Kämmerer Johannes Slawig ist auch Aufsichtsrat der Stadtwerke. Die Investition in ein Kohlekraftwerk findet er in Ordnung.

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Johannes Slawig: „Beteiligung an einem Kohlekraftwerk ist sehr sinnvoll.“ (Archiv

Johannes Slawig: „Beteiligung an einem Kohlekraftwerk ist sehr sinnvoll.“ (Archiv

Uwe Schinkel

Johannes Slawig: „Beteiligung an einem Kohlekraftwerk ist sehr sinnvoll.“ (Archiv

Herr Slawig, weshalb ist der Gaspreis der Wuppertaler Stadtwerke in diesem Jahr knapp 400 Euro teurer für eine Durchschnittfamilie als noch 2005, obwohl doch der Ölpreis niedriger ist?

Slawig: Der Preis ist deswegen höher, weil in dieser Zeit andere Kosten, wie Personal- und Sachkosten, gestiegen sind. Zudem ist die Mehrwertsteuer von 16 auf 19 Prozent erhöht worden.

Bei einem durchschnittlichen Gasverbrauch von 20 000 Kilowattstunden im Jahr, etwa für eine Familie, bedeutet das einen Preisanstieg von knapp 30 Prozent.

Es gibt eben außer dem Ölpreis noch andere Kostenentwicklungen, wie etwa Tariferhöhungen, weswegen die Personalkosten gestiegen sind.

Ist es nicht so, dass die Stadtwerke höhere Gewinne machen müssen, um ihre neuen Anteilseigner zu befriedigen?

Nein, das hat damit überhaupt nichts zu tun. Es gibt keinen Druck von Seiten GdF Suez, höhere Gewinne auszuweisen, und die Stadt erhält ja gar keine Gewinnausschüttung, die Überschüsse bleiben in dem Unternehmen, um den öffentlichen Nahverkehr zu finanzieren.

Der Wuppertaler Nahverkehr braucht im Jahr etwa 45 Millionen Euro. Das Geld bringen die Gas- und Stromkunden auf. Ist das nicht eine unzulässige Quersubventionierung?

Nein, das ist nicht unzulässig. Die Stadt verzichtet in ihrer Eigenschaft als Eigentümerin auf die Gewinnausschüttung. Die Überschüsse bleiben im Unternehmen, werden dort steuerlich begünstigt und im Rahmen der Querverbundes mit den Verlusten des Nahverkehrs verrechnet.

Die Stadt Wuppertal hat ein strukturelles Defizit in Höhe von zirka 145 Millionen Euro, verzichtet aber auf 45 Millionen Euro Stadtwerke-Gewinne. Wie geht das?

Das ist zulässig, weil die Stadtwerke mit ihren Überschüssen aus der Versorgung die Verluste im Nahverkehr finanzieren. Würde die Stadt sich die Gewinne ausschütten lassen, müsste die Stadt die Verluste im Nahverkehr aus dem Haushalt ausgleichen. Zudem würden die ausgeschütteten Gewinne dann versteuert. Die Verrechnung von Gewinnen und Verlusten im Rahmen des Querverbundes ist dagegen steuerfrei.

"Stadtwerke liegen im mittleren Preissegment"

Im Rahmen eines Querverbundes, der ja gegründet worden ist, um die EU-Gesetzgebung , die eine solche Subventionierung verhindern soll, auszuhebeln, oder?

Nein, der steuerliche Querverbund ist schon viel älter und hat immer dazu gedient, Gewinne und Verluste steuerfrei zu verrechnen.

Aber das erklärt, warum die Stadtwerke teurer sind als andere Anbieter. Eben, weil sie den Wuppertaler Nahverkehr finanzieren müssen?

Nein, wenn man den Vergleich mit anderen Anbietern unternimmt, dann liegen die Wuppertaler Stadtwerke im mittleren Preissegment und können sich gegen andere Anbieter durchaus behaupten. Sie sind auch effizient aufgestellt. Wir lassen die Überschüsse im Unternehmen und finanzieren damit den Nahverkehr, während andere Unternehmen ihre Gewinne ausschütten

Es gibt aber doch auch viele Anbieter, die erheblich billiger als die Wuppertaler Stadtwerke sind?

Ja, das will ich gar nicht bestreiten, Es gibt aber auch wesentlich teurere Anbieter. Die Stadtwerke finanzieren Aufgaben der Daseinsvorsorge in Wuppertal. Das ist ein guter Grund, Kunde der Stadtwerke zu bleiben.

Was würden Sie machen, wenn mehr Wuppertaler Kunden den Stadtwerken den Rücken kehren, um zu sparen?

Ich würde mir große Sorgen machen und eine öffentliche Kampagne starten, damit den Bürgern deutlich wird, welche Bedeutung die Stadtwerke für die Daseinsvorsorge in dieser Stadt haben.

Die Stadtwerke wollen ein Darlehen aufnehmen, um eine geforderte Beteiligung bei GdF Suez zu ermöglichen. Wie hoch ist das Darlehen?

Der Kredit wird rund 120 Millionen Euro betragen. Die Gesamtinvestition für die Beteiligung an einem Kohlekraftwerk in Wilhelmshaven wird etwa 200 Millionen Euro betragen.

Wie sinnvoll ist eine Beteiligung an einem Kohlekraftwerk vor dem Hintergrund des Klimawandels?

Sehr sinnvoll, das ist eines der modernsten Kohlekraftwerke, das in Deutschland gebaut wird.

"Erholt sich die Wirtschaft, steigen auch die Energiepreise wieder"

Ist die Finanzierung des Kredits aufgrund der Finanzkrise teurer geworden?

Nein, nicht wesentlich.

Aus den Erlösen des Energieverkaufs sollten laut Konzept Zins und Tilgung für den Kredit gezahlt werden. Geht das überhaupt, wo doch die Energiepreise so stark gesunken sind?

Das hat sich in der Tat verändert. Wir gehen aber davon aus, dass die Energiepreise nicht dauerhaft so niedrig sind. Erholt sich die Wirtschaft, steigen auch wieder die Energiepreise. Dann rechnet sich das Modell wieder.

Was kostet die Wuppertaler das Gas in einem Jahr?

In der Tendenz geht es erst einmal weiter nach unten, genau weiß ich das jedoch noch nicht, denn die Preise setzt die Geschäftsführung fest und nicht der Aufsichtsrat.

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