Warum der Spitzname des früheren Gefängnisses bundesweit berühmt werden könnte.

Unterbarmen. Es ist lange her, aber die alten Wuppertaler Schwimmer wissen es noch: Wer früher zum Freibad Bendahl wollte, und dabei die Talachse überquerte, kam zwangsläufig am damaligen Wuppertaler Gefängnis vorbei. Der stand seinerzeit mehr oder weniger direkt neben der Wicküler-Brauerei und gleich dem Landgericht gegenüber. Und weil insbesondere in den 1970er Jahren "echte" italienische Mafiosi dort brummten, hatte das Gefängnis schnell seinen Spitznamen weg: "Bad Bendahlo".

Klingt verwegen, war es auch. Denn am 13. April 1980 erlebte der Wuppertaler Knast eine der spektakulärsten Befreiungsaktionen der deutschen Kriminalgeschichte. Um 11.23Uhr detonierte eine Dynamit-Ladung vor einer Gefängnistür an der Westseite. Sekunden später sprintete ein Mann in die Freiheit: der Mafioso Maglio, mit dem schillernden Beinamen "Erzengel". Vor dem "Rumms" am Westtor soll sich Maglio zum Erstaunen des Personals und seiner Mithäftlinge mit Dauerläufen im Hof von "Bad Bendahlo" fit gehalten haben. In einer Nebenstraße wartete an jenem April-Vormittag Giorgio Basile, "Engelsgesicht" genannt, in einem Alfa Romeo. Der damals 20-Jährige kannte sich in Wuppertal aus. Er fuhr den Erzengel in die Freiheit.

Ein Stoff aus dem Kinofilme sind: Wie berichtet, soll in diesem Jahr die Lebensgeschichte Basiles - er dient mittlerweile den italienischen Mafia-Jägern als Kronzeuge - verfilmt werden. Produzent Norbert Preuss hat Moritz Bleibtreu für die Hauptrolle gewonnen. Und natürlich soll die Bombe von "Bad Bendahlo" als Knalleffekt im Film vorkommen. Immerhin war es Basiles erster echter Mafia-Auftrag.

Die Originalschauplätze sind allerdings längst verschwunden. Schon vor der Freisprengung war klar, dass das vergitterte "Bad Bendahlo" keine Zukunft mehr haben würde. Knackis und Wärter zogen in den Westen um - in die JVA Simonshöfchen, die dieses Jahr ihren 30.Geburtstag feiert und wo noch niemand freigesprengt wurde. 1997 wurde der alte Knast an der Talachse dem Boden gleichgemacht. Heute lockt dort der Media-Markt Kunden. Aus der Wicküler-Brauerei wurde das Einkaufszentrum Wicküler-Park.

Auch das "echte" Freibad Bad Bendahl gibt’s nicht mehr. Es wich einem Feuchtbiotop. Weiter oben am Bendahl schwimmen aber immer noch die Wasserfreunde in ihrem vereinseigenen Freibad. Und sie haben den alten Spitznamen in etwa abgewandelter Form für sich neuentdeckt. Den Kindern, die in den Schulferien am Bendahl schwimmen, gibt Jugendtrainerin Petra Focke schon mal mit auf den Weg: "Wir machen hier Urlaub - in Rio de Bendahlo."

Am 9. Juni 1982 wurde Dusan V. - Knast-Spitzname "Mr Dynamit" - als maßgeblicher Bendahl-Bomber verurteilt. Acht Jahre lautete das Strafmaß. V. sitzt immer noch im Gefängnis. Vor fünf Jahren wurde er vom Wuppertaler Landgericht wegen Raubes zu zehn Jahren Haft und anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt.

Das "Engelsgesicht" Giorgio Basile - er soll für zahlreiche Auftragsmorde der Mafia verantwortlich sein - wurde wegen der Freibombung nie verurteilt. Der damals im "Bad Bendahlo" befreite Erzengel "Maglio" starb 1988 in seinem Café in Kalabrien - er wurde erschossen.

Alle Texte der WZ-Serie "Wuppertaler Spitznamen" lesen Sie hier.

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