3000 Achtklässler haben sich zwei Wochen lang in Wuppertaler Betrieben umgesehen.

3000 Achtklässler haben sich zwei Wochen lang in Wuppertaler Betrieben umgesehen.
Julius Strößer (li.) erkundete den Beruf des Vermessers. Vermessungstechniker Philipp Pechtel erklärte ihm die Besonderheiten des Berufs.

Julius Strößer (li.) erkundete den Beruf des Vermessers. Vermessungstechniker Philipp Pechtel erklärte ihm die Besonderheiten des Berufs.

Stefan Fries

Julius Strößer (li.) erkundete den Beruf des Vermessers. Vermessungstechniker Philipp Pechtel erklärte ihm die Besonderheiten des Berufs.

Was macht eigentlich so ein Vermesser den ganzen Tag? Wie funktioniert modernes Büro-Management und welche Probleme muss ein Schreiner lösen? Einen Einblick in viele Berufe haben in den vergangenen zwei Wochen rund 3000 Wuppertaler Achtklässler gewonnen. Sie haben sich das gesamte Schuljahr über im Rahmen des Landesprogramms „Kein Abschluss ohne Anschluss“ intensiv mit der Berufsfindung beschäftigt und jetzt Tagespraktika in Betrieben absolviert.

Wuppertaler Schulzeit

Zu Beginn stand eine Potenzialanalyse: Einen Tag lang verbrachten die Schüler im Herbst bei einem externen Anbieter und lösten dort verschiedene Aufgaben. Sie beantworteten Fragen, bauten Regale zusammen oder bastelten im Team Brücken. Dabei wurden jeweils vier Schüler von einem geschulten Experten beobachtet. Anschließend bekamen die 13- bis 14-Jährigen eine Auswertung: Genau wurde ihnen im Einzelgespräch erklärt, wo ihre Stärken liegen und welche Berufe zu diesen Stärken passen. Wer besonders durch sein handwerkliches Geschick und seine praktische Begabung überzeugte, könnte beispielsweise eine Lehrstelle als Elektriker oder Heizungsbauer anstreben. Wer sich eher bei theoretischer Problemlösung hervortut, wäre vielleicht für ein Studium geeignet. „Wir wünschen uns, dass auch die Eltern beim Auswertungsgespräch mit dabei sind. Denn die Eltern sind für die Berufsorientierung sehr wichtig – auch, wenn das manchmal nicht den Anschein hat“, sagt Anke Kleinbrahm von der Kommunalen Koordinierungsstelle Wuppertal.

Im Unterricht haben sich die Schüler weiter mit dem Thema Berufswahl beschäftigt. So können sie rechtzeitig Ideen entwickeln bis zu ihrem Schulabschluss, der bei Haupt- und Realschülern zwei Jahre später ansteht. Besonders wichtig sind die praktischen Erfahrungen. Deshalb empfiehlt das Programm drei eintägige Schnupperpraktika in Firmen. Eines absolvieren die meisten Schüler im Rahmen des Boys- und Girlsdays, die anderen beiden am Schuljahresende.

Die Unternehmen nehmen das Angebot immer mehr an

„Wir bekommen immer mehr Zusagen von Unternehmen“, freut sich Anke Kleinbrahm. 1400 Angebote sammelte sie auf der zentralen Internet-Plattform, unter denen die Schüler wählen konnten. Vom Bäcker über den Sanitär-Techniker, Bibliothekar, Kfz-Mechatroniker bis zur Medizinischen Fachangestellten reichten die Berufe. Sprachschule, Sparkasse, Wuppertaler Stadtwerke (WSW) oder Wirtschaftsförderung öffneten ebenso ihre Türen wie sehr viele Handwerksbetriebe und Pflegeeinrichtungen. „Im Vergleich zum letzten Jahr machen diesmal mehr Gesundheits- und Erziehungsberufe mit“, freut sich die Organisatorin. „Wo wir uns aber noch mehr wünschen, sind die freien Berufe - Apotheken, Ärzte, Anwälte.“ Dabei sollten die Unternehmen nicht davon ausgehen, unter den Tagespraktikanten direkt den Wunschkandidaten für die Ausbildung zu finden; dazu sind die Kinder noch zu jung. „Aber es ist die Chance, Schüler zu interessieren“, betont Anke Kleinbrahm.

Und interessiert sind die Schüler. „Das war echt spannend und gut erklärt“, erzählt Julius Strößer (13) von seinem Praktikum in der Vermessungstechnik der WSW. Er durfte eine Rampe vermessen und den Höhenunterschied zwischen zwei Punkten. Außerdem hat er einen Tag in der Verwaltung der ESW verbracht. „Ich wollte erst keinen Bürojob - aber jetzt könnte ich mir das gut vorstellen“, lautet sein Fazit. Die Unternehmen erkennen den langfristigen Gewinn: „Je mehr Erfahrungen wir den Schülerinnen und Schülern ermöglichen, umso sicherer sind sie in ihrer späteren Berufsauswahl. Dies merken wir deutlich bei den Bewerbungen, die wir erhalten“, betont Serap Celiker, Ausbildungsleiter der WSW. Dieses Jahr fand die Berufsfelderkundung zum vierten Mal statt. Nach den Sommerferien starten direkt die nächsten achten Klassen.

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