Rauchen: Einem Minderjährigen wurde in Vohwinkel der Zutritt zu einer Eisdiele verwehrt – das Lokal ist ein Raucherclub.

Wuppertal. Ist Speiseeis jugendgefährdend? Muss man für den Verzehr von Bananensplit oder Spaghetti-Eis erst 18 Jahre alt werden? Sabine Thöne versteht die Welt nicht mehr. "Mein vierjähriger Sohn Ben wollte in Begleitung seiner Tante ein Eis in dem kleinen Eiscafé am Kaiserplatz essen", berichtet die Vohwinkelerin. "Es wurde ihm verweigert mit der Begründung, dass er noch nicht 18 Jahre alt sei. Die Erklärung dafür war der Aufenthalt von Rauchern in dem Eiscafé."

Raucherclub: Kein Zutritt für Kinder

Das stimmt, wie Monir Belhadj bestätigt. ,"Wir sind ein Raucherclub", sagt der Inhaber des Lokals. Und für Raucherclubs gebe es nun einmal umfassende Bestimmungen. Unter anderem die, dass nur erwachsene Mitglieder Zutritt haben.

Deshalb darf der kleine Ben im Lokal kein Eis essen. "Da läuft meiner Meinung nach etwas verkehrt, wenn sich ein Eiscafé gegen Kinder und für einen Raucherclub entscheidet", sagt Sabine Thöne.

Eisdielen-Chef Monir Belhadj ist selbst nicht glücklich über die Regelung, wie er gestern im Gespräch mit der WZ sagte. Er habe das Eiscafé vor gut einem Jahr übernommen - "aber da war es schon ein Raucherclub", so Belhadj. "Das ist eine schwierige Situation für uns", sagt der Inhaber. "Natürlich möchten wir auch unsere kleinen Gäste gern bedienen, und im Sommer ist das auch kein Problem." Dann sei das Lokal offen, man könne draußen sitzen. "Aber im Winter geht das leider nicht." Und als Existenzgründer könne er auf das mehrheitlich rauchende Stammpublikum nicht verzichten. "Eine einheitliche Regelung für alle wäre besser", sagt der Inhaber. In dieser Form sei das Gesetz für Raucher wie Nichtraucher unbefriedigend.

Sabine Thöne hat "noch nie davon gehört, dass Eiscafés Raucherclubs sein können". Doch das ist tatsächlich möglich, wie auch das städtische Ordnungsamt bestätigt: "Grundsätzlich kann auch ein Eiscafé ein Raucherclub sein", sagt Abteilungsleiter Klaus Wolter. Dabei seien aber die entscheidenden Regeln zu beachten. Unter anderem eben, dass Kinder keinen Zutritt zum Lokal haben. "Es reicht nicht, einfach nur das Schild vor der Tür anzubringen", sagt auch Christian Jäger, Geschäftsführer Dehoga (Deutscher Hotel- und Gaststättenverband) Nordrhein, zuständig für das Bergische Land. "Ein Raucherclub ist aufwändig, es gibt viel zu beachten." Dabei werde im übrigen nicht unterschieden zwischen konzessionspflichtigen und -freien Gaststätten. Die meisten Restaurants würden sich aber eher für Nichtraucher entscheiden, so Jäger.

Es gibt für Gastronomen, die ihren Gästen Zigarettenkonsum ermöglichen möchten, drei grundsätzliche Varianten: die Einrichtung eines separaten Raucherraums, die Umwandlung des Lokals in einen Raucherclub und die sogenannte Raucher- oder Eckkneipen-Regelung.

Wird ein Lokal in einen Raucherclub umgewandelt, haben nur Mitglieder Zutritt. Es handelt sich dann um eine geschlossene Gesellschaft, ein Schild am Eingang muss auf den Raucherclub hinweisen. Neue Mitglieder registrieren sich, die Listen liegen im Lokal aus.

Wie viele Raucherclubs es in Wuppertal gibt, lässt sich schwer beziffern, denn Gastronomen müssen dem Ordnungsamt einen neu gegründeten Raucherclub nicht melden, sagt Klaus Wolter. Kontrolliert werde "nach Hinwei- sen oder im Zuge anderer Überprüfungen. "Gezielte Kontrollen ohne Grundlage sind schon aus personellen Gründen nicht möglich."

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