Im April 2008 entführte der leibliche Vater Laura nach Jordanien. Obwohl der 31-Jährige von Interpol gesucht wird, sind den Behörden die Hände gebunden.

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Lauras Vater (rechts) wird von Polizei und Interpol per Haftbefehl gesucht. Er hat seine Tochter Laura nach Jordanien entführt.

Lauras Vater (rechts) wird von Polizei und Interpol per Haftbefehl gesucht. Er hat seine Tochter Laura nach Jordanien entführt.

privat

Lauras Vater (rechts) wird von Polizei und Interpol per Haftbefehl gesucht. Er hat seine Tochter Laura nach Jordanien entführt.

Wuppertal. Die Bilder zeigen ein glückliches kleines Mädchen. Vergnügt blickt die sechsjährige Laura beim Reiten in die Kamera, sitzt selig vor ihrer Geburtstagstorte oder schaut verschmitzt beim Ausflug in den Zoo. Es sind Bilder, wie sie in jedem Familienalbum zu finden sind. Und doch haben diese Fotos für Lauras Mutter seit Monaten einen ganz bitteren Beigeschmack. Denn ihre Tochter ist verschwunden, entführt von ihrem leiblichen Vater.

"Ich weiß ja nicht mal, ob sie noch lebt."

Nadine BihlEin Jahr, vier Monate, drei Tage, vier Stunden und 31 Sekunden steht auf der Internetseite, die über die Entführung ihrer Tochter informieren soll. So lange ist es inzwischen her, dass Nadine Bihl ihre Tochter zuletzt gesehen hat. Kein Wort hat sie von ihrer Tochter gehört. "Ich weiß ja nicht mal, ob meine Tochter noch lebt", sagt die 32-Jährige, die damals hochschwanger war. Und nichts hat sich seither getan. Hilflos sitzt die Muttermit ihrem kleinen Jungen in Wuppertal und muss ohnmächtig hinnehmen, dass auch den Behörden die Hände gebunden sind.

Denn obwohl der 32 Jahre alte Vater von Laura, der sowohl die deutsche wie die jordanische Staatsbürgerschaft besitzt, per Haftbefehl von Interpol gesucht wird, sind die Möglichkeiten der Ermittler begrenzt. "Erst in dem Moment, in dem er Europa betritt, können wir agieren", sagte Wolf Baumert, Sprecher der Staatsanwaltschaft Wuppertal bereits im vergangenen Dezember auf WZ-Nachfrage. Denn mit Jordanien gibt es kein Rechtsabkommen. Und so lautet auch 16 Monate nach der Entführung das traurige Ergebnis der Ermittler: "Es gibt nichts Neues."

So weit die nüchterne Sachlage. Doch damit konnte sich die Mutter nicht zufrieden geben. Sie wandte sich - unter anderem mit Hilfe des SPD-Bundestagsabgeordneten Manfred Zöllmer - an die jordanische Botschaft in Berlin, die deutsche Botschaft in Amman, das Auswärtige Amt in Berlin sowie die Deutsch-Jordanische Gesellschaft. Doch auch das brachte nur wenig Erfolg.

"Bis heute habe ich kein Wort von meiner Tochter gehört."

Nadine Bihl"Zwischenzeitlich bestand mal telefonischer Kontakt zwischen ihm und der Deutschen Botschaft", erzählt die verzweifelte Mutter. In diesen Gesprächen stellt er Forderungen: Deaktivierung der Homepage und ein neuer Reisepass für Laura. Auch sollte sie die Anzeige gegen ihn zurück nehmen. "Wenn ich mein Kind lieben würde, sollte ich das machen, sonst würde er mir nie wieder Kontakt zu Laura gewähren."

Er stellte ihr in Aussicht, dass eine Mitarbeiterin der Botschaft sich von Lauras Wohl überzeugen könnte, ebenso sollte die Mutter die Möglichkeit bekommen, mit Laura zu telefonieren. "Doch bis heute habe ich kein Wort von meiner Tochter gehört", sagt Nadine Bihl. Die Uhr auf ihrer Homepage zählt inzwischen ein Jahr, vier Monate, fünf Tage, fünf Stunden und 28 Minuten seit dem Verschwinden ihrer Tochter. Und niemand kann ihr sagen, ob und wann sie Laura je wiedersieht.

Laura Susan wurde am 18.11. 2002 in Wuppertal geboren und besitzt die deutsche Staatsangehörigkeit. Am 1. April 2008 wurde das Mädchen von ihrem Vater entführt, der vorgab mit ihr Urlaub in der Türkei Urlaub machen zu wollen. Das Gericht hatte dem Vater untersagt, mit seiner Tochter außerhalb Europas zu reisen. Lauras Mutter gab er den Namen eines Hotels, das er angeblich gebucht hatte - dort kam er nie an. Seither gibt es keine Spur von Laura.

Vor seiner Reise hatte der 31-jährige Vater bereits sein Hab und Gut nach Jordanien verschifft, wo seine Schwestern leben. Er soll sich mehrere tausend Euro Kredite erschlichen haben, mit denen er die Flucht finanzierte,vermutet die Wuppertaler Staatsanwaltschaft.

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