Ortstermin zwischen Ottenbruch und Mirke: Während die einen diskutieren, pflastern die anderen die Nordbahntrasse.

Elberfeld
Bei der Arbeit: Ein Bautrupp des Wichernhauses auf der Nordbahntrasse – fotografiert zwischen dem „Tanztunnel“ Dorrenberg und der Brücke Briller Straße. Unterdessen wird weiter über das Bautempo diskutiert. Die benachbarten Asphaltarbeiten übernimmt nach der Pflasterung eine Fachfirma.

Bei der Arbeit: Ein Bautrupp des Wichernhauses auf der Nordbahntrasse – fotografiert zwischen dem „Tanztunnel“ Dorrenberg und der Brücke Briller Straße. Unterdessen wird weiter über das Bautempo diskutiert. Die benachbarten Asphaltarbeiten übernimmt nach der Pflasterung eine Fachfirma.

Andreas Fischer

Bei der Arbeit: Ein Bautrupp des Wichernhauses auf der Nordbahntrasse – fotografiert zwischen dem „Tanztunnel“ Dorrenberg und der Brücke Briller Straße. Unterdessen wird weiter über das Bautempo diskutiert. Die benachbarten Asphaltarbeiten übernimmt nach der Pflasterung eine Fachfirma.

Wuppertal. Geht es auf der Nordbahntrasse in Elberfeld schnell genug voran? Diese Frage sorgt an diesem Nachmittag auf der Baustelle vor allem für eines: Stirnrunzeln unter Helmen und Mützen. Hier geht es nur um Meter. Eigentlich.

„Ich bin auch hier draußen, wenn ich Ohrenschmerzen habe.“

Trassenbauer am Briller Kreuz

Vom Dauerstreit um die Trasse unbeeindruckt, arbeiten beim – nicht angekündigten – Ortstermin der WZ mehrere Bautrupps des Wichernhauses an den Pflasterstreifen. „Ich bin auch hier draußen, wenn ich Ohrenschmerzen habe“, sagt einer der Männer und stützt sich dabei auf seine Schaufel. „Die Trasse muss vernünftig werden. Die Leute, die hier vorbeilaufen, sind meistens freundlich und fragen uns, wie es hier läuft.“

Auch zwischen den Bahnhöfen Mirke und Ottenbruch ist die Trasse schon vor den Asphaltarbeiten begeh- und befahrbar – und das hoch gelegene Pflasterband lässt erahnen, wie massiv und unter welchem Aufwand der Rad- und Wanderweg hier angelegt wird – nicht zuletzt im Vergleich zur Sprockhöveler Trasse.

An diesem Nachmittag wird in Höhe des Briller Kreuzes gepflastert – entlang der Randstreifen in Millimeterarbeit. 200 Quadratmeter Fläche sollen bis zum Feierabend geschafft sein. Hinter dem „Tanztunnel“ am Dorrenberg setzt sich das Pflasterband nahtlos fort, und damit auch die Baustelle. Hier werden an diesem Nachmittag auch Baumschnittarbeiten erledigt, während sich eine unerschrockene Nordic-Walkerin an einem Lkw der Trassenmeisterei vorbeiarbeitet.

„Hier ist in den vergangenen Wochen viel geschimpft worden.“

Spaziergänger auf der Tasse

Und auch das ist auf der Baustelle immer wieder zu hören: Wer es besser wisse, der könne ja gerne einmal einen Tag lang mit anpacken auf der Trasse. „Die Arbeit hier draußen geht in die Knochen. Ich habe zwei Jahre lang von Hartz IV gelebt und bin froh, dass mir zu Hause die Decke nicht mehr auf den Kopf fällt“, sagt ein Trassenbauer.

„Auf meine Leute lasse ich nichts kommen“, fügt ein Vorarbeiter mit Blick auf den Streit hinzu. Sein ernster Blick lässt keine Fragen offen, wenn auf der Nordbahntrasse wieder einmal Welten aufeinanderprallen: Insgesamt 25 Mann sind hier im Einsatz und verdienen 1,50 Euro die Stunde – zusätzlich zu ihren Sozialleistungen. „Und wir arbeiten bei jedem Wetter.“ Zu den langfristigen Aufgaben des sogenannten zweiten Arbeitsmarktes gehört außerdem der Betrieb der Trassenmeisterei, die den Weg auf Dauer in Schuss hält.

„Hier ist in den vergangenen Wochen viel geschimpft worden“, sagen zwei Spaziergänger. Eine Zufallsbegegnung, typisch Wuppertal: Neben Gudrun Kolbe ist an diesem Nachmittag auch Fledermaus-Experte Reinald Skiba auf der Trasse unterwegs: „Die Bruchsteine, mit denen die Löcher im Tunnel Dorp versehen wurden, sind ideal für Vögel und Fledermäuse“, konstatiert Skiba. „Wer immer das angelegt hat, er hat sehr gute Arbeit geleistet. Das muss man auch mal sagen.“

Skiba und Kolbe sind auf der Trasse unterwegs, um Exkursionen des Naturwissenschaftlichen Vereins für das Frühjahr zu planen. Dass die Nordbahntrasse erst 2018 fertig ist, wie der ADFC es prophezeit, glauben sie nicht. Unterdessen betont der Fahrradclub, dass seine Kritik nicht den Bautrupps selbst gelte, sondern der Baustellenplanung unter Federführung der Stadt: Man könne längst viel weiter sein.

Für Diskussionen und offene Briefe fehlt an diesem Nachmittag auf der Trasse selbst die Zeit: Vom baufälligen Bahnhof Mirke aus rollt der nächste Lkw zur Baustelle. Geladen hat er keine Erklärungen. Nur Pflastersteine.