Die öffentlich geförderte Kulturszene Wuppertals erinnert in diesen Tagen an eine Trümmerlandschaft. Die Lichtgestalt Kamioka ist entzaubert. Sein Versuch, ein Diener vieler Herrn zu sein, scheiterte zu Recht. Denn es ist kein guter Plan, mitten in der Saison für zwei Monate zu verschwinden, weil in Japan eine womöglich lukrative, honorable Aufgabe lockt. Dennoch ist es sehr bedauerlich, dass Wuppertal einen Dirigenten wie Kamioka verliert.

Seine Demission setzt Oberbürgermeister Peter Jung (CDU) unter Druck. Er muss Sorge dafür tragen, dass das A-Orchester dieser Stadt wieder einen erstklassigen Leiter bekommt. Und die Oper braucht einen Intendanten, der mit den veränderten Rahmenbedingungen umzugehen weiß, ohne sich von alten Kumpeln abhängig zu machen und überfordert zu sein.

Mindestens ebenso schwer wiegt der Fehlstart des Schauspielensembles. Dem teils arroganten Naserümpfen einiger Kulturbeflissener über die „Schöne Müllerin“ folgen nun mangels Nachfrage Absagen von Familienstücken. Sie waren früher die Renner im Programm. Der Verweis von Bühnengeschäftsführer Enno Schaarwächter auf ein „Experiment“ ist nicht viel mehr als ein netter Versuch, von der Verunsicherung einiger Wuppertaler Schauspielfreunde abzulenken.

Die öffentlich geförderte Kultur braucht dringend einen Neustart. Sie braucht eine Perspektive, damit nicht die unheilvolle Debatte darüber beginnt, warum es öffentlich geförderte Kultur überhaupt noch gibt. Denn die Antwort auf diese Frage liegt auf der Hand: Weil Wuppertal ohne Orchester, Oper und ein Schauspiel, das nicht immer in erster Linie auf Kartenverkauf schielen muss, viel, viel ärmer wäre.

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