Bauprojekte verändern das Gesicht der Stadt. Auf die Einwohner kommen höhere Kosten zu.

Andreas Fischer

Wuppertal. In Wuppertal ändert sich in diesem Jahr eine ganze Menge. Entscheidend für die Zukunft der Stadt wird sein, ob es mit der Landeshilfe von etwa 72 Millionen Euro gelingt, den Haushalt bis 2016 auszugleichen. Um dies zu erreichen, wird die Stadtspitze noch in diesem Monat ein Spar- und Steuerpaket mit dem Volumen von rund 50 Millionen Euro schnüren. Darüber muss dann der Stadtrat im Februar entscheiden.

Die Wuppertaler können sich schon einmal darauf einstellen, dass sowohl die Gewerbe- als auch die Grund- und die Hundesteuer erhöht werden. Wo die Stadt den Rotstift ansetzt, steht noch nicht fest. Aber: es wird ein Kraftakt werden, wie auch Kämmerer Johannes Slawig schon ankündigte.

Für die Passagiere der Schwebebahn wird 2012 das Jahr der großen Baustellen und Betriebspausen: Abgesehen vom formidentischen Neubau der Station Werther Brücke ab Herbst, der auch den Verkehr auf der B 7 betrifft und bis zum Sommer 2013 dauert, geht es 2012 mit Macht an die neue Großbaustelle in Oberbarmen.

Wagenhalle wird im Sommer demontiert

Dazu wird der Busbahnhof voraussichtlich im März hinter die Wagenhalle verlegt, bevor im Sommer die Station und der vordere Teil der Halle demontiert wird. Steht die neue Station Oberbarmen ab Herbst 2012 zur Verfügung, ziehen sich die Arbeiten an der Wagenhalle dann noch bis zum Sommer 2013. Bereits im Mai dieses Jahres soll die neue Station Völklinger Straße zur Verfügung stehen.

Die nach wie vor umstrittenen Umweltzonen werden auch 2012 in Wuppertal für Diskussionen sorgen – mit besorgtem Blick ins Ruhrgebiet: Dort wird eine große, zusammenhängende Zone eingerichtet, und es ist noch offen, ob das Land auch in Wuppertal die Regelungen für die Einfahrt in die beiden Umweltzonen verschärft.

Die Stadt beharrt darauf, dass sich die Wuppertaler Gegebenheiten nicht ohne Weiteres mit denen des Ruhrgebiets vergleichen lassen, was unter anderem die Topografie und die Schadstoffbelastung betrifft. Hinzu kommt in diesem Jahr neben dem Wuppertaler Luftreinhalteplan das Maßnahmenpaket zur Lärmaktionsplanung – mit entsprechenden Überschneidungen beim Schutz der Anwohner.

Über die Gebührenerhöhungen – unter anderem für den Winterdienst, die Müllabfuhr und das Regenwasser – wird in Wuppertal bereits seit Wochen diskutiert. Zu den Neuregelungen gehört in diesem Zuge auch die Sammlung von Elektrogeräten an den Containerplätzen der AWG seit dem Jahreswechsel.

Umbau Döppersberg: Es geht in die Tiefe

Zu den herausragenden Bauprojekten in Wuppertal gehören auch in diesem Jahr der Umbau am Döppersberg und die Nordbahntrasse: Auf der Trasse soll insbesondere der innerstädtische Teil wachsen, um dem großen Ziel näher zu kommen. Zu den drängendsten Erwartungen zählt im Frühjahr der lange geforderte Bauzeitplan und der Förderberscheid für die Außenäste der Trasse.

Für den neuen Döppersberg geht es 2012 zunächst einmal in die Tiefe, ohne dass der Verkehr groß betroffen ist: Tiefbauarbeiten am Standort des künftigen Busbahnhofs – mit Parkdecks für 240 Autos – stehen zum Beispiel auch Bauarbeiten für dessen späteren Anschluss an das Straßennetz.

In Sachen Ikea wird 2012 zum Jahr der Vorplanungen und der Bürgerbeteiligung: Mit Spannung erwartet werden insbesondere die Gutachten zum Verkehr und zum Einzelhandel. Wenn die Gutachten ergeben sollten, dass Kaufkraft des Einzelhandels in Elberfeld und Barmen abgezogen wird, drohen heiße Diskussionen. Die Stadt steht auch mit Blick in die Nachbarschaft vor einer kontrovers geführten Diskussion – auch im Zeichen des geplanten Outlet-Centers in Remscheid. Von dort geht nach Einschätzung vieler Fachleute eine viel größere Gefahr für den Wuppertaler Einzelhandel aus. In diesem Jahr wird sich herausstellen, ob das DOC gebaut werden darf.

Kommt die Barmer Kulturinsel?

Wie geht es weiter mit den Wuppertaler Bühnen? Die kleine Spielstätte im maroden Schauspielhaus ist noch für ein Jahr gerettet. Aber was kommt danach? Die Theaterfreunde haben sich erklärt: Wuppertal brauche eine kleine funktionierende Spielstätte – der Förderverein möchte sie finanziell unterstützen, zusammen mit Mäzenen aus der Wirtschaft. Kenner wollen eine neue mögliche Spielstätte bereits in der Nähe des Opernhauses gefunden haben. Entsteht dort eine neue zukunftsfähige Kulturinsel? Vom Barmer Bahnhof über das Opernhaus bis zum Engelshaus mit dem Museum?

Unbeantwortet ist, ob die Finanzierung auf Dauer sicher ist – und was mit dem Gebäude an der Kluse, dem Schauspielhaus, passiert. Im kommenden Jahr wird sich deshalb – nach dem Förderverein – auch die Politik erklären (und festlegen) müssen. Beim Kartenverkauf hingegen sind die Weichen bereits gestellt – und die Top-Ticket-Tage gezählt. Bühnen, Orchester und Tanztheater kooperieren künftig mit dem Stadtmarketing. Ab Mai 2012 gibt es ein Verkaufsbüro im City-Center.

Energie wird in Wuppertal teurer. Die Stadtwerke werden im Frühjahr den Strompreis erhöhen. In welchem Ausmaß steht noch nicht fest. Der Gaspreis der Stadtwerke soll nach Recherchen der WZ in diesem Jahr stabil bleiben. – vorerst.

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