Teil 2 der WZ-Serie: Im Verbindungsgang zwischen dem Alt- und dem Neubau standen vor nicht allzu langer Zeit noch Eimer – es regnete rein: Rutschgefahr für Stadtmitarbeiter und Gäste.

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Trocken gelegt und nun fit für das 21. Jahrhundert: Die komplett sanierte „Beamtenrutsche“ im Barmer Rathaus – mit doppeltem Handlauf für den Fall der Fälle.

Trocken gelegt und nun fit für das 21. Jahrhundert: Die komplett sanierte „Beamtenrutsche“ im Barmer Rathaus – mit doppeltem Handlauf für den Fall der Fälle.

Andreas Fischer

Trocken gelegt und nun fit für das 21. Jahrhundert: Die komplett sanierte „Beamtenrutsche“ im Barmer Rathaus – mit doppeltem Handlauf für den Fall der Fälle.

Barmen. Im Grunde genommen hat Wuppertal gleich zwei Wahrzeichen: Neben der Schwebebahn ist das der Regenschirm. Und bergischer Regen ist es auch, der dem eigentlich sehr nüchtern gehaltenen Funktionsbauwerk zwischen dem Alt- und Neubau des Rathauses in Barmen zu einem sehr bürgernahen Spitznamen verholfen hat: "Beamtenrutsche" wird der gläserne Tunnel hinter vorgehaltener Hand genannt - in Erinnerung und als Mahnung an (hoffentlich) vergangene Zeiten.

Lange Zeit nämlich regnete es in den Gang hinein. Davon kündete um das Jahr 2005 herum schließlich auch ein spontan installiertes Ensemble aus Absperrungen und Kunststoffeimern, das selbst Joseph Beuys alle Ehre gemacht hätte. Seinerzeit ging es allerdings nicht um ein potenzielles Kunstwerk für das Von der Heydt-Museum im befreundeten Elberfeld, sondern um die Beseitigung einer nicht unerheblichen Rutschgefahr. Sie trägt in erster Linie der rathausinternen Topographie Rechnung: Die Anschluss-Ebene des Altbaus liegt um einiges tiefer als der Zugang zum Neubau, was je nach Perspektive eine nicht unerhebliche Steigung beziehungsweise ein Gefälle mit sich bringt.

Lange Rede, kurzer Sinn: Die Absperrung im glatten Verbindungsgang blieb ein Provisorium und machte einer umfangreichen Sanierung des gläsernen Tunnels Platz. Seitdem handelt es sich bei der "Beamtenrutsche" um eine Überlieferung, die nicht nur im Rathaus für Heiterkeit sorgt.

Wobei es sich an dieser Stelle anbietet, mit einem Mythos aufzuräumen: Im Prinzip müsste die jetzt trocken gelegte aber immer noch recht steile "Beamtenrutsche" nämlich bei Nacht und Nebel im Volksmund umbenannt werden. Denn auf einen Beamten kommen bei der Stadt statistisch gesehen mittlerweile 4,5Angestellte. Ein stattlicher Wert.

Der Spitzname "Angestelltenrutsche" bedient allerdings nicht mehr lieb gewordene Klischees früherer Tage - und lässt sich durch einen anderen Umstand entkräften: Im Rathaus sitzt nach wie vor der größte Anteil an Beamten bei der Stadt Wuppertal, da hier größtenteils noch klassische Verwaltungsaufgaben erledigt werden. Aber: Ausrutschen kann jeder - ganz gleich, welcher Arbeit er oder sie im Rathaus Barmen gerade nachgeht. Und das im wahrsten Sinne des Wortes.

Um die Verbindung zwischen dem alten und dem neuen Rathaus wieder fit für die nächsten Verwaltungsjahrzehnte zu machen, musste das schadhafte Dach beseitigt und der Gang komplett saniert werden - so geschehen vor gut drei Jahren zu Kosten von 360 000 Euro (Archiv-Foto: Uwe Schinkel). Seitdem wirkt die "Beamtenrutsche" heller, freundlicher - und mitunter auch sehr futuristisch. (mel)

Alle Folgen der Serie lesen Sie hier im WZ-Special "Wuppertaler Spitznamen".

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