der Schwerkraft angezogen, über Leitungen in die umliegenden Häuser.

1995 wurde das Atadösken saniert, wobei der ursprüngliche rosa Anstrich ebenso wiederhergestellt wurde wie die optische Betonung der vertikalen Schmuck-Elemente durch weiße Farbe. Seit 1999 steht der Wasserturm wegen seiner untypischen Bauweise unter Denkmalschutz. Dabei ist er Fixpunkt in einem Stadtteil, der mit markanten Denkmälern nicht gerade reich gesegnet ist. Dem WDR dient "dat Dösken" als Sendestation. Nur sehr böse Zungen behaupten, dass man im Radio das Blubbern des Wassers hören würde.

In der Serie "Wuppertaler Spitznamen" stellt die WZ Wuppertaler Orte und Bauwerke mit ungewöhnlichen Spitznamen vor. Bisher erschienen: das Köbo-Haus und die Beamtenrutsche.

Wer noch Vorschläge für die Serie hat: Schreiben Sie an Klaus Koch, Westdeutsche Zeitung, Stichwort Spitznamen, Otto-Hausmann-Ring 185, 42115 Wuppertal oder klaus.koch@westdeutsche-zeitung. de

Alle Folgen der Serie lesen Sie hier im WZ-Special "Wuppertaler Spitznamen".

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