Die Umstellung auf ein neues Betriebssystem beginnt, wenn alle Wagen ausgetauscht sind. Dann fährt die Bahn im Zwei-Minuten-Takt.

Besonders stolz sind die WSW auf das Design der neuen Bahnen und deren Drehgestelle.  Archiv
Besonders stolz sind die WSW auf das Design der neuen Bahnen und deren Drehgestelle. Archiv

Besonders stolz sind die WSW auf das Design der neuen Bahnen und deren Drehgestelle. Archiv

Andreas Fischer

Besonders stolz sind die WSW auf das Design der neuen Bahnen und deren Drehgestelle. Archiv

Wuppertal. Mit fünf Wagen der neuen Modellreihe hat die Schwebebahn am 18. Dezember 2016 Fahrt aufgenommen, aber erst 2018 wird sie im Zwei-Minuten-Takt die Fahrgäste befördern. Die neuen Wagen beschleunigen schon jetzt besser und erreichen eine höhere Geschwindigkeit, aber noch müssen sie sich im regulären Fahrbetrieb dem Takt der alten Modellreihe aus den 1970er Jahren anpassen. „Erst 2018, wenn alle Wagen ausgetauscht sind, werden wir das System von 600 auf 750 Volt Gleichstrom umstellen können und dann mit noch mehr Power den Zwei-Minuten-Takt fahren“, sagt WSW-Sprecher Holger Stephan.

Mitte des Monats werden die Wagen 6 und 7 der neuen Modellreihe in Betrieb genommen, Ende Januar wird Wagen 8 aus Valencia angeliefert. Dort werden alle 31 Wagen der neuen Modellreihe gebaut. Bis zum Jahresende soll der Generationenwechsel am Schwebebahngerüst abgeschlossen sein. Zurzeit sammeln die Wuppertaler Stadtwerke Erfahrungswerte im Schwebebahn-Alltag. „Bisher sind lediglich Kinderkrankheiten aufgetreten, die wir an den Hersteller Vossloh-Kiepe weitermelden. Wegen der sensibleren Einklemmsperren sind Probleme bei den Türen aufgetreten und es gibt Softwareprobleme, die abgestellt werden müssen“, sagt Stephan.

80 000 Fahrgäste transportiert die Schwebebahn bisher im Schnitt pro Tag. Dass mit den neuen Wagen die Fahrgastzahlen steigen, lässt sich noch nicht belegen. Unübersehbar ist allerdings, dass die neuen Bahnen zumeist vollgepackt sind, während die Bahnen der 1970er Baureihe von vielen Fahrgästen verschmäht werden. „Wir haben eine Zuschrift erhalten, in der von Wagen der 1. und 3. Klasse die Rede war. Für die Fahrt 3. Klasse wurde ein Rabatt gefordert“, sagt Holger Stephan schmunzelnd.

Zwei Jahrzehnte hat der Umbau des Schwebebahngerüstes und der Stationen gedauert. Mit dem Einsatz der neuen Wagen ist das Jahrhundertwerk, das rund 654 Millionen Euro kostet, noch immer nicht ganz abgeschlossen. 2018 werden mit der Einführung des neuen Betriebssystems die letzten Schritte vollzogen, um die Schwebebahn für das 21. Jahrhundert fit zu machen. Die Betriebsleitstelle wird aus dem Köbo-Haus an die Wartburgstraße umziehen. Neben der bereits erwähnten Umstellung von 600 auf 750 Volt wird ab dem kommenden Jahr ein Zugsicherungssystem wie im französischen Hochgeschwindigkeitszug TGV zum Einsatz kommen.

Umbau des Kaiserwagens ist beschlossene Sache

Da weder die Wagen der bisherigen Modellreihe noch der Kaiserwagen mit dem künftigen Betriebssystem und der höheren Voltzahl kompatibel sind, müssten sie umgerüstet werden. Bei dem Kaiserwagen ist der Umbau bereits beschlossene Sache. Anders sieht es aktuell noch beim Erhalt der mehr als 40 Jahre alten Baureihe aus. „Bei den Kaiserwagenfahrten haben wir eine 99-prozentige Auslastung“, sagt Martin Bang, Geschäftsführer von Wuppertal Marketing. Potenzial für eine weitere Schwebebahn, die zu touristischen Zwecken verwendet würde, sei vorhanden. „Das ist aber sicher eine Frage der Kosten – und wie die älteren Modelle in den gewünschten Zwei-Minuten-Takt eingepasst werden können. Heute sind diese Wagen Alltag, in vier Jahren wird man einen Wagen der 70er-Baureihe bestaunen wie die himmelblauen der neuen Modellreihe. Man sollte auf jeden Fall einen dieser Wagen aufheben, um ihn gegebenenfalls zu einem späteren Zeitpunkt umzurüsten“, schlägt Martin Bang vor.

Steht die Schwebahn außerplanmäßig still, dann bekommt Wuppertal einen Schluckauf. Auszuschließen sind Betriebsstörungen durch defekte Weichen oder Notarzteinsätze an Stationen auch im noch jungen Jahr 2017 nicht. „Die Verfügbarkeit der Schwebebahn liegt bei 99 Prozent. Trotzdem ist jeder Ausfall bedauerlich“, sagt Holger Stephan. » Seite 17

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