Schülertal: An der Astrid-Lindgren-Schule in Vohwinkel spielt eine Mädchenmannschaft begeistert Fußball. Fairplay ist das Wichtigste.

Wuppertal. Das Fußball-Herz eines jeden Wuppertalers schlägt für den WSV. Verliert der Heimatverein, pocht das Fan-Herz vor Traurigkeit freudlos-langsam - heimst der aber einen Sieg ein, rast das Herz wie einst Schumis Weltmeister-Ferrari.

Dieses Wechselbad der Gefühle kennen auch die zehn Nachwuchsfußballerinnen der Astrid-Lindgren Schule - schließlich sind sie Fan der Rot-Blauen. In einer "La Ola-Welle" der Fußball-Euphorie während der Weltmeisterschaft 2006 pochten die Nachwuchskickerinnen darauf, eine Schulmannschaft zu gründen. Die Astrid-Lindgren-Förderschule in Vohwinkel gehört mit diesem Projekt zu den Gewinnern des Wettbewerbs SchülerTal von Bayer AG und WZ.

Dabei bedeutet den Mädchen Fußball weit mehr als Eckstoß, Elfmeter oder Abseitsregel - im Sport "unter sich" legen sie ihr Handicap in der Umkleide ab und haben sportlichen Erfolg. "Die Mädels kämpfen und erfahren Anerkennung", sagt Lehrerin Tanja Brandt. Und sie lernen, dass sich Anstrengung und Teamgeist lohnen. "Diese Erfahrung können sie auf ihren Alltag projizieren", sagt die Pädagogin, die für das Projekt eigens Fußball-Lehrgänge im Duisburger Wedau-Stadion absolvierte.

Dass sie als Team Kampfgeist haben, beweisen die Fußballerinnen ein Mal pro Woche in der Turnhalle. Carmen ist Torfrau, aus Leidenschaft. Breitschultrig baut sie sich vor den Pfosten auf, lässt den Ball nicht eine Sekunde aus den Augen. Ein Scheppern ist zu hören, als Hatice das Leder an die Hallendecke schießt - noch aus der Luft nimmt sie es wieder mit rechts an, stoppt und zielt aufs Tor. Carmen wirft sich in die Ecke, setzt eine spektakulären Parade dagegen - Sportlerglück.

Klar ist: Die Mädchen genießen es, ohne Jungen Sport zu treiben. "Unter Mädchen macht Fußball viel mehr Spaß", sagt Lea und Laura stimmt mit ein: "Die Jungs ballern eh nur mit aller Kraft auf uns drauf, was weh tut."

Die Mädchen-Fußballmannschaft ist schon bei mehreren Turnieren erfolgreich angetreten: beim WSV-Fanprojekt "Kick racism out" oder beim "Zicken-Kicken" der Wuppertaler Förderschulen. Zwei Mal stand sie als Drittplatzierte auf dem Siegertreppchen.

Trainerin Brandt feuert die Nachwuchsfußballerinnen an: "Jetzt noch ein Angriff", ruft sie und pfeift zum Abstoß. Sabrina dribbelt den Ball in die gegnerische Spielhälfte. Plötzlich: Laura grätscht dazwischen, wagt einen Fernschuss - Tor.

Laut der Spielphilosophie der Mädchen-Mannschaft ist die beste Spielerin allerdings nicht diejenige mit der besten Ballkontrolle - vielmehr kommt es auf Fairplay an. Und nur, wer sich im Schulalltag an Regeln hält, hat die Chance, auf dem Platz aufzulaufen. "Seither streiten wir uns weniger als früher", stellt Hatice fest.

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