Regisseur Martin Kloepfer wirft der Stadt vor, den Platz verkommen zu lassen. Nun reinigt dort eine Initiative.

Kein schöner Anblick: der verdreckte Platz vor dem Schauspielhaus.
Kein schöner Anblick: der verdreckte Platz vor dem Schauspielhaus.

Kein schöner Anblick: der verdreckte Platz vor dem Schauspielhaus.

Andreas Fischer

Kein schöner Anblick: der verdreckte Platz vor dem Schauspielhaus.

Wuppertal. Der Vorwurf, den Martin Kloepfer mitschwingen lässt, ist nicht zu überhören. Wird der Platz vor dem Schauspielhaus zu wenig gereinigt, weil der Kulturtempel ohnehin geschlossen werden soll?

Der Regisseur, der auf "Die Lotterie in Babylon" setzt und am kommenden Samstag im Kleinen Schauspielhaus Uraufführung feiert, hat da so seine ganz eigene Theorie: Seitdem die kreativen Köpfe an den Wuppertaler Bühnen mit der nüchternen Realität konfrontiert sind und sich gegen drastische Sparmaßnahmen wehren, "ist das hier wie eine Totenwache. Im Haus wird zwar tapfer weitergearbeitet. Aber dass der Vorplatz so vernachlässigt wird, ist eine Leichenschändung. Ich finde das unfassbar. Man kann es ja wenigstens mit Würde zu Ende bringen." Der Regisseur, der zum ersten Mal in Wuppertal inszeniert, ist aufgebracht.

Die Vermutung, dass der Platz an der Kluse absichtlich nicht mehr oberste Reinigungspriorität genießen könnte, teilt Bühnen-Geschäftsführer Enno Schaarwächter zwar nicht. Doch auch er stellt fest: Die Sauberkeit ist in der Tat ein Problem.

"Vor allem zu Beginn der Spielzeit waren die Zuschauer entsetzt."

Enno Schaarwächter, Bühnen-Geschäftsführer

Zwar sei es besser geworden, seitdem zwei Gitterkörbe am Schauspielhauses aufgestellt wurden, "um den hauptsächlich jugendlichen Gruppen, die sich auf dem Vorplatz gern zum Feiern treffen, das Entsorgen ihres Mülls zu erleichtern". Ganz gelöst hat diese "erste Reaktion" das Dilemma aber nicht. Weshalb nun weitere Taten folgen sollen: Die Anlieger des Platzes haben die "Interessengemeinschaft Kulturinsel" gegründet. Mit anderen Worten: Die Wuppertaler Bühnen, das Cinemaxx, der Club Pavillon und das Gebäudemanagement wollen gemeinsam aktiv werden, "um das Problem in den Griff zu bekommen", wie Schaarwächter ankündigt. "Der Verschmutzungsgrad ist eine Wellenbewegung", sagt er. In Spitzenzeiten, vor allem zum Saisonstart, "gab es hier ein Meer an Glassplittern und weggeworfener Flaschen. Die Zuschauer waren entsetzt."

Auch Cinemaxx-Chef Detlef Bell bestätigt den allgemeinen Eindruck: "Durch die weniger starke Bespielung fiel uns zu Saisonbeginn auf, dass weniger gereinigt wird. Das Problem war in den Sommerferien massiv. Jetzt ist es je nach Wetterlage akut." Weshalb auch er reagiert: Die 800.000 Kinogäste, die er pro Jahr begrüßt, will er mit Plakaten und Handzetteln zu mehr Sauberkeit animieren.

Die Anlieger planen eine gemeinsame Reinigungsoffensive. "Vor dem Kino lassen wir bisher je nach Bedarf privat kehren", sagt Cinemaxx-Chef Detlef Bell, der nun aber den ganzen Vorplatz im Blick hat. "Ich fände es gut, wenn wir künftig den gesamten Platz regelmäßig mit Maschinen reinigen lassen würden. Die Kosten wollen wir uns teilen." Die Anlieger haben deshalb Angebote eingeholt und wollen sich nun zügig entscheiden.

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