Mit Hilfe von Muttersprachlern macht das Johannes-Rau-Gymnasium seine Schüler fit.

Alltagstest bestanden: Schülerin Jenny ersteht im Rollenspiel eine Zeitung bei Spanier David Sosa García.
Alltagstest bestanden: Schülerin Jenny ersteht im Rollenspiel eine Zeitung bei Spanier David Sosa García.

Alltagstest bestanden: Schülerin Jenny ersteht im Rollenspiel eine Zeitung bei Spanier David Sosa García.

Andreas Fischer

Alltagstest bestanden: Schülerin Jenny ersteht im Rollenspiel eine Zeitung bei Spanier David Sosa García.

Wuppertal. Klar, mit den Spaniern wäre spätestens nach der WM noch ein Wörtchen zu reden. Gelegenheit zur fußball-orientierten Verbalschlacht bietet der Sommerurlaub an der Costa Soundso - nur ist anzunehmen, dass sich die Spanier auch als Wortjongleure überlegen zeigen und den schwitzend-stammelnden Gast an ausgestreckter Cerveza und Paella verhungern lassen.

Aus der Aula wird beim Rollenspiel das Fremdenverkehrsamt

28 Schülern des Johannes-Rau-Gymnasiums war es schon lange vor Südafrika zu dumm, gänzlich sprach-limitiert über die Ramblas von Barcelona zu streifen. Daher nahmen sie bei ihrer Lehrerin Olivia Gaßmann Spanisch-Unterricht - doch der Freude am geschriebenen Satz steht die Verkrampfung beim hautnahen Gespräch gegenüber. Das kennt jeder, der sich mit holprigen Schul-Englisch durch London hangelt. Da sagt man "no" zu allem, was man nicht versteht - selbst wenn es ein Gratis-Einkauf bei Harrods wäre.

Zurück nach Spanien - und ab ins Fremdenverkehrsamt. Tische in der Aula des Gymnasiums dienen als Tresen eines Restaurants, einer Apotheke oder eines Hotels. Das Dumme daran: Die Menschen am Tisch verstehen allesamt kein Wort Deutsch. Ein Rollenspiel, erdacht von Lehrerin Gaßmann - um ihre Schüler fit zu machen für den (Urlaubs-)Alltag auf der iberischen Halbinsel. Um die Situation so lebensnah wie möglich zu gestalten, hat Gaßmann mehrere Wuppertaler mit spanischen Wurzeln für die Rollenspiel-Aktion ins Gymnasium geholt.

Mit Händen und Füßen wird das Hotelzimmer geordert

Die Lehrerin hat Zettel vorbereitet, darauf stehen Aufgaben aus dem touristischen Alltag: Erkundige dich nach der Sagrada Familia, bestelle ein leckeres Essen ohne Knoblauch, reserviere ein Doppelzimmer mit Klimaanlage und Fernseher. Jenny ist tapfer, hat ein Wörterbuch unter den Arm geklemmt und geht erstmal zum Klassenkameraden Christian - dem einzigen Nicht-Spanier auf der anderen Seite des Tisches. Doch leicht wird’s auch bei ihm nicht - er hat elf Monate in Venezuela verbracht und kann perfekt den Muttersprachler mimen.

"Tengo", legt Jenny los und liegt schon falsch, denn sie "hat" nicht, sondern "busca", sie "sucht" ein Zimmer. Hände und Füße sind erlaubt, also fragt Jenny: "Tienes?" und macht dazu Schwimmbewegungen. Alles klar, "Piscina", "Pool" ist vorhanden, Zimmer wird gebucht. Dann mal weiter zur Apotheke, weil die Mückenstiche noch jucken.

Bei "Kioskbesitzer" David Sosa García ist Jenny schon total locker, bestellt selbstbewusst Zeitung und eine Flasche Limo und hat den Bogen raus. David aus Sevilla ist aber auch wirklich charmant, da könnte man sich schnell festquatschen. Außerdem kennt er das Problem mit der Sprachbarriere aus eigener Anschauung, weil er noch nicht lange in Wuppertal lebt. Warum er herkam? "Melanie", sagt er nur kurz. Wie lange will er noch bleiben? Auch da hilft die Antwort: "Melanie."

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