Rettungsdienste entwickeln sich technisch weiter: Sie bieten heute auch Funksender, Fallsensoren und Bett-Matten mit Kontaktmessung an – mehr Neuerung folgt.

Rettungsdienste entwickeln sich technisch weiter: Sie bieten heute auch Funksender, Fallsensoren und Bett-Matten mit Kontaktmessung an – mehr Neuerung folgt.
Ein Mitarbeiter der Johanniter kommt beim Notfall auf Knopfdruck.

Ein Mitarbeiter der Johanniter kommt beim Notfall auf Knopfdruck.

Über den Alarmknopf am Handgelenk ist der Träger schnell mit der Notrufzentrale verbunden.

obs/Johanniter-Unfall-Hilfe e.V., Bild 1 von 2

Ein Mitarbeiter der Johanniter kommt beim Notfall auf Knopfdruck.

Wuppertal. Wer sich heute beim Deutschen Roten Kreuz (DRK) oder anderen Anbietern wie den Maltesern und den Johannitern in Wuppertal über den Hausnotruf informiert, staunt wahrscheinlich über die Entwicklung dieser Angebote. Denn längst geht es nicht mehr nur darum, hilfsbedürftige Menschen mit einem Alarmknopf abzusichern, den sie im Notfall drücken können. Das ist die Grundausstattung, die mittlerweile viele Extras hat.

„Der Kunde bekommt einen Funksender, den er wie eine Armbanduhr oder wie eine Halskette tragen kann“, erklärt Dominic Hahne vom DRK- Kreisverband Wuppertal. Dazu steht eine Basisstation in der Wohnung, die aussieht wie ein Anrufbeantworter. Sie wird an die Telefonleitung angeschlossen und ist mit der Hausnotrufzentrale verbunden.

Geht dort ein Alarm ein, weil ein Kunde den Knopf seines Funksenders gedrückt hat, werden sofort Adresse mit Angaben von Etage oder Besonderheiten, Wohnungsprofil, Krankheiten und Medikamente der Person übermittelt. Der Mitarbeiter in der Zentrale spricht über die Basisstation zum Kunden. Bekommt er keine Antwort, fährt ein Fahrer los – den Haustürschlüssel hat er dabei. Die Erstversorgung des Patienten ist möglich, je nach Situation wird eventuell ein Rettungswagen gerufen.

Rauch-, Gas- und Wassermelder mit der Notrufzentrale verbunden

„In der Regel finden wir keine lebensbedrohlichen Situationen vor“, sagt Hahne. Der Hausnotruf sei vielmehr oft der Wunsch älterer Menschen nach einer Absicherung im Alltag – oder der Angehörigen, die weiter weg wohnen und im Notfall nicht schnell genug vor Ort sind. 1260 Kunden in Wuppertal und Umgebung zählt der Hausnotruf bereits und punktet mit weiteren Angeboten. „Wir können beispielsweise Demenzkranke in ihrer Wohnung so absichern wie in einem Pflegeheim“, sagt Hahne. Denn es gibt spezielle Rauch-, Gas- und Wassermelder, die direkt mit der Notrufzentrale verbunden sind, Kontakt- und Bewegungsmelder lösen Alarm aus, sobald Eingangs- oder Terrassentüren geöffnet werden. Verlässt eine verwirrte oder demente Person das Haus, weiß die Zentrale sofort Bescheid.

„Solche Sicherheitsmaßnahmen buchen in erster Linie die Angehörigen“, sagt Hahne. Denn wer partout nicht ins Pflegeheim will, ist damit in seinen eigenen Wänden gut aufgehoben. Auch bettlägerige Patienten können sich auf die Hilfe des Hausnotrufs verlassen. Sofern sie eine spezielle Matte auf der Matratze haben, die den Kontakt misst. Bricht der für einige Minuten ab, wird Alarm ausgelöst. „Das ist dann das Zeichen, dass die Person vermutlich aus dem Bett gefallen ist“, erklärt Dominic Hahne. Eine Absicherung, damit es nicht bis zum nächsten Tag dauert, bis der Pflegedienst den Verunglückten findet.

Funksender am Handgelenk misst Erschütterungen

Anbieter in Wuppertal sind zum Beispiel das Deutsche Rote Kreuz, die Malteser und die Johanniter.

Der Hausnotruf ist ab rund 40 Euro im Monat buchbar, verschiedene Zusatzleistungen kosten extra; er ist als Pflegehilfsmittel im Rahmen der Pflegeversicherung anerkannt und wird bezuschusst.

Der Fahrdienst des Hausnotrufs braucht etwa 30 Minuten, bis er beim Kunden ist, da er nicht mit Blaulicht fährt. Entsprechend den Angaben des Kunden oder der medizinischen Vorgeschichte informiert das DRK im Notfall jedoch sofort einen Rettungswagen.
www.malteser-wuppertal.de
www.johanniter.de
www.drk-wuppertal.de

Stürze können aber auch mittels eines Fallsensors übermittelt werden. Sie sind eine zusätzliche Komponente im normalen Funksender am Handgelenk. Er misst Erschütterungen. Deren Stärke ist in etwa so, als schlüge man mit der Hand auf die Sofalehne. Erfolgt 30 Sekunden danach keine Bewegung, beginnt das Gerät zu vibrieren. Bleibt der Patient regungslos, wird ein Alarm gesendet. „Dann ist von einer Ohnmacht auszugehen und wir fahren los.“

Die Basisstation kann der Kunde übrigens zu seiner eigenen Sicherheit auch nicht ausschalten. „Stromausfall löst eine Meldung aus. Das Gerät schaltet auf Batterie um, bis es wieder angeschlossen ist.“ Auch als eine Kundin zu Weihnachten Strom für ihre Lichterkette des Tannenbaums brauchte und den Stecker zog, rief sofort die Zentrale an.

Für unterwegs gibt es den mobilen Notruf: Der Kunde trägt ein Handy bei sich und drückt im Notfall drei Sekunden lang auf einen Knopf. Per GPS wird er geortet, über die Freisprecheinrichtung Kontakt aufgenommen. „Eine Kundin stürzte am späten Nachmittag auf einem Friedhof an einer so abgelegenen Stelle, dass sie dort vermutlich niemand mehr an dem Abend gefunden hätte“, erzählt Hahne. „Das ist eine gute Absicherung für alle, die viel draußen sind, mit dem Hund spazieren gehen oder Rad fahren.“ In naher Zukunft soll es auch eine Armbanduhr geben, die mit GPS und einem Notfallknopf ausgerüstet ist.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer