Im Bergischen hat die Nutzung der Wasserkraft Tradition. Ist sie ein Baustein der Energiewende?

Ein Trinkwasser- und Stromlieferant: Blick auf die Wuppertalsperre. Hier wird seit 1987 Wasserkraft genutzt. Die bestehende Anlage könnte technisch aufgerüstet werden.
Ein Trinkwasser- und Stromlieferant: Blick auf die Wuppertalsperre. Hier wird seit 1987 Wasserkraft genutzt. Die bestehende Anlage könnte technisch aufgerüstet werden.

Ein Trinkwasser- und Stromlieferant: Blick auf die Wuppertalsperre. Hier wird seit 1987 Wasserkraft genutzt. Die bestehende Anlage könnte technisch aufgerüstet werden.

Im Manuelskotten am Kaltenbach wird die historische Nutzung der Wasserkraft bis heute veranschaulicht. Dieses Bild entstand bei einem Mühlentag.

Wupperverband, Bild 1 von 2

Ein Trinkwasser- und Stromlieferant: Blick auf die Wuppertalsperre. Hier wird seit 1987 Wasserkraft genutzt. Die bestehende Anlage könnte technisch aufgerüstet werden.

Wuppertal. Lassen sich Flüsse wie die Wupper in Zukunft stärker einspannen, wenn es darum geht, sich auf Dauer von der Atomkraft und von fossilen Energieträgern zu verabschieden? Im Bergischen Land hat die Nutzung der Wasserkraft eine lange Tradition, die bis heute nachwirkt – aus Sicht von Experten aber auch dazu verleiten kann, in Zeiten des Umbruchs die falschen Schlüsse zu ziehen.

Energiewende in Wuppertal (7)

Tatsache ist, dass die Wupper in Zeiten der Industrialisierung eng mit der wirtschaftlichen Entwicklung der ganzen Region verzahnt war – als Wasserlieferant ebenso wie als Energiequelle beim Betrieb von Mühlen, Hammerwerken und Schleifkotten. Zur Sache ging es an der Wupper aber nicht nur mit dem Antrieb von Wasserrädern: „Um das Jahr 1950 gab es alleine im unteren Lauf der Wupper zwischen Cronenberg und der Rheinmündung etwa 30 Wasserkraftanlagen, die der Stromerzeugung dienten“, erklärt Thorsten Luckner, beim Wupperverband verantwortlich für die Nutzung regenerativer Energien.

Wasserkraft-Anlagen aufrüstbar – neue Standorte fraglich

Beim Thema Wasserkraft ist der Verband mit seinen großen Anlagen – insbesondere an der Wuppertalsperre – „Platzhirsch“ in der Region, neben einer Reihe privater Betreiber und zum Beispiel auch den Wuppertaler Stadtwerken, die unter anderem in Herbringhausen ein solches System für sich arbeiten lassen (siehe Info-Kasten). In der Pipeline hat der Wupperverband eine neue Anlage an der Großen Dhünntalsperre, die der Bezirksregierung in absehbarer Zeit zur Genehmigung vorliegt: Im Entnahmeturm dieser Trinkwassertalsperre soll eine Anlage mit einer elektrischen Leistung von 280 Kilowatt installiert werden. Außerdem prüft der Verband, inwieweit das System an der Wuppertalsperre im Rahmen eines so genannten „Re-Powerings“ technisch aufgerüstet und damit auf einen neuen Stand gebracht werden kann.

Richtlinien und Ökologie grenzen die Möglichkeiten ein

Und genau hier aus Luckners Sicht noch Potenzial entlang der Wupper: Beim „Re-Powering“ geht es um die Modernisierung bereits bestehender Standorte – wie sie auch bei Windkraftanlagen in den Blick rückt, die mittlerweile auch gut 20 Jahre auf dem Buckel haben. „Hier lassen sich bestehende Systeme technisch und aus betriebswirtschaftlicher Sicht noch optimieren.“ An der Wuppertalsperre wolle man einen „Plan B in der Tasche haben“, um diese Anlage in absehbarer Zeit auf einen neuen Stand bringen zu können.

Deutschland steht vor einer neuen industriellen Revolution

Tatsache ist aber auch, dass die Möglichkeiten, die Wasserkraftnutzung an der Wupper jenseits der Talsperren auszubauen, technisch, wirtschaftlich, ökologisch und rechtlich äußerst begrenzt sind: So genannte Querbauwerke im Fluss zu errichten, untersagt alleine schon die Europäische Wasserrahmen-Richtlinie. Auch die Wupper muss für ihre natürlichen Bewohner durchgängig bleiben. Luckner: „Ganz so einfach ist die Sache also nicht, und die Möglichkeiten bei der Wasserkraft sind in weiten Teilen ausgereizt.“ Jenseits dessen steht der Wupperverband grundsätzlich auch mit den Stadtwerken in Verbindung, wenn es um den Ausbau der Wasserkraft bei gemeinsamen Projekten geht. „Wir nehmen den Flusslauf jetzt noch einmal unter die Lupe.“ Mit Blick auf den geplanten Atom-Ausstieg und den Rückgriff auf regenerative Energien ist allerdings auch für Luckner eines klar: „Wir stehen in Deutschland vor einer industriellen Revolution.“

Diese Anlage ist seit 1987 in Betrieb, hat eine Kapazität von 1,25 Megawatt und liefert fünf bis sieben Millionen Kilowattstunden.
 

Diese Anlage des Wupperverbandes liefert zwei Millionen Kilowattstunden und verfügt über eine große und eine kleine Turbine, um die Wasserkraft je nach Wassermenge optimal nutzen zu können.
 

Hier betreibt der Wupperverband jeweils eine Anlage. Die Anlage an der Lingesetalsperre hat eine Leistung von 30 Kilowatt beziehungsweise einen Jahresenergie-Ertrag von etwa 145 000 Kilowattstunden. Die Anlage an der Brucher Talsperre ist auf Erzeugung etwa 75 000 Kilowattstunden bei einer Anschlussleistung von zehn Kilowatt ausgelegt.
 

Dort läuft eine Schulungsanlage des Wupperverbandes in Zusammenarbeit mit der Erich-Fried-Gesamtschule – bei einer Kapazität von 1,5 Kilowatt.
 

Die Anlagen dort betreiben die WSW, wurden 2004 und 2006 in Betrieb genommen und erzeugen im Jahr 450 000 Kilowattstunden beziehungsweise 650 000 Kilowattstunden Strom.
 

Die Wasserkraftanlage Beck wurde 1999 in Betrieb genommen und bringt es nach Angaben des Wupperverbandes auf eine Leistung von 540 Kilowatt – und ist ein Beispiel für Wasserkraftanlagen entlang der Wupper in privater Hand.
 

Und einer ihrer Bausteine ist – global gesehen – die Wasserkraft. Hierbei richtet sich der Blick neben der Optimierung der klassischen Wasserkraftanlagen nun auch auf die Nutzung des Stromspeicherpotentials der Wasserkraft in sogenannten Pumpspeicherkraftwerken. Luckner: „Aber das ist nur im Schulterschluss zu schaffen.“

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