SPD und CDU stellen einen Änderungsantrag für die Ratssitzung am kommenden Montag. Grüne signalisieren ebenfalls Zustimmung. WSW verteidigen Berechnungen zur Wirtschaftlichkeit des Projekts.

Bekommt Wuppertal eine Seilbahn?
In Köln fährt bereits seit 60 Jahren eine Seilbahn über den Rhein. Damals war sie die erste ihrer Art in Europa.

In Köln fährt bereits seit 60 Jahren eine Seilbahn über den Rhein. Damals war sie die erste ihrer Art in Europa.

dpa

In Köln fährt bereits seit 60 Jahren eine Seilbahn über den Rhein. Damals war sie die erste ihrer Art in Europa.

Wuppertal. Am kommenden Montag wird im Stadtrat über den Bau der Seilbahn abgestimmt. Da SPD und CDU einen Änderungsantrag gestellt haben, wird der Grundsatzbeschluss allerdings eine „Zwei-Stufen-Lösung“ vorsehen. „Wir wollen den zweiten nicht vor dem ersten Schritt machen. Zunächst einmal muss sichergestellt sein, dass das für die Talstation vorgesehene Grundstück von der Deutschen Bahn auch tatsächlich erworben werden kann“, erläutert Hans-Jörg Herhausen, verkehrspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion, den Antrag.

SPD und CDU sind sich offensichtlich darüber einig, dass die Grundstücksfrage vor Einleitung des Planfeststellungsverfahrens geklärt werden muss, um unnötige Planungskosten zu vermeiden. Auch müsse vorher feststehen, ob die Investitions- und Folgekosten für die Talstation im Rahmen des festgelegten Kostenrahmens finanziert werden können, damit das Projekt wirtschaftlich bleibt. „Erst nach Klärung dieser Fragen wird es die Einleitung des Planfeststellungsverfahrens durch einen weiteren Ratsbeschluss geben“, sagt Hans-Jörg Herhausen.

Nach Informationen der WZ war die CDU die treibende Kraft beim Zustandekommen des Änderungsantrages. Grundsätzlich zeichnet sich eine Mehrheit für den genannten Änderungsantrag ab. „Bei einem entsprechenden Ratsbeschluss könnten wir in Verhandlungen mit der Bahn einsteigen. Das Grundstück kann meines Wissens nach nicht gegen den Willen der Stadt verkauft werden“, sagt Ulrich Jaeger, Geschäftsführer von WSW mobil.

Im Vorfeld der Abstimmung im Rat hatten die WSW gestern erneut zu einer Pressekonferenz eingeladen, um Argumente der Seilbahngegner und Zweifel an den Gutachten und Bewertungen des Seilbahnprojektes zu widerlegen. „Der Bau einer Seilbahn ist volkswirtschaftlich sinnvoll und daher förderungswürdig“, erklärte Anke Berndgen, die für das Unternehmen Spiekermann consulting engineers eine standardisierte Bewertung des Projektes erstellt hat, die für große Bauvorhaben im öffentlichen Nahverkehr obligatorisch ist.

Kritiker der Seilbahnpläne hatten darauf hingewiesen, dass die Berechnungen auf veralteten Richtlinien beruhen. Dies räumte Anke Berndgen ein. Seit April dieses Jahres gäbe es geänderte Richtlinien für standardisierte Bewertungen. „Bei einer Neuberechnung ist aber keine wesentliche Änderung des ermittelten Wertes von 1,8 nach unten zu erwarten“, sagte Anke Berndgen. Damit die Fördergelder vom Land NRW fließen, sei ein Wert von 1,2 bis 1,3 erforderlich. Der Refinanzierungswert von 1,8 für die Seilbahn bedeutet, dass für jeden investierten Euro 1,8 Euro in die Volkswirtschaft zurückfließen.

Die Seilbahn fährt nicht bei jedem Wetter – sagen die Seilbahngegner. Dem stimmt Martin Dönch von den WSW zu. Fegt der Wind mit 100 Stundenkilometern und mehr, muss der Betrieb unterbrochen werden. 2016 gab es keinen derartigen Fall, aber in 26 Fällen Warnungen in Wuppertal vor Windgeschwindigkeiten bis 85 Stundenkilometer.

Auch bei einem starken Gewitter fährt eine Seilbahn nicht. Einen solchen Fall hätte es laut Martin Dönch im vergangenen Jahr nur einmal gegeben. Allerdings hätte die Störung nicht länger als 48 Minuten gedauert. Die Seilbahn sei mit zwei Antriebsmotoren und einem Notstromaggregat als Sicherung geplant.

Die Betriebswirtschaftlichkeit der Seilbahn sei bei Investitionen bis zu 90 Millionen Euro gegeben, sagte Ulrich Jaeger. Die Betriebskosten könnten geringer als für andere Seilbahnbetreiber angesetzt werden, da Werkstätten vorhanden seien und keine zusätzlichen Betriebsleiter angestellt werden müssten. 17,8 Stellen haben die WSW für den Betrieb der Seilbahn angesetzt.

Gegenfinanziert wird die Seilbahn durch die Einsparung von Buskilometern. Die WSW sprechen von fünf Millionen Straßenkilometern, die wegfallen könnten. Diese Berechnung beziehe sich nicht allein auf die Cronenberger Straße, sondern schließe umfassender Verkehrsbeziehungen ein. Dem Wunsch der Grünen, das Busnetz bis auf den Uni-Express zu erhalten und den Burgholz-Express zusätzlich anzubieten, erteilte Ulrich Jaeger eine Absage.

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