Aufmerksam verfolgten die Schüler in der voll besetzten Aula des Gymnasiums die Diskussion auf dem Podium.
Aufmerksam verfolgten die Schüler in der voll besetzten Aula des Gymnasiums die Diskussion auf dem Podium.

Aufmerksam verfolgten die Schüler in der voll besetzten Aula des Gymnasiums die Diskussion auf dem Podium.

WZ-Redakteurin Katharina Rüth (m.) saß auf dem Podium neben Herbert Reul (links), der für die CDU im EU–Parlament sitzt.

Fischer, A. (f22), Bild 1 von 2

Aufmerksam verfolgten die Schüler in der voll besetzten Aula des Gymnasiums die Diskussion auf dem Podium.

Wuppertal. Gut eine Million Menschen sind im vergangenen Jahr als Flüchtlinge nach Deutschland gekommen, 2016 könnten es noch einmal so viele werden. Mit einer Podiumsdiskussion zum Thema „Flüchtlinge“ bewies das Wilhelm-Dörpfeld-Gymnasium deshalb gestern hohe Aktualität. In Anlehnung an den Satz von Bundeskanzlerin Angela Merkel hieß die Veranstaltung: „Einwanderung und Flucht nach Deutschland und Europa – schaffen wir das?“ Rund 350 Jugendliche verfolgten, was sechs Experten aus Politik, Wissenschaft, Medien und Bürgerbewegungen dazu zu sagen hatten. 

In vier Themenbereichen stellten Schüler mehrerer Leistungskurse für Sozialwissenschaften den Experten Fragen zu Integration, Einwanderungsgesellschaft und die politischen Einflussmöglichkeiten auf nationaler und internationaler Ebene.  

Zwei junge Moderatoren sorgten dafür, dass Fragen und Antworten nicht aus dem Ruder liefen und fragten im Zweifel nach. Bisweilen wirkten die gestellten Fragen etwas ziellos. So konnte etwa kein Podiums-teilnehmer beantworten, wo in Wuppertal weitere Flüchtlingsunterkünfte geplant sind – einfach weil kein Vertreter der Stadt in der Diskussion saß.

Konträre Positionen beim Thema Abschiebung

Am meisten Bewegung kam in die Runde, als es um den Umgang mit straffälligen Flüchtlingen ging. EU-Parlamentarier Herbert Reul als CDU-Vertreter plädierte für ein hartes Vorgehen gegen kriminelle Zuwanderer und forderte eine Abschiebung solcher Personen. Philosophie-Professor Smail Rapic (Bergische Universität) verwies dagegen auf das Völkerrecht und die Genfer Flüchtlingskonvention. Diese verböten, Menschen an Staaten auszuliefern, in denen ihnen Folter oder Mord drohen. „Das ist nicht verhandelbar“, sagte Rapic. Der Applaus zeigte, dass auch die Mehrheit der Jugendlichen keine Abschiebung um jeden Preis will.

Rapic vertrat – auch als Vertreter von Amnesty International – eine linksorientierte Position, erinnerte daran, dass die Flüchtlingsbewegung eine Folge „des europäischen Kolonialismus“ sei. Statt über Obergrenzen für Flüchtlinge zu diskutieren, müssten die – auch von westlichen Staaten unterstützten – Kriege im Nahen Osten beendet werden. CDU-Politiker Reul warnte davor, nur zurückzublicken. Es gebe keine „Simsalabim-Lösung“ für die gegenwärtigen Probleme. Politik bedeute, beharrlich „dicke Bretter“ zu bohren.

Von seinen Erfahrungen als Flüchtling berichtete der aus Guinea stammende Nelli Foumba Soumaoro, der heute in der Flüchtlingshilfe aktiv ist. Die Frage, wie mit integrationsunwilligen Zuwanderern umzugehen sei, brachte ihn ein wenig aus der Fassung: „Flüchtlinge wollen sich integrieren, aber es gibt so viele Barrieren“, sagte er. So sei es etwa für geduldete Zuwanderer nicht möglich, einen Job aufzunehmen, weil die Gesetze dies untersagten.

Die Schüler folgten den Ausführungen mit Interesse, stellten anschließend viele Fragen. Da ging es um das Verhältnis zur Türkei und deren Umgang mit Kurden und das Entstehen von Parallelgesellschaften.

Auch die Rolle der Presse bei der Berichterstattung über Flüchtlinge wurde thematisiert. WZ-Redakteurin Katharina Rüth erklärte, dass man als Journalist abwägen müsse, ob Informationen zur Nationalität mutmaßlicher Straftäter bekannt gemacht werden. Nach den Ereignissen an Silvester in Köln dürfte diese Frage „die Redaktionen auch in Zukunft noch beschäftigen“.

 

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