Beim Welttheatertag am 27. März protestieren alle Bühnen des Landes gegen das Spardiktat.

Intendant Christian von Treskow (li.) und Holk Freytag vom Deutschen Bühnenverein planen den Aktionstag am 27. März.
Intendant Christian von Treskow (li.) und Holk Freytag vom Deutschen Bühnenverein planen den Aktionstag am 27. März.

Intendant Christian von Treskow (li.) und Holk Freytag vom Deutschen Bühnenverein planen den Aktionstag am 27. März.

Archiv

Intendant Christian von Treskow (li.) und Holk Freytag vom Deutschen Bühnenverein planen den Aktionstag am 27. März.

Wuppertal. Wenn ein Intendant alle Termine absagt und in dringender Mission verreist, gibt es eigentlich nur zwei Möglichkeiten: Entweder braut sich etwas zusammen, das tragisch enden könnte, oder es kündigt sich etwas an, das die Lage entschärfen soll. Christian von Treskow hofft auf die zweite Variante.

"Es wird eine große Sache werden", sagt Wuppertals Schauspiel-Intendant, der sich jetzt schon freut. Dass er gestern nach Berlin reiste, um mit Vertretern des Deutschen Bühnenvereins erste Details zu besprechen, hat einen Grund: Am Welttheatertag soll in Wuppertal ein deutliches Zeichen gesetzt werden. Wie die Intendantengruppe im Bühnenverein beschlossen hat, gibt es am 27. März eine Großkundgebung, mit der gegen die drohende Schließung des Schauspielhauses demonstriert wird. Die ganze Bühnenwelt soll nach Wuppertal schauen.

Alle deutschen Theater wollen deshalb Vertreter ins Bergische Land entsenden. Mit der Abstimmung des Programms wird gerade erst begonnen. Eines aber weiß von Treskow bereits: "Es wird ein richtiges kleines Theaterfestival." Und das nicht nur an einem einzelnen Ort. "Wir wollen zusammen mit allen deutschen Bühnen die ganze Stadt bespielen."

Damit dürfte das Ausmaß der Aktion noch größer sein als beim jüngsten Kultur-Marathon, der am 29. und 30. Januar 24 Stunden lang Zuschauer in Scharen ins Kleine Schauspielhaus gelockte hatte. "So etwas lässt sich nicht wiederholen", betont von Treskow. "Das war gigantisch." Nun wird keine Wiederholung, sondern eine ganz andere Protestform beabsichtigt. Im Gegensatz zum 24-Stunden-Programm, das sich durch "fröhliche Anarchie" ausgezeichnet habe, wird eine "wohl organisierte Veranstaltung" geplant.

Wuppertal als Symbol für allgemeinen Niedergang

"Sie soll darauf hinweisen, wie vielfältig und schützenswert die Bühnen-Landschaft ist." Während die Musik-, Tanz- und Theateroffensive im Kleinen Schauspielhaus "ein Aktionstag für Wuppertal und nicht gegen eine Schließung war", geht es im März um noch Größeres: darum, zu zeigen, dass "das Wuppertaler Schauspielhaus ein Symbol für den drohenden Niedergang einer ganzen Landschaft ist".

1961 schlug das finnische Internationale Theaterinstitut (ITI)einen Welttheatertag vor. Der IX. ITI-Kongress, der im selben Jahr in Wien tagte, stimmte einstimmig zu und proklamierte den alljährlichen Eröffnungstag des Festivals "Theater der Nationen" in Paris, den 27. März, zum Welttheatertag. Schon im ersten Jahr wurde er in gut 100 Ländern gefeiert.

Nach dem Erfolg Ende Januar wird nun darüber nachgedacht, womöglich auch den Welttheatertag die Nacht hindurch zu feiern. Beim Theaterball hingegen, der am 27. Februar in der Stadthalle über die Bühne geht, soll kein demonstratives Zeichen gesetzt werden, wie von Treskow ankündigt. "Dort wollen wir nicht protestieren, dort wollen wir uns präsentieren." Vier Wochen später soll es dafür umso mehr Theater geben.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer