Widerstand gegen Haushaltspläne von allen Seiten. Bürger- und Bezirksvereine: Vorsitzender Wolfgang Baumann warnt in einem Schreiben an die Landesregierung angesichts der dauerhaften Unterfinanzierung der Kommunen vor einem wachsenden Demokratiedefizit in Deutschland.

Immer erfolgreich: das 
Weihnachtsstück (hier: Der Lebkuchenmann aus 2008).
Immer erfolgreich: das Weihnachtsstück (hier: Der Lebkuchenmann aus 2008).

Immer erfolgreich: das Weihnachtsstück (hier: Der Lebkuchenmann aus 2008).

Andreas Fischer

Immer erfolgreich: das Weihnachtsstück (hier: Der Lebkuchenmann aus 2008).

Wuppertal. Der Protest gegen das Sparpaket der Stadt formiert sich jenseits der Politik. Nach den Wohlfahrtsverbänden und der Initiative "Wuppertal wehrt sich" steigen auch die Offenen Türen, die Bürgervereine und die Theaterfreunde in den Ring:

Bürger- und Bezirksvereine: Vorsitzender Wolfgang Baumann warnt in einem Schreiben an die Landesregierung angesichts der dauerhaften Unterfinanzierung der Kommunen vor einem "wachsenden Demokratiedefizit" in Deutschland. Die kommunale Selbstverwaltung sei faktisch abgeschafft.

"Die Verantwortung für das Finanzdesaster Wuppertals tragen Bund und Land mit einer seit 20 Jahren andauernden Unterfinanzierung. Ministerpräsident Rüttgers haben die Finanzprobleme bisher nicht interessiert", schreibt Baumann. Werde diese Politik fortgesetzt, sei Rüttgers von Wuppertalern nicht mehr wählbar. Eine Reaktion auf sein Schreiben hat Baumann bisher nicht erhalten.

Jugendarbeit: Der Arbeitskreis Offene Türen setzt sich für einen "uneingeschränkten Erhalt der Offenen Kinder- und Jugendarbeit" ein. Die meisten Träger der Jugendzentren leisteten bereits einen sehr hohen und kaum aufzubringenden Eigenanteil zur Finanzierung der Arbeit. Würden weitere Kürzungen vorgenommen, könne dies unabsehbare Folgen zu Lasten der Wuppertaler Kinder und Jugendlichen sowie deren Familien haben.

Theaterfreunde: Der Förderverein ist durch die Pläne, das Schauspielhaus an der Kluse ab 2012 zu schließen, unmittelbar betroffen. Die Theaterfreunde haben sich mit 50 Prozent an der Finanzierung der dort untergebrachten Kleinen Spielstätte beteiligt.

Ein Aktionstag der Wuppertaler Bühnen beginnt am 29. Januar mit einem 24-Stunden-Programm. Schwerpunkt ist am 30. Januar ab 15 Uhr auf einer Außenbühne vor dem Schauspielhaus mit Musik- und Redebeiträgen der Bühnen und Wuppertaler Initiativen.

Die Theaterfreunde untermauern ihre Forderung, das Sprechtheater zu erhalten, mit Zahlen. Ausgewertet wurden die Spielzeiten von 2003/2004 bis 2008/2009. Dies entspricht dem Zeitraum, in dem den Wuppertaler Bühnen nur eine große Spielstätte zur Verfügung stand. Demnach gab es im Schauspiel-Bereich pro Saison durchschnittlich zehn Neuinszenierungen, 154 Aufführungen und 42.740 Besucher, in der Sparte Oper/Operette fünf Neuproduktionen, 49Vorstellungen und rund 23.000 Zuschauer sowie 16Musical-Abende mit insgesamt 9180 Gästen.

"Aus den Zahlen geht hervor, dass die gefährdete Sparte Schauspiel mit rund 43.000 Besuchern pro Spielzeit das größte Zuschauerinteresse findet", betont der Vorstand der Theaterfreunde. Das dortige Fazit lautet deshalb: "Ein reines Musiktheater mit einer derzeitigen Ensemblestärke von acht Personen, 6 Neuinszenierungen (Oper und Musical zusammengerechnet), 65 Aufführungen und 32.000 Zuschauern pro Spielzeit zu erhalten, ist nach unserer Auffassung schwer vorstellbar und möglicherweise kaum zu vertreten."

Vorsitzender Günter Völker untermauert in einem Schreiben an die Mitglieder die Forderung, das Sprechtheater zu erhalten und befürchtet einen herben Verlust für die Theaterlandschaft in Deutschland. Die Bühnen selbst schwanken zwischen Verunsicherung und Widerstand. "Natürlich drückt die Ungewissheit. Andererseits ist sie auch ein großer Motivator", sagt zum Beispiel Sven Kleine, Dramaturg der Wuppertaler Bühnen.

 

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer