Die Premiere der „Rocky Horror Show“ am Freitag erntete nicht enden wollenden Applaus.

Die Premiere der „Rocky Horror Show“ am Freitag erntete nicht enden wollenden Applaus.
Knallig, travestiehaft, erotisch, gelackt: In der sakralen Szenerie eines Kirchenraums feiert die Exzentrik sich selbst.

Knallig, travestiehaft, erotisch, gelackt: In der sakralen Szenerie eines Kirchenraums feiert die Exzentrik sich selbst.

Jens Grossmann

Knallig, travestiehaft, erotisch, gelackt: In der sakralen Szenerie eines Kirchenraums feiert die Exzentrik sich selbst.

Wuppertal. „Dass es in Wuppertal so etwas gibt“, ist die begeisterte spontane Äußerung eines Besuchers während der Pause. Mit dieser Meinung ist er im ausverkauften Opernhaus wahrlich nicht allein. Alle sind selig. Ausgelassene Stimmung im Foyer und – viel wichtiger – im Auditorium. Und das sieht hinterher viel schlimmer aus als bei Hempels unterm Sofa: alles voller Reis, Konfetti, Massen an Toilettenpapier, Bierdeckel als Ersatz für Toastscheiben, Zeitungspapier. Auch die Luftfeuchtigkeit hat sich erhöht, wird doch ausgiebig von Wasserpistolen Gebrauch gemacht. Und natürlich sind ein paar Gäste angemessen kostümiert.

Der nach wie vor ungebrochene Kult aus den 70er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts ist nun endlich auch im Tal der Wupper so richtig angekommen. Und das nicht zu knapp. Richard O’Briens „The Rocky Horror Show“ als Übernahme aus dem Saarländischen Staatstheater Saarbrücken ist der Hammer.

Wenn eine Viertelstunde nach dem offiziell letzten Ton die Party noch weitergeht, gejohlt, gepfiffen, geklatscht wird, die Highlights – der „Time Warp“ sogar zweimal – wiederholt werden muss, befinden wir uns in dem nicht enden wollenden Spektakel des Planeten Transsexual in der Galaxie Transylvanien, das auf die Erde herüberschwappt.

Regisseur Sebastian Welker setzt dem altbekannten Trubel sogar noch eins drauf. Man befindet sich nämlich in einer großen katholischen Kirche mit barockem Hochaltar (Bühnenbild: Stephan Prattes). Der mutiert schließlich zum Raumschiff, das Richtung die unendlichen Weiten des Weltraums abhebt. Statt des christlichen Weltenlenkers gibt es darauf das Konterfei von Tim Curry (der Darsteller der Uraufführung und der legendären Verfilmung von Frank N. Furter), der über allem wacht. Unter ihm ist hübsch der heilige Sebastian anzuschauen. Alle Wände des Beichtstuhls wackeln heftig, wenn es Rocky und Janet darin ausgiebig treiben. Von den beiden Emporen kommen obszöne Gesänge. Außerdem werden dort die Verlobten ihrer Unschuld beraubt. Von der Kanzel werden alles andere als religiöse Reden geschwungen. Rocky hat ein derart großes Gemächt, dass es wohl ewig im Guinness-Buch der Rekorde bleibt. Weiterhin wird Bigotterie erbarmungslos entlarvt, als der Bischof auf einmal in Strapsen und mit Korsett daher kommt.

Auch Susanne Hubrichs andere Kostüme sind treffend knallig, travestiehaft, erotisch, gelackt.

Darstellerisch und gesanglich bewegen sich alle Protagonisten auf hohem Niveau. Johanna Spantzel ist eine plausible Janet Weiss mit ihrer naiv-betörenden Stimme. Dustin Smailes überzeugt als biederer Brad Majors. Mark Bowman-Hester ist als bösartiger Riff-Raff mit allen Wassern gewaschen. Andreas Wolfram in Gestalt von Frank N. Furter hat alles drauf, was solch einen lasterhaften Typen und Barbaren ausmacht. Sebastian Campione in Gestalt von Dr. Everett Scott im Rollstuhl, der Erotik wahrlich nicht abgeneigt ist, behält beim Verspeisen von Eddie (toller Rockgesang von Eddy Eberling) immer einen klaren Kopf. Ferner gibt es an Rocky (Christian Schöne), Magenta (Anke Fiedler) und Columbia (Mariyama Ebel) überhaupt nichts auszusetzen.

Und die fünfköpfige Band um Keyboarder Heribert Feckler rockt gnadenlos gut ab. Das ist ganz großes Kino, eine schrille Grusical-Horror-Show und Science-Fiction-Persiflage vom Allerfeinsten.

Die Fans sind ganz bei der Sache, machen enthusiastisch mit: Erzähler Simon Stricker versucht vergeblich, sich gegenüber den massenhaften „Borings“ durchzusetzen. „Weisss“ zischt es von überall her, wenn der Name Janet fällt. Und bei den durchschlagenden Hits gibt es keinen Unterschied zur Stimmung wie auf Rockkonzerten.

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