Teile der Ruhestätte werden seit 2013 von Wuppertalern des zweiten Arbeitsmarktes wieder hergerichtet.

Dieter Mattner (v.l.), David Vinitz, Leonid Goldberg, Thomas Lenz und Henry Wollner schauten sich auf dem jüdischen Friedhof um.
Dieter Mattner (v.l.), David Vinitz, Leonid Goldberg, Thomas Lenz und Henry Wollner schauten sich auf dem jüdischen Friedhof um.

Dieter Mattner (v.l.), David Vinitz, Leonid Goldberg, Thomas Lenz und Henry Wollner schauten sich auf dem jüdischen Friedhof um.

Andreas Fischer

Dieter Mattner (v.l.), David Vinitz, Leonid Goldberg, Thomas Lenz und Henry Wollner schauten sich auf dem jüdischen Friedhof um.

Der Grabstein wiegt um die 800 Kilogramm und wird von einem Flaschenzug in die Höhe gehievt und zunächst an die Seite gelegt. „Erst dann können wir die Einfassung wieder herrichten und den Stein wieder an seinen richtigen Platz setzen“, verrät Dieter Mattner, Projektleiter bei der GBA, der die Restaurierungsarbeiten am jüdischen Friedhof am Weinberg fachkundig beaufsichtigt.

„Der Friedhof war durch Kriegsfolgen und Witterungseinflüsse geradezu verwüstet, die Steine waren umgestürzt, die Fassungen zerbrochen.“

Thomas Lenz, Chef des Jobcenters

Das genannte Grab mit Blick auf die A 46 ist eine der letzten Ruhestätten, die in jahrelanger Zusammenarbeit der jüdischen Kultusgemeinde mit dem Jobcenter, begleitet von den Menschen des zweiten Arbeitsmarktes, wieder hergerichtet werden. Kurz vor dem Abschluss der Arbeiten hatten sich Leonid Goldberg, der Vorsitzende der jüdischen Kultusgemeinde, Rabbiner David Vinitz, Thomas Lenz als Chef des Jobcenters und Henry Möllner, Prokurist der GBA (Gesellschaft für berufliche Aus- und Weiterbildung) sowie Dieter Mattner auf dem jüdischen Friedhof zusammen gefunden. Sie begutachteten das Werk, das viele fleißige Hände („Insgesamt waren es 35 Frauen und Männer, und vier bis fünf waren ständig hier beschäftigt“, so Mattner) seit 2013 geschafft hatten.

Und das war schon eine gewaltige Aufgabe. „Der Friedhof war durch Kriegsfolgen und Witterungseinflüsse geradezu verwüstet, die Steine waren umgestürzt, die Fassungen zerbrochen“, berichtet Thomas Lenz, der auch an das Vorläufer-Projekt in den 1990er Jahren erinnert, in denen das Feld der Kindergräber vorne am Eingang wieder hergerichtet worden war.

In dem vergangenen Jahrzehnt des vorangegangenen Jahrtausends war die jüdische Kultusgemeinde auf spärliche 65 Mitglieder, zumeist in fortgeschrittenem Alter, geschrumpft und konnte selbst eine derartige Restaurierungsarbeit gar nicht leisten.

Wenn in Wuppertal Menschen jüdischen Glaubens sterben, werden sie auf dem neuen Friedhof Krummacherstraße bestattet. Dort soll, in direkter Nachbarschaft, der muslimische Friedhof in Varresbeck entsteht. Das Projekt ist weltweit einmalig. Träger des Projektes ist der Verein muslimische Friedhöfe Wuppertal. Er hat die 20 000 Quadratmeter große Fläche mit Hilfe des hiesigen Moscheevereins für 200 000 Euro erworben.

Doch im Laufe der vergangenen beiden Jahrzehnte zogen viele, meist osteuropäische Menschen jüdischen Glaubens nach Wuppertal. „Jetzt hat unsere Gemeinde wieder 2200 Mitglieder“, stellt Leonid Goldberg fest.

Einige, die die Hilfe des Jobcenters in Anspruch nehmen mussten, konnten auf dem Friedhof Weinberg so in ihrer neuen Heimat unter qualifizierter Anleitung Hilfe für die jüdische Gemeinde leisten und sich auf diese Weise für den ersten Arbeitsmarkt qualifizieren. „Das steht bei allen Arbeiten im Vordergrund“, betonte Henry Wollner von der GBA und fügt hinzu, dass die GBA es auch als ihre Aufgabe ansieht, die Menschen aus den verschiedenen Kulturen und Lebenssituationen auch sozial und außerberuflich zu unterstützen.

Leonid Goldberg, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde

Der denkmalgeschützte jüdische Friedhof am Weinberg wurde 1896 angelegt, und vor allem die prächtigen Gräber im ersten Teil des Friedhofes zeugen vom offenbar hohen Ansehen, das die Verstorbenen zu Lebzeiten genossen haben müssen. „Auch zeichnen die unterschiedlichen zeittypischen Stile der Grabsteingestaltung, die Namen und die Grabsteininschriften ein faszinierendes Bild Wuppertaler Stadtgeschichte auf, das nicht in Vergessenheit geraten darf“, so Thomas Lenz.

Leonid Goldberg bestätigt: „Der jüdische Friedhof am Weinberg ist ein Kulturgut der Stadt Wuppertal, an dem sich nicht nur der Werdegang unserer Gemeinde ablesen lässt.“

Neue Begräbnisse gibt es am Weinberg übrigens kaum noch. „Ausnahmen bilden die Bestattungen von Ehepartnern, deren Frau oder Mann schon hier begraben sind. Oder, wenn es sich um Gräber in Familienbesitz handelt und der Verstorbene zu Lebzeiten den Wunsch geäußert hat, hier seine letzte Ruhe zu finden“, erklärt der Vorsitzende der jüdischen Kultusgemeinde.

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