Untreue-Verfahren gegen versetzte Chefs werden gegen vierstellige Geldauflagen eingestellt.

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Die JVA Simonshöfchen gilt als eine der sichersten in Deutschland. (Archiv

Die JVA Simonshöfchen gilt als eine der sichersten in Deutschland. (Archiv

Andreas Fischer

Die JVA Simonshöfchen gilt als eine der sichersten in Deutschland. (Archiv

Wuppertal. Nach zweijähriger Ermittlungszeit scheint die Affäre um Schwarzarbeit in der Wuppertaler JVA-Werkstatt aufgeklärt zu sein. Zumindest was die beiden früheren Leiter des NRW-Vorzeigegefängnisses am Simonshöfchen in Vohwinkel angeht. Wie die Staatsanwaltschaft bestätigt, werden die Untreue-Verfahren gegen PeterW. und Wolfgang S. wegen Geringfügigkeit eingestellt.

Die beiden müssen allerdings bis Ende November dieses Jahres eine Geldauflage an die Staatskasse zahlen: der Ex- Anstaltsleiter 9000 Euro, sein ehemaliger Stellvertreter 5000 Euro. Den beiden war zum Vorwurf gemacht worden, sie hätten Reparaturarbeiten an ihren Privatwagen in der JVA-Werkstatt, die eigentlich für den Justizfuhrpark zuständig ist, von Häftlingen erledigen lassen.

Glühbirnenwechsel für den Chef in der knasteigenen Werkstatt

Glühbirnen- oder Reifenwechsel soll es auch für die damaligen Anstaltsleiter umsonst gegeben haben. Schließlich schwärzte ein Ex-Häftling seine Werkstatt und seinen Knast bei der Staatsanwaltschaft an. Im Oktober 2007 erschien die Kripo zur Durchsuchung in der Werkstatt, der peinliche Skandal war öffentlich. Und das Justizministerium reagierte: Die beiden langjährigen leitenden Mitarbeiter wurden noch während der Ermittlungen auf andere Posten innerhalb der Justiz "abgeordnet" - heimlich, still und leise.

Mit Zahlung der Geldauflage wird der Skandal um die beiden Ex-Chefs - W. arbeitete zuletzt im NRW-Justizministerium in Düsseldorf, sein früherer Stellvertreter S. als stellvertretender Leiter der JVA Remscheid - wohl zu den Akten gelegt. Dem Vernehmen nach soll mit der Verfahrenseinstellung auch das Thema "dienstrechtliche Konsequenzen" für die beiden erledigt sein.

Gegen den mittlerweile pensionierten JVA-Werkstattleiter und seinen Stellvertreter sind die Ermittlungen abgeschlossen. Den beiden werden jeweils mehr als 40 Fälle von Untreue vorgeworfen. Dem Vernehmen nach, werden die Verfahren wahrscheinlich per Strafbefehl, mithin ohne öffentlichen Strafprozess, erledigt.

Abgesehen von moralischen Fragen ist der geldwerte Vorteil einer ausgewechselten Glühbirne wohl eher gering. Zum Vergleich: Ein JVA-Insasse, der in der Werkstatt arbeitet, verdient pro Tag 10,78 Euro.

Seit der Abordnung der Ex-Leitung wird das Simonshöfchen kommissarisch von Jutta Lauxen geleitet, vormals Vize-Chefin der JVA Remscheid.

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