1993 stand auf dem Gelände der Bereitschaftspolizei vorübergehend eine Haftanstalt für Asylsuchende, die abgeschoben werden sollten.

1993 stand auf dem Gelände der Bereitschaftspolizei vorübergehend eine Haftanstalt für Asylsuchende, die abgeschoben werden sollten.
Für einige Monate stand eine Haftanstalt für abgelehnte Asylsuchende auf Lichtscheid.

Für einige Monate stand eine Haftanstalt für abgelehnte Asylsuchende auf Lichtscheid.

Kurt Keil

Für einige Monate stand eine Haftanstalt für abgelehnte Asylsuchende auf Lichtscheid.

Wohin soll die forensische Klinik, die das Land in Wuppertal bauen will? Als ein möglicher Standort steht seit langem das Gelände der Bereitschaftspolizei auf Lichtscheid in der Diskussion – neben der Kleinen Höhe und neuerdings dem Gelände an der Parkstraße.

Auf dem Gelände der Bereitschaftspolizei stand schon einmal ein Gefängnis. Daran erinnert WZ-Fotograf Kurt Keil mit einer seiner Aufnahmen aus dem Jahr 1993. „Stacheldrahtfestung als Abschiebedorf“ titelte die WZ damals zur Eröffnung der Anstalt.

Große Platznot in den Gefängnissen des Landes machten das Provisorium auf dem Polizeigelände nötig. Vorausgegangen waren ein Anstieg der Asylsuchendenzahl, heftige öffentliche Diskussionen darüber und die Neuregelung des Asylrechts im Juni 1993.

Damals wurden Asylbewerber, die in Abschiebehaft saßen, noch in normalen Gefängnissen festgehalten. Das Gefängnis auf Lichtscheid war jedoch allein für abgelehnte Asylbewerber vorgesehen. Es sieht auf dem Bild trotzdem wie ein Hochsicherheitsgefängnis aus: Ein Stacheldrahtzaun umgibt das Karree aus Containern. Dessen Fenster sind alle auf das Innere des Vierecks gerichtet, vom Grün rundherum konnten die Häftlinge wenig sehen.

Bilder erzählen Stadtgeschichte

Platz war für knapp 200 Personen, die von 18 Justizangehörigen und 30 Beschäftigten eines privaten Wachdienstes bewacht wurden. Der Einsatz der privaten Wachleute war ein Novum. Die provisorische Anstalt war eine Zweigstelle der JVA Simonshöfchen, war deren Leiter Dieter Kuhn unterstellt. In dem Artikel hieß es, dass die meisten Häftlinge wohl Rumänen und Polen sein werden. Heute gehören deren Heimatländer zur EU, bei Asylbewerbern denkt man an ganz andere Herkunftsländer.

Haftanstalten kennt WZ-Fotograf Kurt Keil viele: „Ich war schon oft im Gefängnis – Gott sei Dank nur beruflich.“ Er war im alten Gefängnis Bendahl, in der alten JVA „Ulmer Höh’“ in Düsseldorf und in der Strafanstalt Sedansberg in Barmen. Dort sah er die Zelle des Krankenpflegers, der sechs alte Menschen getötet haben soll, sich nach seiner Verurteilung zu lebenslang dort erhängte.

Mehrfach war Keil in der JVA Simonshöfchen. „Dabei habe ich einmal gezählt, wie viele Türen und Gitter auf- und zugeschlossen wurden, bis ich da war, wo ich hin wollte: 56 mal ging es Tür auf, Tür zu“, berichtet er. Beängstigend fand er, im Simonshöfchen einem verurteilten Messerstecher beim Schnitzen der Weihnachtskrippe zuzusehen, rührend fand er, wie sich Häftlinge mal um ein brütendes Amselpaar im Gefängnisflur kümmerten. Trotzdem: „Ich war jedes mal froh wenn ich wieder draußen war.“ Im Vergleich zu all den Gefängnissen sei ihm das Abschiebegefängnis auf Lichtscheid fast wie ein „Container Luxus-Hotel“ vorgekommen: „alles neu, nur hinter Stacheldraht“. Kritik gab es trotzdem.

1994 wurde das Containergefängnis auf Lichtscheid aufgelöst, seither werden Abschiebehäftlinge aus NRW in Büren bei Paderborn untergebracht, bis 2015 gemeinsam mit Strafgefangenen. Seit ein neues Gesetz eigene Anstalten für Abschiebehäftlinge fordert, sind in Büren nur noch abgelehnte Asylsucher untergebracht. Derzeit gibt es dort 140 Plätze, die Anstalt soll aber auf 175 Plätze ausgebaut werden.

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