Gerd Niemeyer und seine Frau Dagmar haben das Gebäude an der Lüttringhauser Straße sanieren lassen.

Ronsdorf
Gerd Niemeyer, Tilman Rönneper und Jörg Altemann (v.l.) im ehemaligen Raum für die Postschließfächer.

Gerd Niemeyer, Tilman Rönneper und Jörg Altemann (v.l.) im ehemaligen Raum für die Postschließfächer.

Bis in die 30er-Jahre schmückte noch ein Türmchen das Postgebäude, wie auf dieser alten Postkarte zu sehen ist.

Uwe Schinkel, Bild 1 von 2

Gerd Niemeyer, Tilman Rönneper und Jörg Altemann (v.l.) im ehemaligen Raum für die Postschließfächer.

Ronsdorf. Für viele Ronsdorfer wird das Gebäude an der Lüttringhauser Straße noch lange einfach „die alte Post“ bleiben. „Gestern kam hier noch eine Dame rein und wollte Briefmarken kaufen“, erzählt Gerd Niemeyer mit einem Schmunzeln. Die gibt’s dort aber bereits seit Oktober 2010 nicht mehr. Damals schloss die Deutsche Post ihre Filiale und das Denkmal stand leer – bis auf die Briefsortieranlage im ersten Obergeschoss. Und im Stadtteil herrschte Sorge, dass der Bau aus dem Jahre 1893 verfallen könnte.

Serie: Leben im Denkmal (17)

Gerd Niemeyer dürfte den Ronsdorfern aber diese Sorge genommen haben. Mitte vergangenen Jahres erwarb der Ronsdorfer Anwalt gemeinsam mit seiner Frau Dagmar – „Wir sind Altbaufans“ – die alte Post. „Viele wollte wissen, was sich hier tut“, erinnert sich der 58-Jährige. Nach gut einem halben Jahr aufwändiger Sanierung kann sich das Ergebnis sehen lassen – und von der früheren Nutzung ist kaum noch etwas zu erkennen. Insgesamt rund 850 Quadratmeter stehen für Büros zur Verfügung.

„Den Lastenaufzug haben wir natürlich erhalten“, sagt Niemeyer bei einem Rundgang. Ansonsten wurde der Bau aber komplett entkernt. „Kein Stein blieb auf dem anderen“, so Niemeyer, der mit seinen Partnern Tilman Rönneper und Jörg Altemann im Erdgeschoss eine Anwaltskanzlei betreibt. In der ehemaligen Postschließfachhalle – jetzt der Eingangsbereich der Kanzlei – wurde ein neues Treppenhaus eingezogen, zugemauerte Fenster wieder aufgebrochen. Die Eingangstür zeigt noch den markanten Rundbogen der früheren Post.

Der frühere Eingang von der Lüttringhauser Straße in die Schalterhalle wurde dagegen geschlossen und in ein Fenster umgebaut. „Trotzdem weisen noch zwei Treppenstufen auf die ehemalige Nutzung hin“, erklärt Niemeyer. In der ersten Etage, wo bis Juli 2012 die Sortieranlage in Betrieb war, wird noch kräftig gearbeitet. Am 1. März wird dort auf rund 150 Quadratmetern eine Praxis aus dem Gesundheitswesen einziehen. Erreichbar übrigens auch über das alte Treppenhaus. Das führt auch in die ehemalige Dachgeschosswohnung, die ebenfalls in Büroräume umgebaut werden soll. „Auch hierfür gibt es bereits erste Interessenten“, sagt Niemeyer, der dort etwa 300 Quadratmeter Büroflächen vermieten will. Allein 7,2 Kilometer Kabel wurden im gesamten Bau verlegt, um für eine optimale EDV-Ausstattung zu sorgen.

Gerne zeigt Niemeyer aber auch die historischen Bestandteile wie den eindrucksvollen Dachboden. „Sogar die Flaggenhalterung ist noch erhalten.“ Denn wenn einst hoher Besuch nach Ronsdorf kam, wurde natürlich an der Post geflaggt.

Die ehemalige Post ist eins der wenigen Gebäude in der Ronsdorfer „City“, das die Bombenangriffe im Zweiten Weltkrieg nahezu unbeschadet überstanden hat. 1893 war das Postamt von der Stadt Ronsdorf erbaut worden und erst später in den Besitz der Post übergegangen. Seit November 2010 gibt es in direkter Nachbarschaft des alten Postgebäudes eine neue Postfiliale.

Aufgabe der Posthalterei war es, Personen und Pakete vom Stadtzentrum zum Bahnhof zu bringen – bis ins 20. Jahrhundert hinein mit der Pferdekutsche.

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