In Wuppertal sollen Gefangene in der KfZ-Werkstatt der JVA Autos von Bediensteten und deren Chefs repariert haben.

wza_1125x1500_455675.jpeg
Unter Verdacht: Die JVA Wuppertal „Simonshöfchen“ steht im Visier der Staatsanwaltschaft. In der Anstalts-Werkstatt sollen Gefangene auch Privatwagen von mehreren JVA-Mitarbeitern repariert haben.

Unter Verdacht: Die JVA Wuppertal „Simonshöfchen“ steht im Visier der Staatsanwaltschaft. In der Anstalts-Werkstatt sollen Gefangene auch Privatwagen von mehreren JVA-Mitarbeitern repariert haben.

Andreas Fischer

Unter Verdacht: Die JVA Wuppertal „Simonshöfchen“ steht im Visier der Staatsanwaltschaft. In der Anstalts-Werkstatt sollen Gefangene auch Privatwagen von mehreren JVA-Mitarbeitern repariert haben.

Wuppertal. Eigentlich war immer alles schön in der Justizvollzugsanstalt Wuppertal. Gerne ließen sich die jeweiligen Justizminister vor Ort sehen. Das "Simonshöfchen" galt als Muster-Knast in NRW. Auch deshalb, weil vor Ort Gefangene im Dienst der Regierung am landeseigenen Fuhrpark schraubten. Resozialisierung und Sparkurs gingen quasi Hand in Hand. Bis zum Oktober 2007: Da erschien die Staatsanwaltschaft in der JVA-eigenen Werkstatt.

Der Verdacht: Vor Ort wurden nicht nur Dienstfahrzeuge repariert und gewartet. Auch soll regelmäßig unzulässigerweise an den Privatwagen von mehreren JVA-Mitarbeitern geschraubt worden sein. Die Ermittlungen der Wuppertaler Staatsanwaltschaft sind noch nicht abgeschlossen. Doch mittlerweile steht fest: Auch gegen den langjährigen "Simonshöfchen"-Leiter Peter W. und seinen Stellvertreter Wolfgang S. wird im Zuge der Affäre wegen des Verdachts der Untreue und des Betrugs ermittelt. Und heimlich still und leise hat das Justizministerium reagiert. Die Behördenleitung im Simonshöfchen wurde nahezu geräuschlos ausgewechselt. Im Beamtendeutsch heißt das "abgeordnet".

Ex-Chef W. arbeitet jetzt im NRW-Justizministerium, sein Ex-Stellvertreter S. ist mittlerweile stellvertretender Leiter der JVA Remscheid. "Die sollten aus der Schusslinie genommen werden", sagt ein Insider zu der Personalie. Zuviel soll auf den Gefängnisfluren und im Ministerium über die Ermittlungen und angebliche Schwarzarbeit im Wuppertaler Knast getuschelt worden sein. Peinlich für das Muster-Gefängnis: Ausgerechnet ein Ex-Häftling und früherer Werkstatt-Mitarbeiter schwärzte seinen Ex-Knast bei der Staatsanwaltschaft an.

Die strafrechtlichen Vorwürfe scheinen in Relation zu etwaigen dienstrechtlichen Vergehen eher nichtig zu sein. So soll einer der Beschuldigten zugegeben haben, dass in jener JVA-Werkstatt vor mehr als zwei Jahren eine defekte Glühbirne an seinem Privatwagen ausgewechselt wurde.

Werden die Verfahren gegen eine Geldauflage eingestellt?

Der geldwerte Vorteil einer solchen Dienstleistung ist wohl eher gering. Ein JVA-Insasse, der in der Werkstatt arbeitet, verdient pro Tag gerade mal 10,78 Euro. Trotz aller moralischen Argumente ist es daher nicht unwahrscheinlich, dass die entsprechenden Ermittlungsverfahren gegen die Ex-JVA-Chefs wegen Geringfügigkeit mit einer Geldauflage eingestellt werden - wenn sich der Verdacht bestätigt.

Die JVA "Simonshöfchen" genießt den Ruf, eines der sichersten Gefängnisse Deutschlands zu sein. Unter anderem saß Dieter Degowski, der Geiselnehmer von Gladbeck, Ende der 80er dort ein. 2001 lebte der wegen vierfachen Mordes verurteilte Dieter Zurwehme im Wuppertaler Hochsicherheitstrakt, heiratete dort sogar eine Briefbekanntschaft. Im vergangenen Sommer war Deutschlands bekanntester Bankräuber und Häftling, Jan Zocha, im "Simonshöfchen" untergebracht.

Die JVA Wuppertal wurde im April 1980 eröffnet, hat rund 500 Haftplätze und mehr als 200 Mitarbeiter. In der JVA-Werkstatt arbeiten je nach Auftragslage zwischen fünf und 15 Häftlinge. Das Interesse am Vorzeigeknast ist riesengroß. Zum Jubiläum vor zwei Jahren kamen mehr als 4000 Besucher zum Tag der offenen Tür.

Wenn nicht, ist theoretisch eine Rückkehr von Ex-Chef W.auf "seinen" Wuppertaler Posten durchaus möglich. Derzeit wird die JVA "Simonshöfchen" quasi aushilfsweise geleitet. Auf dem Papier ist noch immer W.Leiter der JVA. Die 56-jährige Jutta Lauxen - vormals Vize-Chefin der JVA Remscheid - wurde bis August dieses Jahres formal lediglich "mit der Wahrnehmung der Geschäfte" in Wuppertal beauftragt. Immerhin: Bis zum Sommer dürften die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen zum "Simonshöfchen" abgeschlossen sein.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer