Michael Heimes wirbt für mehr Verständnis. Die zerstörten Zäune werden immer mehr zur Gefahr für seine Herde.

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Auswirkungen des Scharpenacken-Streits: Unbekannte haben Zäune der Schafweiden von Michael Heimes durchtrennt. Die Tiere laufen nach draußen – und sind nur noch schwer zur Herde zurück zu bringen.

Auswirkungen des Scharpenacken-Streits: Unbekannte haben Zäune der Schafweiden von Michael Heimes durchtrennt. Die Tiere laufen nach draußen – und sind nur noch schwer zur Herde zurück zu bringen.

Uwe Schinkel

Auswirkungen des Scharpenacken-Streits: Unbekannte haben Zäune der Schafweiden von Michael Heimes durchtrennt. Die Tiere laufen nach draußen – und sind nur noch schwer zur Herde zurück zu bringen.

Wuppertal. Der Arbeitstag von Michael Heimes beginnt früh. "Heute bin ich um halb sechs aufgestanden", sagt er und blinzelt in der Sonne. Er hat seine Tiere über die Wiesen am Scharpenacken geführt und Acht gegeben, dass alle Tiere bei der Herde bleiben. Ohne seine Hunde wäre er hilflos. Aber auch die haben Probleme, wenn die Schafe durch die vielen Lücken im neuen Zaun am Scharpenacken schlüpfen und dann nicht wieder zurückfinden. Und genau das ist das Problem: Im Zuge der Auseinandersetzungen um die neue JVA am Schapenacken zerstören Unbekannte immer wieder die Zäune.

Schon der Großvater arbeitete als Schäfer

Schwierig sei die Situation, sagt Michael Heimes und schüttelt den Kopf. Eigentlich hat er keine Lust, sich über Menschen zu ärgern, die Zäune aufgeschnitten haben. Seit den 1930er Jahren arbeitet seine Familie auf dem Scharpenacken. "Schon mein Großvater war Schäfer", erzählt Heimes. Neben der Landwirtschaft ist Pferdehaltung sein zweites Standbein. "Man war damals froh, uns zu haben, die Tiere sind die kostengünstigste Variante, Gras kurz zu halten." Ohne sie wüchse es schon im Frühsommer hüfthoch. Spazierengehen - mit oder ohne Hund - wäre abseits der Wege dann schwer möglich.

Schäfer ist bei Unfällen haftbar - Hunde treiben Herde auseinander

Mit der Bundeswehr hatte Heimes einen Risikopachtvertrag, es war seine Aufgabe, das Militärgelände zu beweiden. Heute macht er dies für das Land NRW.

Schwierig wird es, wenn freilaufende Hunde seine Herde auseinander treiben. "Wenn eines der Schafe abgetrieben wird und vor ein Auto läuft, muss ich für den Schaden haften", betont Heimes. Einmal hat er die Polizei rufen müssen, als zwei Schafe von Hunden gejagt und in Richtung A1 getrieben wurden.

Die neuen Zäune, die zum Schutz der Ausgleichsflächen für den JVA-Bau aufgestellt wurden, wären für ihn ein Segen, denn Schafhaltung auf einer Freifläche für Hunde - das passt nicht zusammen. Eine Lösung des Problems scheint es nicht zu geben: Der Schäfer braucht die Weide, zahlt Pacht dafür. Wuppertaler mit und ohne Hund nutzen den Scharpenacken unterdessen seit Jahren als Naherholungsgebiet - und fordern ihr vermeintliches Recht vehement ein.

Für viele Schäfer sind Pachtflächen auf ehemaligen Truppenübungsplätzen von existentieller Bedeutung. Die zusammenhängenden Weideflächen ermöglichen die Hütehaltung als traditionelle Wirtschaftsform. Ein Nachteil ist das Risiko, auf Munitionsreste zu treffen. Daraus entstehender Schaden muss der Schäfereibetrieb tragen, jeder Anspruch an den Eigentümer ist über "Risikopachtverträge" ausgenommen.

Seit dem Jahreswechsel wird über die Zäune am Scharpenacken diskutiert: Das Land als Besitzer des Geländes will zum einen die JVA-Baustelle und zum anderen die Ausgleichsflächen für den Eingriff in die Natur durch die Zäune schützen. Auf der anderen Seite sehen sich die vielen Freizeitnutzer am Scharpenacken im Nachteil.

Wiederholt wurde im Zuge der Diskussion darauf hingewiesen, dass die Freizeitnutzung des Geländes auch zu Bundeswehrzeiten immer nur geduldet und ebenfalls eingeschränkt war - und dass weite Teile der Flächen öffentlich zugänglich bleiben. Einen solchen Kompromiss hätte es bei alternativen Nutzungen - etwa in Form eines privaten Golfplatzes - nicht gegeben.

Die Versuchung, sich auch abseits der Wege zu bewegen, ist groß. Die Zäune werden fast schon systemisch durchtrennt und zur Seite gerollt. Die Zäune haben im Zeichen der Proteste gegen den JVA-Bau immer wieder für Diskussionen gesorgt. "Der Sachschaden liegt bereits etwa bei 20.000 Euro", schätzt Ulrike Stoppert vom Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW (BLB). "Wir werden die Zäune reparieren lassen und uns auch andere Maßnahmen überlegen", sagt Stoppert und weist darauf hin, dass die Steuerzahler für Reparaturkosten aufkommen müssen.

Die Bürgerinitiative "Freies Scharpenacken", distanziert sich unterdessen von der Zerstörung und bittet darum, Unmut auf andere Weise auszudrücken.

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