1. Preis Grundschulen: Zu viele Kinder bewegen sich viel zu wenig: Die Folgen sind Übergewicht und gesundheitliche Probleme. Die Sportklasse Küllenhahn setzt mit einem herausragenden Projekt dagegen – und das alles freiwillig.

Gleich geht’s wieder ab ins Becken: Die Schwimmer-Klasse der Grundschule Küllenhahn mit (hinten von rechts): Klassenlehrerin Gisela Ackermann, Schulleiterin Eva Hannert-Himmen und Ralf Beckmann von der Stadt Wuppertal.
Gleich geht’s wieder ab ins Becken: Die Schwimmer-Klasse der Grundschule Küllenhahn mit (hinten von rechts): Klassenlehrerin Gisela Ackermann, Schulleiterin Eva Hannert-Himmen und Ralf Beckmann von der Stadt Wuppertal.

Gleich geht’s wieder ab ins Becken: Die Schwimmer-Klasse der Grundschule Küllenhahn mit (hinten von rechts): Klassenlehrerin Gisela Ackermann, Schulleiterin Eva Hannert-Himmen und Ralf Beckmann von der Stadt Wuppertal.

Andreas Fischer

Gleich geht’s wieder ab ins Becken: Die Schwimmer-Klasse der Grundschule Küllenhahn mit (hinten von rechts): Klassenlehrerin Gisela Ackermann, Schulleiterin Eva Hannert-Himmen und Ralf Beckmann von der Stadt Wuppertal.

Wuppertal. Es ist noch dunkel, als Dutzende kleine Kinderfüße über die kalten Fliesen des Schwimmleistungszentrums auf Küllenhahn trippeln. Obwohl die meisten der sechs bis acht Jahre alten Grundschüler um diese Zeit noch in ihren warmen Betten liegen könnten, stehen sie seit eineinhalb Jahren freiwillig eine Stunde früher auf. Der Grund: Sie treiben Sport - und zwar, bevor der eigentliche Unterricht beginnt.

"Täglich im Pool - das ist cool", heißt das Pilotprojekt der Küllenhahner Grundschule, mit dem sie die Jury des ersten Wuppertaler Schulpreises überzeugt und Platz 1 in der Gruppe der Grundschulen belegte.

Zu Beginn war das Projekt durchaus ein Wagnis, erklärt Schulleiterin Eva Hannert-Himmen: "Es war völlig unklar, ob alle Schüler und ihre Eltern auch wirklich dauerhaft mitziehen." Denn der eine halbe Stunde dauernde Schwimmunterricht findet zusätzlich zum normalen Unterricht statt. "Das war gerade anfangs eine deutlich höhere Belastung für die Schüler", weiß Eva Hannert-Himmen.

Schule konnte sich vor Anmeldungen kaum retten

Trotzdem konnte sich die Schule, die das Projekt mit Beginn des ersten Schuljahres in einer von zwei Klassen gestartet hatte, vor Anmeldungen kaum retten. Die Nachfrage war so groß, dass am Ende sogar ausgelost werden musste.

Mittlerweile sind die Grundschüler in der zweiten Klasse, und noch ist kein Kind abgesprungen. Das mag auch daran liegen, dass sich das freiwillige Engagement bereits jetzt ausgezahlt hat. "Die Kinder sind viel ruhiger geworden und konzentrieren sich besser", erklärt Klassenlehrerin Gisela Ackermann.

Grundschule Germanenstraße für das Projekt "Altgold und Jungblut": Ein Jahr lang haben die Schüler die Senioren in einer Begegnungsstätte des Stadtteils besucht und sind mit ihnen auf Spurensuche gegangen. Gemeinsam haben sie persönliche Briefe gelesen und Lebensläufe studiert. Das Ganze wurde begleitet durch Werkstatt-Tage und Unterrichtseinheiten.

Sankt-Michael-Schule Städtische Katholische Grundschule Leipziger Straße für das Projekt "Rücken Kult-Tour": Wie in vielen anderen Einrichtungen gibt es vielfältige Bewegungsangebote an der Schule, darunter aber auch eine Rückenschule in den 3. und 4. Klassen. Das Konzept hat auch Lehrer und Eltern schulisch mit eingebunden.

Offene Ganztagsgrundschule Liegnitzer Straße für das Projekt Schulgarten: Schulgärten gibt es viele, aber keiner hat es so schwer wie der Grundschule Liegnitzer Straße. Der Schulgarten wurde von Eltern und Schülern errichtet, aber wiederholt zerstört. Trotzdem haben die Beteiligten den Schulgarten wieder aufgebaut.

Gemeinschaftsgrundschule Friedhofstraße für das Projekt Kinderkonferenz: Die Kinderkonferenz ist ein herausragendes Beispiel für erfolgreiches Konfliktmanagement. Die Kinderkonferenz tagt einmal in der Woche zu festen Zeiten und beschäftigt sich mit der Lösung von Problemen und Bedürfnissen der Schüler.

Gemeinschaftsgrundschule Hütterbusch für das Projekt Schulorchester: Das Schulorchester an der Grundschule Hütterbusch besteht als AG in der offenen Ganztagsbetreuung seit diesem Schuljahr. Im Gegensatz zu anderen musischen Angeboten treffen sich in Cronenberg 20 Schüler jeden Montag um 14 Uhr, um zu musizieren und als Orchester gemeinsam aufzutreten.

Und auch wer die schwimmbegeisterten Schüler nicht im Schulalltag erlebt, dem fällt sofort ein ganz wichtiges Detail auf: Keines der Kinder hat Übergewicht. Gründe genug, das Projekt noch bis zum Ende des vierten Schuljahres fortzusetzen.

Flankiert wird die Aktion von regelmäßigen Ernährungsinfos im Unterricht, in denen die Schüler beispielsweise lernen, wie ein gesundes Frühstück aussieht. "Nur Sport allein reicht eben doch nicht", so die Klassenlehrerin.

Viele Schwimmabzeichen in Gold und Silber

Die Idee zu dem Projekt stammt übrigens von Ralf Beckmann, Schwimmsportreferent der Stadt Wuppertal. "Wer sich früh daran gewöhnt, sich regelmäßig zu bewegen, der verlernt das auch später nicht mehr", lautet seine Philosophie, mit der er an die Grundschule Küllenhahn herantrat und dort sofort auf offene Ohren stieß.

Die Schüler jedenfalls freut es. Viele von ihnen haben bereits die Schwimmabzeichen Gold oder Silber gemacht, alle können Rückenschwimmen und Kraulen. Trotzdem geht es nicht allein um die Leistung, der Spaß steht immer im Vordergrund.

"Am Ende dürfen wir immer noch ein bisschen spielen", erklärt der acht Jahre alte Nick begeistert, bevor er wieder zu seinen Freunden ins Wasser springt, wo er nach Ringen taucht und Handstand übt.

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