Alfred Lobers erklärt die Wuppertaler Haushaltsmisere.
Alfred Lobers erklärt die Wuppertaler Haushaltsmisere.

Alfred Lobers erklärt die Wuppertaler Haushaltsmisere.

Archiv

Alfred Lobers erklärt die Wuppertaler Haushaltsmisere.

Wuppertal. Ein paar Monate Tretmühle haben Wuppertals Kämmereileiter Alfred Lobers bereits gezeichnet, aber auf eine merkwürdige Art. Vom schüchternen Bittsteller, der das Haushaltssicherungskonzept (HSK) von Kämmerer Johannes Slawig und Oberbürgermeister Peter Jung (beide CDU) in allerlei Gremien wie Sauerbier verkauft, hat er sich zum eloquenten Conférencier verwandelt, dem ein leicht verschobenes Bedürfnis zur Herzensangelegenheit wurde: darzustellen, dass Bund und Land die Stadt erdrückt und nicht etwa kommunale Politik und Verwaltung das liebe Wuppertal ins Loch gestürzt haben.

Mit genau dieser Stoßrichtung trat Lobers im Schulzentrum Süd vor den SPD-Ortsverein Küllenhahn, Hahnerberg, Südstadt, blieb beharrlich-höflich beim Sie, wo die Genossen sich duzten und teilte doch brüderlich mit ihnen die Widernisse des Abends: streikender Beamer und ein ungeheizter Raum, als sei die Endzeit schon angebrochen. Und dann hob der Meister an: "Es war einmal."

Es war einmal ein Überschuss in der Stadtkasse, und zwar 13,8 Millionen Mark im Haushaltsjahr 1990. Dass dieser Vergangenheit eine durchaus schuldenbelastete Vorvergangenheit vorausgegangen war, strich Lobers, um den aktuellen Fehlbetrag von 222,5 Millionen Euro (neueste Prognose) an die Wand zu malen. Weil er plausibel machen konnte, dass jedem Abwärtsknick in der Bilanzkurve zeitlich mindestens eine Fußangel durch den Bund zuzuweisen ist - Aufbau Ost, Steuerreform, zunehmende Soziallast auf kommunaler Schulter -, hatte Lobers rasch die Genossen auf seiner Seite. Wobei ihm zupass kam, dass der mehrfach scharf attackierte Innenminister Wolf nun mal kein Parteigenosse ist.

Zu hohe Ausgaben werfe das Innenministerium der Stadt vor, zu geringe Einnahmen seien das eigentliche Problem. Was Lobers da sage, stärke dann doch mal das Selbstbewusstsein, resümierte Hans Jürgen Vitenius, auch wenn hier und da geraunt wurde, so manche Baumaßnahme sei vielleicht verzichtbar gewesen. Ebenso schien einigen Genossen nicht einleuchtend, warum ein HSK, das die Pleite lediglich um eines halbes Jahr verzögere, überhaupt angegangen werde. Schließlich sei schon abzusehen, dass Einsparungen im Sozialbereich nur Folgekosten in der Zukunft bedeuten würden.

Lobers hielt derweil das HSK für eine notwendige Willensbekundung an Bund und Land und zog triumphierend aus dem Ärmel, dass Oberbürgermeister Peter Jung und sein Kämmerer Johannes Slawig nun doch immerhin die Phalanx der verarmten Städte bundesweit mit einer Stimme versorgen. "Deswegen haben wir das auch getan", sagte er und meinte das Bauernopfer Schauspielhaus, das schließlich dem Drama ein griffiges Bild verpasst habe. "Den Staatskommissar sehe ich noch nicht", fügte Lobers an. Schließlich würde sich das Land damit nur den Schwarzen Peter freiwillig in die Tasche stecken. Solch bergische Drahtzieherei behagte auch Ex-Dezernent Heinz Theodor Jüchter, dem gar noch schwerere Geschütze einfielen: "Wozu brauchen wir einen Regierungspräsidenten?" Radikale Töne, die daran erinnern, dass Demokratie eine Sache des Volkes ist.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer