Weil er an Lebensmüde verschreibungspflichtige Medikamente verkaufte, wurde ein junger Wuppertaler vor zwei Jahren verurteilt. Jetzt steht ihm ein neuer Prozess bevor – wegen eines vier Jahre alten Falles.

Wuppertal. Der Fall sorgte vor mehr als zwei Jahren bundesweit für Schlagzeilen: Der Einser-Abiturient, Fußballer und erfolgreiche Party-Veranstalter K.S. aus Wuppertal wurde angeklagt, zwischen November 2004 und Mai 2005 unter falschem Namen im Internet verschreibungspflichtige Medikamente verkauft zu haben.

Mehrere Käufer starben. Der damals 23-Jährige entschuldigte sich im Prozess und wurde rechtskräftig wegen schweren Verstoßes gegen das Arzneimittelgesetz zu drei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt.

Staatsanwaltschaft hält Überfall
auf einen Pizza-Boten für geklärt

Jetzt scheint den jungen Wuppertaler seine Vergangenheit erneut einzuholen. Kommende Woche muss sich der mittlerweile 25-Jährige erneut vor Gericht verantworten. Laut Anklage hat er am 10. September 2004 in einem Hochhaus an der Agnes-Miegel-Straßein Barmen einen Pizza-Boten überfallen. Mit den Worten "Los, gib Geld oder ich knall dich ab" soll er sein Opfer angegangen haben.

Der Pizza-Mann floh, soll aber von dem mit einer Schreckschusswaffe bewaffneten und maskierten Räuber eingeholt worden sein. Beim anschließenden Gerangel soll sich ein Schuss gelöst haben. Laut Staatsanwaltschaft schlug der Täter dann mehrfach mit der Waffe auf den Kopf des Pizza-Boten und flüchtete - ohne Beute.

DNA-Spur führte die Ermittler
auf die Spur des 25-Jährigen

Warum erst jetzt die Anklage in einem Fall, der mehr als vier Jahre zurückliegt? Nach WZ-Informationen gibt es eine DNA-Spur, die die Ermittler zu dem jungen Wuppertaler führte. Die Spur soll an der in Tatortnähe gefundenen Maske des Räubers sichergestellt worden sein. Die Waffe wurde nicht gefunden.

Ende Januar 2007 wurde K.S. vom Landgericht wegen Verstoßes gegen das Arzneimittelgesetz - drei schwere, 13 minder schwere Fälle - zu drei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt.

In der Urteilsbegründung stellte das Gericht seinerzeit fest, dass K.S. mit "bemerkenswerter krimineller Energie" und mit "verwerflichen Mitteln" seinen finanziellen Vorteil gesucht habe.

Laut Urteil hat sich K.S. im Tatzeitraum gegenüber Chattern im Internet wahlweise als Medizinstudent, Tierarzt oder Apotheker ausgegeben. Unter dem Pseudonym "Buddha" verschickte er an Lebensmüde verschreibungspflichtige Tabletten, kassierte dafür etwa 6800 Euro. Das mehrere Suizide "erfolgreich" waren, wertete das Gericht nicht als strafverschärfend. Der damals 23-Jährige hatte im damaligen Prozess ein Geständnis abgelegt und sich unter Tränen für seine Taten entschuldigt.

Bislang hat der 25-Jährige zu den Vorwürfen geschwiegen. Verteidiger Harald Benninghoven will den Fall ebenfalls nicht kommentieren. Fakt ist: K.S. verbüßt derzeit seine Haftstrafe aus dem sogenannten Pillenprozess. Seit der aktuellen Anklage wegen versuchten Raubes sitzt er allerdings wieder im geschlossenen Vollzug. Zuvor hatte der 25-Jährige "draußen" einen Job, musste nur zum Schlafen ins Gefängnis.

Zwölf Zeugen, darunter das Opfer
und ein Gutachter, sind geladen

Für den am Dienstag beginnenden Prozess vor der 1.Strafkammer am Landgericht sind zwei Verhandlungstage geplant. 12Zeugen - darunter das Opfer, fünf Polizeibeamte und ein Sachverständiger für DNA-Spuren - sind als Zeugen geladen. Für versuchten bewaffneten Raub sieht das Gesetz einen Mindeststrafe von fünf Jahren Haft vor. Sollte es zu einer erneuten Verurteilung kommen, muss für K.S. eine Gesamtstrafe gebildet werden.

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